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Sonntag, 6. September 2015

Hercules in New York (1969)

HERCULES IN NEW YORK


ANALYSE:

Hercules wird mal wieder vom Sucht-Druck heimgesucht und beschließt zum Anabolika-Schlussverkauf nach New York zu reisen. Die Entbehrung macht ihm zu schaffen und so landet die griechische Legende erst einmal auf einem Flugzeug. Eine Dame bemerkt den blinden Passagier, doch Zeus schaltet sich ein und sie wird umgehend durch eine Portion Nervengas ruhig gestellt. Anschließend macht der Athlet einen Sprung ins Wasser und wird von der ozeanischen Mitfahrzentrale abgeholt und zum Big Apple eskortiert.

LIBERALIZE THIS!
Das liberal-grüne Klima welches ein komisch duftendes Windchen durch die Lande bläst rührt einzig und allein durch den selbstlosen Einsatz des Herbalinators auf der kalifornischen Polit-Spielwiese her.
Hier sehen wir wie Arnold - der Politiker - mit schwarzbepelzten Gesetzesblockierern verfährt welche sich mithilfe von sogenannten "Tarnfellen" unter die Wählerschaft mischen.
Früher noch als grauenhafte Dickhäuter auftretend bevorzugen diese mittlerweilen den modisch ansprechenderen Look "Republikanischer Tanzbär"

Kaum angekommen treiben die durch Anabolika ausgelösten Aggressionen den Halbgott in eine Keilerei. Ein Brezel-Verkäufer beobachtet die Schlägerei und findet Gefallen an dem fremden Hünen. Er entsagt den krummen Dingen und folgt dem Objekt seiner Begierde nun als Manager und Vermittler.
Die Dope Suche treibt Hercules und seinen Begleiter auf einen Sportplatz, wo der Held sich anhand verschiedener Olympischer Disziplinen profilieren kann. Alsbald ist der benötigte Kontakt auch hergestellt und ein Treff wird vereinbart. Im Streit um den Preis des Aufputschmittel, wird Hercules handgreiflich und schleudert einen anderen Kunden durch das Zimmer. Überraschend verliebt sich dessen weibliche Begleitung in den griechischen Aggressor und brennt mit ihm durch.
Wir freuen uns, dass Sie sich für Airnold-Airlines entschieden haben und wünschen Ihnen einen guten Flug!



Der Manager jedoch ist deutlich gekränkt und betet folglich um göttliche Beihilfe um dem Muskelprotz eins auszuwischen. Zufällig ist Zeus bis zur Oberlippe mit Ouzo gefüllt und erfüllt dem Bittsteller den Wunsch. Die göttlichen Kräfte werden entzogen und ferner gehört Hercules' Hintern nun fiesen Betreibern einer Wrestling Arena. Dort muss er kämpfen um weiter die Stoff Lieferungen zu erhalten.

Jedoch stellt sich für den verliebten Manager bald heraus, dass die Berührungen zwischen seinem Kämpfer und diversen Peinigern nicht zur sexuellen Umpolung führen würden. Jedoch ist die Situation mittlerweile eskaliert und der Schlagabtausch wird in der New Yorker Skyline ausgetragen. Als Hercules Muskeln die Aufputschmittel verbrannt haben und ein Sieg in weiter Ferne scheint, treibt Zeus das schlechte Gewissen eines versoffenen Vaters. Er schickt zwei Schläger vom Olymp und gibt ihnen ein bisschen Boost für den schwächelnden Sohn mit.

Nachdem die Sterblichen geschlagen sind, entschuldigt sich Hercules für sein Anabolika-typisches Verhalten und wird auf den Olymp zurück geholt als sich seine Aggression gelegt hat. Da er nun genug Stoff hat, interessiert ihn sein Manager nicht mehr und er verschwindet ohne sich noch persönlich zu verabschieden. Aus Rache für die angedrehte Knechtschaft schickt er aber Radio Botschaften, um dem zugeneigten Verwalter stets im Kopf zu bleiben. Im Olymp hingegen bemerkt Zeus, dass er nun auch keinen Stoff mehr hat und begibt sich ebenfalls zum Anabolika Schlussverkauf.


DIAGNOSE:
Die 68er Revolution brachte viele alternative Meinungsmacher hervor, folglich musste das in seinen Grundfesten erschütterte amerikanische Establishment gegen diese "friedlich" vor sich hinspriessende Gefahr für die konservative Regierung, auf irgendeine Art und Weise vorgehen.
Die Verteidigung des amerikanischen Wertesystems sollte mithilfe symbolischer St(r)ahlkraft der Kunst vollzogen werden. Auf der Suche nach einer Gallionsfigur für den Widerstand gegen das antiliberale Blumen-Bollwerk, wurde man im österreichischen Ausland fündig.

Arnold hatte sich so sehr hochgespritzt, dass seine Muskeln nicht nur international bekannt waren, sondern auch die, seit der Antike etablierten hannibalischen Transportrouten nicht mehr die Dopingversorgung ausreichten.
Der geniale Coup des amerikanischen Präsidenten brachte der konservativen Regierunng nicht nur eine Gallionsfigur, nein, auch die bisher am Limit operierenden Muckibuden kamen dadurch in Kontakt mit hilfreichen Aufbaupräparaten.

Um seinen Background gerecht zu werden, gleichzeitig das vorbelastete Österreich aber nicht zu erwähnen, nutzte man seine Verbindungen nach Griechenland um Spiritualität in den Anti-Hippie-Film einzubauen.
„Mehr Gewichte, mehr Wiederholungen, keine Pausen!
Schneller Heben, derber schreien, keine Flausen!
Doch irgendwann wirst du gebremst von Mutter Natur.
Der entgehst du nur, per Anabolika Langzeit Kur.“  
(O-Ton Arnold Schwarzenegger)






Montag, 29. Oktober 2012

Hardware (1990)




Uranes Schrottgeflüster im Ragnarök-Zoo

„Um einen Feuerball rast eine Kotkugel“, konstatierte einst Dadaist Walter Serner in seiner zu Papier gebrachten Panzerfaust-Polemik. Auf jenem Kotkoloss hausen merkwürdige Wesen, die irgendwann auf die glorreiche Idee kamen, sich gegenseitig mit Atombomben und anderen Knallkörpern zu bewerfen sowie übertrieben derb aufzurüsten. Ich nenne das „Globales Pimmelfechten“. Im Kalten Krieg war die Welt vernervöst ob eines gar schrecklichen Gewusels, weil die Roten im Jahre 1957 einen Blechball mit Antennen dran ins All schossen. So kreiste um den Kotklumpen munter eine Fliege, die jedoch irgendwann einfach verglühte, weil sie jenem zu nahe kam. Dem Land der Sternchen und Streifchen ging das gewaltig gegen den Strich, es stürzte gar in die wohl lächerlichste Selbstwahrnehmungskrise aller Zeiten - selbst 5.000 Kalorien am Tag konnten da keine Abhilfe schaffen.

WHERE'S YOUR AMERICAN DREAM NOW?!


Diese Hanutaabziehbildchensammlermentalität zog weite Kreise und formte eine allseits bekannte Faustregel: Im Sandkasten will Klaus in erster Linie Peters himmelblaues Eimerchen haben, weil er sich einbildet, damit schönere Burgen bauen zu können - in Fachkreisen spricht man von der sogenannten "Sandkastenillusion". Jene erweist sich seit jeher als bedeutsamer Aspekt der Urproblematik der Spezies Mensch, von denen aber immerhin ein paar wenige dazu in der Lage sind, den großen Mächtigen ihr Spielzeug wegzunehmen oder aber das auf Zelluloid zu bannen, was allgegenwärtig ist: Die Angst vor dem endgültigen Knall. 

"Ihre Augen stehen aber weit heraus...
Einen Moment, das haben wir gleich."

Analyse
In Richard Stanleys Postapokalypsescharmützel Hardware liegt dieser ein Weilchen zurück. Es war einmal mehr der Mensch, der sich selbst in eine evolutionäre Sackgasse bombte. Die kläglichen Überreste formten stählerne Molochs, die von allerlei merkwürdigen Gestalten besiedelt sind. Vielleicht wurde hier eine Hängebrücke zu Kubricks Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb geschlagen, einem verflucht wichtigen Film über die selbstzerstörerische Natur des Homo Sapiens. Die Weltvernichtungsmaschine ist bekanntlich der Mensch selbst und die Knöpfchendrücker sind allesamt entartete Kreaturen, die "abendländischer Humanismus" nicht einmal buchstabieren können. Und wie es Orson Welles in Carol Reeds The Third Man durchschaut, ist die Membran zwischen Regierung und Bürger eine semipermeable: Ein abgefucktes Oben bedingt ein abgefucktes Unten; wie könnte es auch anders sein...

MENSCH VERBUDDELE DICH NICHT:
Dem Weibe einen Schädel schenken, dabei nur mit dem Phallus denken, sich später das Genick anknacksen, im Angesicht letaler Faxen, das Fleisch pulsiert im Klammergriff, da hilft kein Schrei - da hilft kein Pfiff, M.A.R.K. 13 fetzt sich durch Gedärm, es bersten Knochen - was ein Lärm, die Suppe klatscht an Wand und Boden, es platzen gröblich ein Paar Hoden, ach ließ er doch das Buddeln sein, gut Geld gibts auch als Schneiderlein, und die Moral von der Geschicht', fass' niemals an was dein nicht ist.


Tausendundein Bombenpilz - und es hat Boom gemacht. Die Welt ist getaucht in ein Farbspektrum der Gattung "abgenutzter Bratschlauch". Ein säuerlicher Fallout ist unangenehmer Dauerzustand, der aber nicht verhindern kann, dass in Proto-Outland Gestalten umherirren, die sich vermehren wie die Karnickel. Metropolen platzen aus allen Nähten, die Regierung versucht der Überbevölkerung Herr zu werden und verhängt üble Restriktionen. Wer gegen sie verstößt und allzu inflationär mit seinen Genen um sich ballert, dem werden flugs die Nahrungsmittelrationen gestrichen. Und wie ihr ja alle wisst: Ein leerer Bauch der fickt nicht gern. Sollte dies nichts nützen, wird in Zukunft eine Armee mittelschwerbewaffneter M.A.R.K.-13-Roboter dafür sorgen, dass ein perverses Gleichgewicht herrscht. So werden nicht nur Menschen, die den Samenhahn nicht zudrehen wollen, auf der Abschussliste garstiger Mechanoiden stehen, sondern jeder, der einen Fleischmantel trägt und als überflüssig erachtet wird.

Gestatten Lincoln, der obligatorisch-notgeile Postapokalypse-Fettsack, der beim masturbativen Spannen nicht nur aus jeder Ritze schwitzt, sondern seinen Mundbereich stets glänzend feucht hält.
Dreimal dürft ihr nun raten, was der Verbuddler - anti-method-geacted von Carl Mc Coy, Frontmann der Gothkapelle "Fields of the Nephilim" - zu Beginn des Films in der "Todeszone" zu Tage fördert. Richtig: Einen leicht vergammelten M.A.R.K.-13-Protoypen, dem eine Mine sein Lichtlein ausblies. Eingepackt - mitgenommen - verkauft - verschenkt - angepinselt...ihr kennt den Rest. Abgefahren wie das Teil ist, baut es sich in der Wellblechhütte von Schrottfetischistin Jill in bester Tetsuo-Manier wie von Zauberhand zusammen und "goes apeshit", wie James Rolfe es zu sagen pflegt. Zuvor aber staunt man erstmal nicht schlecht, wenn Möchtegern-Cyborg und Beinahe-Held Moses (er trägt eine Armprothese, die ein wenig an Nintendos Powerglove erinnert) bei Lemmy Kilmister im Wassertaxi hockt und unterwegs ist zu seiner stilecht arrangierten Fickmaus Jill. Dem echten, leibhaftigen Lemmy wohlgemerkt! Der faselt was von "zieh dir mal den geilen Scheiß hier rein" und lässt volles Rohr "Ace of Spades" laufen. Wow! Ob ein horizontales oder vertikales Wow...ich kann mich nicht so recht entscheiden. Und mon dieu, wer spricht da aus dem Radio? Niemand geringerer als Iggy Pop alias "Angry Joe" alias die Stimme der täglich schlechten Nachricht. 

"Wer als Model nichts taugt, der fräst sich eben durch Haut." 
Wenig später heißt es dann: "Willkommen in der Komazone". Stanley lässt gewaltig die Nebelmaschine husten und treibt wilden Schabernack mit allerlei Versatzstücken des Film noir. Sein Quasi-Megaton ist eine biomechanische Masse, die irgendwo im Nirgendwo einsam vor sich hindampft. Da fühlt man sich schon etwas eingepfercht, was ja auch der Sinn der Sache ist. Moses aka Mo entledigt sich erstmal seines Samenstaus im Zuge eines unglaublich in die Länge gezogenen Psychedelicsex-Theaters. Man lässt dabei dezent sein Köpfchen wippen, weil der Soundtrack doch ziemlich klasse ist. Soundmann Simon Boswell drehte alle möglichen Genres durch den Mixer; hier etwas Drone, da ein Quäntchen Ambient, untermischt mit pseudo-orientalischen Klängen, scheppernden Industrial-Loops und der einen oder anderen vor sich hin winselnden E-Gitarre. Sein Mischgerät stellte er zuvor auf "Dissonanz". Wenn man das so hört und auch so sieht, dann merkt man schnell: Der Film ist ganz klar ein Kind der 80er. Diese wohlige Terminator-Tristesse und Mad-Max-Melancholie gepaart mit nippon'scher Robophilie lassen gehörig die Endorphine sprudeln, vorausgesetzt dieser Eintopf schmeckt einem. Denn Man vs. Machine ist das Leitmotiv, mit dem man sich zufrieden geben muss. Hier wird nicht ausgiebig in Meta-Meeren gebadet, bis man ganz faltig ist, sondern man fieberträumt sich durch einen Nicht-Ort, der sich wie ein Gradius'scher Darm um einen hüllt. In ruppigen Animestreifen wie Kôichi Ôhatas Genocyber und M.D. Geist erfüllen sich dann endgültig die Robogore-Träume eines jeden und wer Zeichentrickfilme nicht mag, erfreut sich eben an Blomkamps District 9, auch wenn hier ein Mensch hinterm Knüppel klemmt.     

Auf große Worte folgen hampelige Taten. Noch lacht der Speck-ulatius im Angesicht solch unfreiwilliger Komik. Noch.

Diagnose
Keine Sorge, Norringtons Death Machine bleibt natürlich nicht unerwähnt. Für Bewunderer eben jenen Steifens ist Hardware ein Muss. Dieses herrlich groteske Concertino mit rostig-verfallenem Sujet, angereichert mit etwas Splatter und vernickelt mit wummernden Robo-Subjektiven, lassen das Eisen im Blut vor Freude tanzen. Manches Mal, da schmunzelt man etwas, wenn M.A.R.K. 13 um die Ecke spackt, etwas schrullig sieht er ja schon aus. Aber schrullig ist besser als scheiße und was bei Jeunet funktioniert, tut es auch hier: Irgendwie haben alle einen an der metall- und kabelverzierten Klatsche...und doch schließt man jeden einzelnen ins Herz.   



 

Mittwoch, 15. August 2012

Hellraiser (1987)



Hellraiser (oder "Die Qual der Würfel Wahl")

1987 - ein Jahr nach der Weltbesteigung durch Adalberts fortgeschrittene geistige Entität, gebar Clive Barker, damals noch die aus dem Theather bekannte Tucke, einen absonderlichen Film, der die Verkaufszahlen des Rubik-Würfels in die Höhe schießen lassen und die Welt um eine längst überfällige Brücke zur dunklen Dimension bereichern sollte:
Akupunktur mal anders:
Wer gesund ist, sich jedoch nach Schmerz und Leid sehnt, 
sollte sich mit Clive Barker über alternativen Körperschmuck unterhalten...

Hellraiser erzählt die famose Geschichte einer augenscheinlich normalen Human-Gruppe, die sich aufgrund von unzureichendem Konzentrationsvermögen, also der daraus resultierenden Unfähigkeit zur Würfel-Lösung, alsbald in größter Gefahr befindet, eine Anzeige als Steuersünder zu bekommen und das Visum in eine Welt, geprägt durch unendlichen Schmerz und Leid, genehmigt zu bekommen.  

ANALYSE:
Der abenteuerlustige und mystikaffine Frank langweilt sich im Orient und entdeckt beiläufig seine Begabung für das Lösen von Rubik Würfeln. Da er sein Geld aber bereits für Opium und Kamele aufgebraucht hat, muss er sich auf dem Bazar dann doch einen Puzzle Würfel von minderer Qualität suchen. 
Schaffe schaffe Häusle baue...  
Die schwäbische Weißheit  wird zum Leitmotiv des Filmes.
Um Geld zu sparen, kauft sich Frank den Rubik Würfel auf einem orientalischen Markt.
Das Sparen wird in unserer Konsumgesellschaft aber verfolgt und hart bestraft.
So wird aus dem sich zusammenreißenden der auseinander gerissene Fuchs der Schwäbisch Hall...



Diese Entscheidung soll aber fatale Folgen haben: weil die CE-Kennzeichnung nicht erreicht werden kann und der Handel schwarz, also ohne Versteuerung passiert, ist die EU gezwungen zu handeln. Das Europäische Parlament schickt sogleich eine Sondereinheit des Zolls, um den Sparfuchs ausfindig zu machen und ihm eine Steuernachzahlung aufzudrücken, die ihn buchstäblich auseinander reissen wird.


Die 80'er:
Als Outfits noch polarisierten
Motörhead kurz nach Band-Gründung.
Von links nach rechts:
John Belushi, Michael Jackson, Kader Loth und der nicht mehr ausnüchternde, von Bruxismus gekennzeichnete Charlie Sheen.



Urlaubsziel "4te Dimension"
Top oder Flop?


Düster, dreckig, grauenhaft... und dennoch einladend. Mystisch, symbolisch, aufregend - und doch abstoßend wie Bartels halbjähriger Wasch-Turnus. Die stimmige Atmosphäre der höllischen Zelluloid-Verkettung, entspricht dem Lebensgefühl im Büro der Multiplen Filmstörung.

Handgemachte Spezialeffekte, wie z.B. die Auflösung Franks, gelten teilweise noch heute als professionell und aktuell. Der Verzicht auf Computertricks dient der Seriösität des Horror-Urgetüms, hebt durch vorbildliche Effektkunst die Qualität und Vernichtet die Hoffnung pubertierender Transformers-Fans hier einen wertvollen Streifen vorzufinden. Die Effekte und allgemein die blutigen Szenen injizieren das Grauen imaginär durch glühende Metallbolzen in den zuvor wundgeschlagenen Hodensack des Zuschauers.

Überfüllte Clubs und ungewünschte Gäste
Wer sich nicht rechtzeitig in den wummernden
4 Disko-Wänden einfindet, läuft Gefahr von der feier-wütigen,
wartenden Meute vor der Eingangstür zer-shuffelt zu werden.

Auch die glaubhaft gespielten Charaktere (natürlich erdacht und geformt nach einer wahren Begebenheit) und deren tief ausgearbeiteten Zügen, bringen die Geschichte sehr gut an den kritischen Blut-Lüstling. Ja, sie reissen den Zuschauer förmlich in das Geschehen und halten die hodensack-lädierten Zeugen durch die Löcher in ihren Genitalien beisammen - an einer rostigen Kette aus verwundenen Nägeln. Nach der Sichtung geht eigentlich jeder Viseur als jammernder, aber schmerz-euphorisierter Neo-Akupunktur Fan vom Austrahlungsort, wenn er sich nicht schon dort aufgelöst oder abholen lassen hat. Einen solch vorbildlichen Umgang mit Fleisch, kann man sonst nur bei unbeobachteten Metzgern nach Ladenschluss beobachten... schade eigentlich.
Selten waren sich die Meinung der etablierten Kritikerszene so einig:
"Raise yourself for Hellraiser!"
(zu deutsch: "Bleibe sitzen für die Hellraiser-Vorführung")
Doch der Streifen wird erst durch die Zenobiten zu einem waschechten Hellraiser. Zenobiten sind die Ureinwohner der Dimension des Grauens, die umherwandern um Schmerz und Qual zuzufügen und den Unwissenden, in Leiden jenseits ihrer Vorstellungskraft einzuführen. Die "explorers in the further regions of experience" (zu deutsch: "eingesessene Raver auf psychedelischer Entdeckungsreise") kommen aus einer Welt, in der das humane Bewusstsein um Qualen, frisch von Sadomaso Kollegien erforscht und zur Prüfung freigegeben, erweitert und die Neugier mit exquisiten, vorzüglichen und nur hier zu erstehenden Folterungen befriedigt werden. Bedienung des Wissensdurstes und Wachstum des Empfindungsspektrums, sind jedoch nicht jedermanns Sache. Und so gelten die Zenobiten als "demons to some, angels to others" (zu deutsch: "Dämonen für Weicheier, Engel für Charlie").

Eine neue Gefahr - GBL in der SM-Swinger Szene
Nun gut, KO-Tropfen sind in der Szene zwar schon länger bekannt
und durchaus beliebt, doch die neue Bedrohung erwächst
aus der Wachsamkeit Bevorteilter:
Ungeübte Bizarr-Piercer und Weichteil-Tattowierer erproben
an den wehrlosen neue Techniken und Trends.

Jahre später gilt Frank bereits als vermisst oder transsexuell und die Welt dreht sich auch ohne ihn weiter. Franks Bruder Larry, dessen Schnitte Julia und süße Tochter Kirsty, ziehen in ein neues Haus ein. Julia, die mal intime Nachhilfestunden bei Frank genommen hatte, findet seine Überreste am Dachboden und versucht ihn wieder zum Sex zu überreden. Dieser ist aber nach all den abstinenten Jahren recht verbittert und spielt vorerst seine Macht aus: Frank zwingt Julia zu blutigen Spielen, die zur Gewinnung seiner Gunst dienen sollen. 
Wer schön sein will muss leiden! 
Diese seltenen und heiß begehrten Backstage Aufnahmen zur Schönheitsklinik,
ließ die 
taff-Redaktion exklusiv der Multiplen Filmstörung zukommen. 

Wir danken und publizieren.
Auch dies fällt der EU auf und sie schickt die bereits involvierten Beamten los um die Rückkehr des Sparfuchses aber nicht zu verhindern, sondern möglichst viele neue Leute mit in den kriminellen Akt einzubeziehen - nur um dann möglichst viele mit Normen und Vordrucken quälen zu können. Kirsty, die allerdings eine selbstbewusstem, rechtskundige Maid spielt, nimmt diplomatisch die Verhandlungen mit dem Apparat auf und sorgt für neue Hoffnungen ein Steuerloch gefunden zu haben.



Zenobiismus

Die Vorsteher des Folterknecht-Reiches können die irdische Realität nur durch ein Portal erreichen, dass durch einen magischen Würfel geöffnet wird. Die Portal-Öffnung entspricht in etwa dem Spielen mit einem Rubik Kubus, nur ist der Höllen-Würfel auch für ADSler und Kleinkinder lösbar. 

Die Vorhaut der Zenobiten - der Pinhead 
 Hier bei seinem tierischen Hobby, der TaubenUnzucht. 
Eigentlich bekannt für Sadomaso und Akupunktur die mehr als nur heilt, 
sucht seinen Ausgleich bei der entwürdigen Foltermethode aus der Neverland-Ranch:
Die Einreibung der Täubchen mit frischer Entenbutter.

Gleichzeitig ist die Belohnung durch den mystischen Würfel wesentlich größer: anstatt nach der Lösung lediglich 6 farbige Seiten zur Besichtigung anzubieten, beginnt der Spass am Horror-Würfel erst nach dem Spiel. Die Reise in die fremde Dimension mit einer zärtlichen Begrüßung, bestehend aus Verstümmelung und Schönheitsoperation à la Donatella Versace. 
Rubiks Würfel 
Tor zu einer neuen Welt. 
Konzentrations-behinderte und intelligenzbefreite Spieler verbinden mit dem Würfel ein Grauen aus dem Bilderbuch der Try-and-Error-Methodik. 
Doch Hellraiser befreit sie von ihrer Schmach und gibt ihnen Grund nicht mehr mit dem Würfel spielen zu wollen und erspart somit die Blamage vor dem Brille-tragenden Nachhilfelehrer.


DIAGNOSE:
Genug vom ewigen Ritzen, Selbstverstümmeln und Spritzen mit verdreckten, abgestumpften Nadeln? Hellraiser könnte hier als Quelle von Inspiration und Folterstil dienen. Rostige Nägel, Klingen und Ketten sind in jedem gut sortierten Hellraiser Merchandise Shop erhältlich.

Nicht masochistisch sondern viel mehr voyeuristisch begabt? Zu diversen Szenen könnten sich Snuff-Spanner ausgeglichen und glücklich die Geschlechtsteile massieren und vielleicht von einer Sonderbehandlung durch den zenobitischen Zoll träumen. 

Weder masochistisch noch voyeuristisch? Die psychische Beeinflussung durch diese Perle aus dem Horror Genre, darf in keiner filmischen Psycho-selbst-therapie fehlen. Sollte das Gehirn eines Humanes den Rubik Kubus als Kinderspielzeug identifizieren, so bitte ich hiermit allen lesefähigen Lesenden, die Benachteiligte Person festzubinden und mit Hellraiser zu therapieren.

LET´S FETZ!
Die hohe Kunst der Hellraiser Homöopathie

Auch heute noch stellt die Erstsichtung von HELLRAISER für alle angehenden Akkupunkteure und studierten Alternativmediziner eine Form der Zerreissprobe dar...
Winnie to some. POOH to others.


Dienstag, 4. Oktober 2011

Hell (2011)



DEUTSCHLAND GEHT EIN LICHT AUF!

Dunkelheit legte sich über die Stadt, als der Kleptologe und Herr Vorzüglich sich ins Kino begaben, um sich voller Neugierde auf das Spielfilmdebut des in der Schweiz geborenen Regisseurs Tim Fehlbaum zu stürzen. Der Absolvent der Hochschule für Fernsehen und Film München, hatte dieses Jahr auf dem Fantasy Filmfest die Chance, das Publikum mit einer erfrischend anderen Darstellung der Apokalypse zu überzeugen. Nachdem er die Zuschauer persönlich mit einer kurzen Ansprache beehrte, hieß es Sonnenbrillen auf und zurückgelehnt.

Stark geblendet, befindet man sich bald in einer, durch die Sonne gebleichten Zukunft. Im Jahr 2016 hat sich die Temperatur der Erde um mehr als 10°C Grad erhöht. Die Sonne brennt Tag und 'Nacht', ein Großteil der Lebewesen des blauen Planeten existiert nicht mehr, ein Kofferraum voller Wasser und Konservendosen zählt schon als Reichtum. Wer sich aus seiner geschützen Umgebung wagt, muss sich in der Mode der Saison kleiden.

Das Modeimperium 'Hellboy' ist so darauf besessen die Nummer 1 zu werden,
dass sogar die Landschaft Deutschlands an die Farben der Saison angepasst wird.

Um zu überleben, haben sich die Schwestern Marie und Leonie mit Phillip zusammengetan, in dessen Auto sie versuchen, in ein besseres Leben zu fahren. Ihr Plan ist die Berge zu erreichen, wo sie sich Wasservorräte aus Gebirgsquellen erhoffen. Das aufgepimpte Auto, hätte selbst Xzibit nicht besser hinbekommen. Die Innenverkleidung der Fensterscheiben, bestehend aus Pappkartons und Kreuzworträtsel, dient nicht nur zum Schutz vor der hochgefährlichen UV-Strahlung, sondern auch zur Unterhaltung der Fahrgäste. Um den Fahrspaß abzurunden, befindet sich auch eine ausgeklügelte Mix-CD an Bord des Spaßmobils - 99 Luftballons tönt im Laufe des Films mehrmals aus den Kino-Boxen.

Auch Heribert, das Mondlicht-Kind, wollte tagsüber mit den anderen spielen.
Hierfür schütze seine Mutter jede freie Hautstelle mit etwas Stoff.

Auf der Suche nach einem Ort, an dem die Sonne nicht scheint und Milch und Honig fließt, stoßen unsere Helden auf den vierten und letzten Mitstreiter des Team Sunshine. Ihr neues Mitglied Tom beweist sich, nach anfänglichen Schwierigkeiten, als Überlebenskünstler und guter Co-Pilot.

Doch leider ist der Weg nicht so eben, wie man es gerne hätte. Ein umgestürzter (oder umgeworfener) Strommast, hindert die vier Reisenden an der Weiterfahrt.
Als auch bald schemenhafte Gestalten auftauchen und die kleine Schwester entführen, wird schnell klar, dass sich nicht alle Überlebenden friedlich mit den Begebenheiten arrangieren. Ist die letzte Kuh geschlachtet, muss neues Vieh her.

Möge die Jagt beginnen. Menschenvieh gegen Antiveganerfarmer. Es beginnt ein blutiger Kampf in einer Umgebung, die einem total fremd erscheint. In dieser Hölle wird es schwer Freund von Feind  zu unterscheiden. Man wir förmlich von der Helligkeit verschluckt. Die unerwartete heftige zweite Hälfte des Films lässt sprichwörtlich die Hölle auf Erden wahr werden. Sie raubt dem Zuschauer das Sehvermögen und verbrennt gnadenlos alles um sich herum.

Als der Stiefvater Hänsel und Grätel im Wald ausgesetzt hatte, vergaß er,
dass es 24/7 hell bleibt und der Heimweg somit keine wirkliche Herausforderung ist.

Diagnose:
Die gelungene Grundidee und Atmosphäre vertröstet auch den anspruchsvollen Filmgestörten, der sich durch ein schwaches Ende und diverse kleinere, nicht nachvollziehbaren Reaktionen der Protagonisten auf bestimmte Situationen, angegriffen fühlen kann.
Alles in allem hat HELL durchaus Spaß gemacht, man verlässt den Saal erfreut, dass auch in Deutschland Platz für Genrefilme ist. Nicht umsonst gewann Tim Fehlbaum damit den Publikumspreis des diesjährigen Fantasy Filmfests.


Diese Review ist aus Zusammenarbeit des Kleptologen und Herrn Vorzüglich entstanden.


Samstag, 19. März 2011

The Human Centipede - First Sequence (2009)

RINGELPIETZ MIT ANFASSEN
in einer nie dagewesenen
PERVERSEN-ZWANGSPENETRATIONS-POLONAISE

Vielleicht erinnern sich die älteren Semester unter euch noch an den den alten Atari Spielautomatengassenhauer "Centipede", der ausgiebig im Italienurlaub oder in der lokalen Pilsstube deines Vertrauens gerüttelt und gezockt wurde bis der Joystick qualmte oder das Kleingeld alle war.
Eine Aneinanderreihung von Pixeln die mit ganz viel Alkohol und einem Hauch Fantasie als der titelgebende Tausendfüssler erkannt werden konnte, schlängelte sich von der oberen Bildschirmhälfte Ebene für Ebene nach unten und musste von der Kanone die man steuerte rechtzeitig zerlasert werden ansonsten drohte das obligatorische Game Over.
Stress, Schweissausbrüche und Hektik waren vorprogrammiert und unvermeidlich. Was dem militanten Kanonier sein "Space Invaders" war dem gelehrten Mikrobiologen sein "Centipede".
THE DARK SIDE OF ARSCHKRIECHING:
Ohrenhöhler waren ja schon schlimm, aber das?
Doch das das ist nun schon gute 30 Jahre her und die Überleitung auf den menschlichen Centipede anhand eines nostalgischen Atari Ego Shooters herzuleiten denkbar einfach. Die grafische Darstellung eines solchen Pixelhaufens ist anno 2010 natürlich um einiges realistischer und löst bei intensiver Betrachtung genauso Stress oder gar Angstzustände aus.Der Tausendfüssler den Tim Burton in seinem Wunderland noch mit üppiger, augenkrebserzeugender CGI dargestellt hat, wird vom niederländischen perversen Meerschaumpfeifenrauchenden Regisseur Tom Six mit der schieren Lust am Schauspiel seines Darstellertrios und ein paar "oldschooligen" Make-Up FX (hingeschminkte Narben, blutige Mullbinden) konstruiert.
Tja dieser Tausendfüssler hat es in sich. Eine abartige Fantasie die sich so höchstens jemand in den frühen Morgenstunden einer Sadomaso Fetisch Dungeon Disko After-AUA zusammen-fabulieren konnte.
Den Nerds und Nischenkinovoyeuren muss ich die Handlung sowieso nicht näher erläutern aber hier für den Otto Normal Versauten nochmal kurz und bündig:
HEITER BIS WOLKIG:
Biologieunterricht mit Dieter Laser

Ami-Girlie-Touristenduo verirrt sich im deutschen Backwood und trifft dort auf einen hochtalentieren Ex-Chirugen mit Mengele Charme, der früher hauptberuflich siamesische Zwillinge auseinanderfuchtelte, sich jetzt aber auf das Zusammenpuzzeln spezialisiert hat. Was dem anderen sein Fuß-fetisch ist ihm sein Füssler, sein Tausendfüssler. Die Mädels bekommen das was sie verdient haben (bei ihrer schauspielerischen Leistung im ersten Drittel des Films sind das verdienterweise K.O. Tropfen) und werden flux mit einem asiatischen Kamikazesamurai zusammengenäht.
Mund an After, Mund an After.
Danach wird jeglicher Dialog der Mädels über-bzw. dünnflüssig, ist also im wahrsten Sinne des Wortes "für den Arsch"!
LECKER SCHMECKER DREIFACHDECKER:
Mmmmmh! Second-Mais in Wasabi und
als Beilage gibt es japanische Bratwurst...
Drei im Weckla direkt ins Bäckla!
Fertig ist die neue Zwangswohngemeinschaft deren Ersinnung man so allerhöchstens Johann After, ähhh.. Johann Lafer zugetraut hätte.
Den Wahnsinn den dieser in seiner Kochsendung ausstrahlt verströmt Dieter Laser der den Dr. Heiter (wie krank ist das denn!?) spielt aus jeder einzelnen Pore. Der Kerl trägt den ganzen Film souverän auf seinen Schultern und fackelt hier ein solches
OVER-THE-EDGE-OVER-ACTING Feuerwerk allererster Güte ab, das selbst der abgebrühteste Heimat-und Sachkundler noch lange daran zu kauen hat. Auch wird das ganze, abgesehen von den ersten 10 Minuten (mit dem bestgecasteten Porno-Ekel-Grandpa EVER!) mit einer solchen Humorlosigkeit und bitterernster Depri-Grundstimmung serviert wie man sie sonst nur vom Gaspar-theater gewöhnt ist. Kurzum: Ein absoluter Geheimtipp für alle die am Wochenende auch gerne mal aufs Land fahren um die lokale Flora und Fauna zu bestaunen.
Oder um es in den Worten des Kritikfaschisten Roger Ebert (der dem Film übrigens eine Bewertung verweigerte!) zu sagen:
TWO THUMBS UP!!... ähh... oder eher..THOUSAND FÜSSLERS UP!!.
DAS GRAUEN VON ZWANGSWOHNGEMEINSCHAFTEN:
Der frühmorgendliche Kampf ums Badezimmer...