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Freitag, 2. Juni 2023

BONES AND ALL (2022)

 




Heimlicher Star des Films:
Chamalet's Plothole-Jeans.
Mehr Loch bekommst Du nirgendwo für deine Klamottenkohle!

Ich treibe mich in letzter Zeit auf illegalen Streamingseiten herum, nicht etwa um mir exotische Piratenfilme anzusehen sondern weil in den dortigen Kommentarspalten so manch versunkener kritischer Satzschatz nur darauf wartet gehoben zu werden.
An dieser Stelle also nun das Zitat eines anonymen Userkommentars zu BONES AND ALL:

"Komm wir essen eine Leiche,
du das Harte...
ich das Weiche...

Auch wenn der Film etwas öde und überbewertet ist, trägt er zu einem besseren Verständnis der Feinschmecker bei die am Ende ja auch nur Menschen sind und sich nach Liebe sehnen. In den 80ern waren die Sitten auch etwas Flegelhaft würde her Lecter sagen und sich etwas Nacktaffenhirn in feiner Butter wälzen..."

Das ist auf jeden Fall eine Gourmetkritik ganz nach meinem Gechmack!

Samstag, 23. November 2013

Over the Top (1987)

FAHREN MIT DEM FERNVATER:
KONVOI TO DADDY



ES ANALYSIEREN FÜR SIE:
Bartel und Professor Adalbert



ANALYSE:
Wenn wir von der Multiplen Filmstörung nicht gerade in den elitären Kreisen der Boheme verkehren, findet man uns häufig auch unter den Armen und Kranken im ländlichen Gebiet, wo wir effektiv in den humanen Organismus (das sächsische Öko-System) eingreifen. Hier leisten die filmverliebten Experten noch echte Feldarbeit. Im Außendienst von der frischen Luft in eine Art Rauschzustand versetzt, fühlen sie sich über die Eingeborenen erhaben und können ohne großen Druck vom Elend Notiz nehmen. Hier wird noch echte Handarbeit geleistet, um Stämme und deren Verflechtungen im Erbgut, angemessen, also im Sinne der modernen Ethnie-Bloßstellung, zu dokumentieren. Die eigentümlichen Rituale der so genannten Fernkraft-Nomaden, sind von rauer Natur und in zivilisierten Gegenden höchst verpönt. Gleichwohl gibt es in ihrer Gemeinschaft aber auch Wertsysteme, die jegliche Anwesenheit femaner Partizipation und deren gerechten Behandlung komplett entbehren.
Sind das noch FILMGESTÖRTE oder etwa bereits
KOMPLETT GESCHMACKSVERIRRTE?

Dominiert hier die körperliche Anziehung oder die Geruchsbezogene Abneigung? Es dürfte schwierig werden, hier eine eindeutige Antwort zu finden. Denn kommen sich beide Kontrahenten zu nahe, oder entfernen sich zu sehr, droht die Disqualifikation. Also sind beide zum Fortführen des Spieles gezwungen, sofern sie ihre Ehre behalten wollen.

Die filmgestörten Analysten nutzten ihre weitreichende Erfahrung im sozialen Grenzgebiet und präsentieren nun, im Rahmen ihrer zusammengetragenen Forschungsergebnisse, Sylvesters patriarchischen Kampf um die Hand seines Sohnes. In der Hoffnung auf die Befriedigung der angepeilten Zielgruppe, deren Investitionen in unsere strafrechtliche Immunität die Grundlage für unser wirtschaftliches Fortbestehen Sorge trägt. Eine völlig andere Form der Sorge trägt Sly auf seiner beschwerlichen Odyssee mit sich, denn die Annektierung seines Sohnes gestaltet sich problematischer als einst vermutet. Der Großvater (mütterlicherseits) erweist sich als hartnäckiger Widersacher im Balztanz um die Gunst des jungen Knaben. Durch einen hinterhältigen Giftanschlag auf die eigene Tochter und Erzeugerin des bübischen Pokales, konnte er bereits einen erheblichen Vorsprung erlangen. Somit erschwert der keifende, eifersüchtige Greis, unnötig eine ohnehin schon reibungsintensive und folglich zaghafte Annäherung zwischen Vater und Besamungskonsequenz. Um den hier analysierten Fall familiären Begehrens im Detail verstehen zu können empfiehlt sich die intensive Auseinandersetzung mit dem Werk Menahem Golans. 

Der eigentlich als Globus geborene Filmemacher sah sich gezwungen seinen Namen frühzeitig zu wechseln, denn seine Werke gelten international als umstritten. Kein Wunder denn Titel wie Sallah – oder: Tausche Tochter gegen Wohnung, Tevje und seine sieben Töchter, Öfter mal was Junges und nicht zuletzt die Motivationsbibel schlechthin, das autodidaktische Durchhaltetraining AGENTEN KENNEN KEINE TRÄNEN (von Kennern der Materie auch öfters die Anleitung zu einem Leben in Hundestellung genannt), schlugen Wellen in den internationalen Medien. Von Interpol verfolgt, vermutet man den mittlerweile fast 84 jährigen Unruhestifter im palästinensischen Exil, wo ihm anonyme und wohlhabende Filmliebhaber vermutlich ein mobiles Filmstudio finanziert haben. Hochtechnologisch ausgestattet, ist es mit diesem Pedo-Mobile – dessen Entwicklungshistorie bis in die Analen des Vatikans zurückreicht - möglich, seit Jahren unentdeckt zu produzieren und damit die Empörung internationaler Kinderrechtler aufrecht zu erhalten.

Insgeheim lässt sich der Film auch als eine romantische Utopie, in einer Zeit nach der femanen Ausheilung deuten. Als die Wunden sich anfingen zu schließen und das stille Ausbluten der Gesellschaft endlich der Vergangenheit angehörte. Ohne die verlockende Ablenkung durch die Femanesen, hat sich die Maskusellschaft gänzlich der Kraftmessung und dem schwitzenden Umwerben ihres Nachwuchses gewidmet. In diesem neuen Sozialgefüge gilt nun derjenige als Objekt der Begierde, dem es gelingt seine Kontrahenten im Duell flach zu legen. Es sei jedoch erwähnt, dass aufgrund ihrer limitierten Forschungszeit und der allgemeinen Ablehnung von griechischer Liebe, Bartel und Adalberts Beobachtungen unbeständig blieben. So bleiben noch einige Fragen offen:


1.) Wird die nachfolgende Generation in der Fortpflanzung beeinträchtigt?
2.) Wie werden die Nutznießer/Mitbewohner der gemütlichen Wohnhöhlen ausgewählt?
3.) Wird die Evolution auf die überhöhte Y-Chromosom Einschränkung reagieren?
4.) Wird der Knabe unserem Sly treu bleiben, obwohl seine Muskeln im Alter langsam steif werden?


DIAGNOSE:
Insgesamt dient OVER THE TOP nicht nur der schieren Beglückung von Sylvesters Stallone Fans, sondern auch der Aufklärung. Vielleicht können sich einzelne von euch ja sogar vorstellen, in einer beschissenen alternativen Human-Utopie zu leben.

Samstag, 10. August 2013

Eden Lake (2008)




Eden Lake (oder "Camp Candy")
ist pleite

Der See Eden, gelegen in der englischen Provinz, scheint einem jungen verliebten Pärchen das ideale Ziel für einen romantischen Wochenend-Trip zu sein. Doch die Urlaubsstätte hat keine Internet Präsenz und man muss schon persönlich hinfahren, um nach freien Liegen am Strand schauen zu können. Doch wie es Murhpy's Law so will, belagert schon eine Gruppe Jugendlicher den Strand und vermiest dem bemühten jungen Touristen jeglichen Balzversuch. Als er jedoch die Jugendlichen um Rücksicht bittet, eskaliert die Situation - die Hoffnung auf Freiluftsex verfliegt sich in der tödlichen Verfolgungsjagd durch den Wald.


Postkarten aus dem Paradies
Noch schnell ein Bild für die Verwandschaft daheim geknipst um perfekte Urlaubsstimmung vorzutäuschen.
Dann kann man auch schon die Klamotten fallen lassen und sich zu seinen nackten Freunden legen
 (hier mit schwarzem Balken zensiert).


Die Bilderbuch-Karriere des Regisseurs James Watkins
EDEN LAKE bescherte dem Regisseur James Watkins seine erste Bekanntheit...
...So kam er an THE DESCENT 2 und konnte sein Selbstbewusstsein deutlich steigern...
...Auf dem Höhepunkt seiner Karriere konnte er schließlich Harry Potter als THE LADY IN BLACK auftreten lassen.

Die wollen doch nur spielen


Jenny (Kelly Reilly) und ihr Freund Steve (Michael Fassbender) wollen zum Entspannen über das Wochenende an den entlegenen See Eden fahren. Nach einem kurzen Verfahrer auf den abgelegenen Landstrassen, können sie ihr Zelt aber auch schon aufbauen. Alsbald  bemerken sie die störenden Nachbarn: nur wenige Meter von den Touries entfernt, hören wilde Halbstarke laut Musik, scheinen sogar eine Party zu feiern und lassen zu allem Übel noch den Rottweiler ohne Leine laufen. Steve stört sich ziemlich an den Jugendlichen, da sie ihm keine Chance lassen, um seiner Freundin einen Heiratsantrag zu machen. Als das Pärchen dann später einen Moment lang Hab und Gut unbeobachtet lässt, klauen die Rabauken Jenny’s Handtasche und fahren mit Steve's Jeep die Friedensverhandlungen in den feuchten Sand.


Frühe Nymphomane 
Wer Vinyan gesehen hat weiß warum
Emmanuelle Bèart's Abwesenheit die Kinder so unausgeglichen macht. Kelly Reilly's Brüste scheinen unantastbar weit weg und so bleiben die Griffel jungfräulich, die Gemüter schlecht gelaunt.
Ein Machtkampf zwischen Urlaubern und Kindern beginnt. Die erste knisternde Konfrontation lässt nicht lange auf sich warten und der Rudelführer der Jungen Wilden packt das Klappmesser aus. Durch eine Verkettung ungünstiger Bewegungen bekommt jedoch der Rottweiler einen Hieb mit dem Messer ab und geht in' Winterschlaf. Die aggressiven Kinder verlieren darauf hin jeglichen Sinn für Moral und schwören auf Blutrache für Tiermord. Nachdem die Macht der Kindlichen jedoch immer größer zu werden scheint, zwingt die Ohnmacht gegenüber jenen Aggressoren, das wehmütige Pärchen schließlich sogar dazu, bei Fuß durch den dunklen Wald zu eilen. Doch die Jäger kennen sich in dieser Gegend bestens aus und nutzen ihren Vorteil um den Abstand zu den Städtern schnell zu verringern.




Analyse


Mit den gröbsten Zutaten eines Actionfilms, einer Prise Gore die im Abgang sogar leicht snuffig anmutet und zu guter Letzt noch einem Teelöffel Horror der Sorte Dunkler Wald, kreiert Watkins einen Geschmacks-Cocktail, der vermutlich vielen schmecken wird. Zu vielen um ihn als massen-un-tauglich einordnen zu können.

Nun, es scheint als hätten Steve und Jenny genug von Toiletten, weichen Betten und HD-TV. Um sich nicht nur über Chats zu unterhalten und sondern sich ganz dem Wetter hinzugeben, fahren die beiden in den Urlaub an das letzte Stück Wildnis Englands. Dort wollen sie sich von mystischen Fabelwesen und perversen Waldmännchen beim Sex beobachten lassen. Am See Eden angekommen, müssen sie aber feststellen, dass die Waldbewohner absolut beschissen sind und glückliche Zweisamkeit nicht dulden. Anstatt Lagerfeuer, wird dem Pärchen Feuer unter dem Arsch gemacht. Nacktbaden wird durch Untertauchen im Wald ersetzt und Wildpinkeln geht nur noch in die Hose.


ONE GIRL - TWO CUPS
 (also shown as ONE GIRL - THE DIRECTORS CUP)


Die Bedrohung durch Teenager wirkt anfangs angenehm dezent, wird sie doch kaum ernst zu nehmend eingeführt - dann im Laufe der Spielzeit stetig verstärkt, sowie um Grausamkeiten angereichert und wirkt zum Ende hin sogar wie der Terror in einem überfüllten Schulbus. Als Ausgewachsener denkt man sich zu Beginn vielleicht noch "ach es sind doch nur Kinder"; doch wenn diese immer brutaler und mächtiger werden, wünscht man sich die gute alte Zeit zurück, als Bengel-Verprügeln noch eine hohe Kunst erfolgreicher Erziehung war.

Als der Machtkampf beginnt, pushen sich die Jugendlichen gegenseitig zu immer heftigeren Übergriffen und nutzen ihre Handys um die Folter zu dokumentieren. Die Gruppendynamik und der Bilder frohe Botschaft, vermitteln einem wieder das Gefühl in der Schultoilette zu stehen. Alles artet aus, der Mob wird unkontrollierbar. 
Zwischen den Kinder-Charakteren und den degenerierten Atomlingen aus WRONG TURN liegt gefühlt nur die modernere Klamotte der Waldkinder. Von Fesselung mit Stacheldraht über Zungenpiercing durch Teppichmesser - die Lust zur Methodik aller geneigten Masochisten wird hier angeregt und bei anfänglich Abgeneigten vielleicht ja auch erweckt.




Barbaren unter sich
Unbeachtet von der Zivilgesellschaft, entwickelte sich in den entlegenen Wäldern Englands eine besonders autarke Subkultur. Kontakt mit der Moderne und ihren Human-Produkten findet deshalb nur über Körperkontakt und aggressives Grunzen statt . . . 
. . . Wer sich also nicht animalisch unterhalten kann, bekommt Handschellen á la Waldboden-Fund sowie eine eindringliche medizinische Erstuntersuchung aufgebunden.


Diagnose


Eden Lake selbst schwankt zwischen Drama, Action und Horror - stets ist der Film überall ein wenig, aber nie wirklich ganz dort. Trotzdem konnte er mich kurzzeitig fesseln, obwohl die Handlung recht dünn scheint und der Streifen einem irgendwie schon bekannt vor kommt. Damit eine klare Empfehlung für kuschelige Abende zu zweit oder auch mal alleine.


Montag, 29. Oktober 2012

Hardware (1990)




Uranes Schrottgeflüster im Ragnarök-Zoo

„Um einen Feuerball rast eine Kotkugel“, konstatierte einst Dadaist Walter Serner in seiner zu Papier gebrachten Panzerfaust-Polemik. Auf jenem Kotkoloss hausen merkwürdige Wesen, die irgendwann auf die glorreiche Idee kamen, sich gegenseitig mit Atombomben und anderen Knallkörpern zu bewerfen sowie übertrieben derb aufzurüsten. Ich nenne das „Globales Pimmelfechten“. Im Kalten Krieg war die Welt vernervöst ob eines gar schrecklichen Gewusels, weil die Roten im Jahre 1957 einen Blechball mit Antennen dran ins All schossen. So kreiste um den Kotklumpen munter eine Fliege, die jedoch irgendwann einfach verglühte, weil sie jenem zu nahe kam. Dem Land der Sternchen und Streifchen ging das gewaltig gegen den Strich, es stürzte gar in die wohl lächerlichste Selbstwahrnehmungskrise aller Zeiten - selbst 5.000 Kalorien am Tag konnten da keine Abhilfe schaffen.

WHERE'S YOUR AMERICAN DREAM NOW?!


Diese Hanutaabziehbildchensammlermentalität zog weite Kreise und formte eine allseits bekannte Faustregel: Im Sandkasten will Klaus in erster Linie Peters himmelblaues Eimerchen haben, weil er sich einbildet, damit schönere Burgen bauen zu können - in Fachkreisen spricht man von der sogenannten "Sandkastenillusion". Jene erweist sich seit jeher als bedeutsamer Aspekt der Urproblematik der Spezies Mensch, von denen aber immerhin ein paar wenige dazu in der Lage sind, den großen Mächtigen ihr Spielzeug wegzunehmen oder aber das auf Zelluloid zu bannen, was allgegenwärtig ist: Die Angst vor dem endgültigen Knall. 

"Ihre Augen stehen aber weit heraus...
Einen Moment, das haben wir gleich."

Analyse
In Richard Stanleys Postapokalypsescharmützel Hardware liegt dieser ein Weilchen zurück. Es war einmal mehr der Mensch, der sich selbst in eine evolutionäre Sackgasse bombte. Die kläglichen Überreste formten stählerne Molochs, die von allerlei merkwürdigen Gestalten besiedelt sind. Vielleicht wurde hier eine Hängebrücke zu Kubricks Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb geschlagen, einem verflucht wichtigen Film über die selbstzerstörerische Natur des Homo Sapiens. Die Weltvernichtungsmaschine ist bekanntlich der Mensch selbst und die Knöpfchendrücker sind allesamt entartete Kreaturen, die "abendländischer Humanismus" nicht einmal buchstabieren können. Und wie es Orson Welles in Carol Reeds The Third Man durchschaut, ist die Membran zwischen Regierung und Bürger eine semipermeable: Ein abgefucktes Oben bedingt ein abgefucktes Unten; wie könnte es auch anders sein...

MENSCH VERBUDDELE DICH NICHT:
Dem Weibe einen Schädel schenken, dabei nur mit dem Phallus denken, sich später das Genick anknacksen, im Angesicht letaler Faxen, das Fleisch pulsiert im Klammergriff, da hilft kein Schrei - da hilft kein Pfiff, M.A.R.K. 13 fetzt sich durch Gedärm, es bersten Knochen - was ein Lärm, die Suppe klatscht an Wand und Boden, es platzen gröblich ein Paar Hoden, ach ließ er doch das Buddeln sein, gut Geld gibts auch als Schneiderlein, und die Moral von der Geschicht', fass' niemals an was dein nicht ist.


Tausendundein Bombenpilz - und es hat Boom gemacht. Die Welt ist getaucht in ein Farbspektrum der Gattung "abgenutzter Bratschlauch". Ein säuerlicher Fallout ist unangenehmer Dauerzustand, der aber nicht verhindern kann, dass in Proto-Outland Gestalten umherirren, die sich vermehren wie die Karnickel. Metropolen platzen aus allen Nähten, die Regierung versucht der Überbevölkerung Herr zu werden und verhängt üble Restriktionen. Wer gegen sie verstößt und allzu inflationär mit seinen Genen um sich ballert, dem werden flugs die Nahrungsmittelrationen gestrichen. Und wie ihr ja alle wisst: Ein leerer Bauch der fickt nicht gern. Sollte dies nichts nützen, wird in Zukunft eine Armee mittelschwerbewaffneter M.A.R.K.-13-Roboter dafür sorgen, dass ein perverses Gleichgewicht herrscht. So werden nicht nur Menschen, die den Samenhahn nicht zudrehen wollen, auf der Abschussliste garstiger Mechanoiden stehen, sondern jeder, der einen Fleischmantel trägt und als überflüssig erachtet wird.

Gestatten Lincoln, der obligatorisch-notgeile Postapokalypse-Fettsack, der beim masturbativen Spannen nicht nur aus jeder Ritze schwitzt, sondern seinen Mundbereich stets glänzend feucht hält.
Dreimal dürft ihr nun raten, was der Verbuddler - anti-method-geacted von Carl Mc Coy, Frontmann der Gothkapelle "Fields of the Nephilim" - zu Beginn des Films in der "Todeszone" zu Tage fördert. Richtig: Einen leicht vergammelten M.A.R.K.-13-Protoypen, dem eine Mine sein Lichtlein ausblies. Eingepackt - mitgenommen - verkauft - verschenkt - angepinselt...ihr kennt den Rest. Abgefahren wie das Teil ist, baut es sich in der Wellblechhütte von Schrottfetischistin Jill in bester Tetsuo-Manier wie von Zauberhand zusammen und "goes apeshit", wie James Rolfe es zu sagen pflegt. Zuvor aber staunt man erstmal nicht schlecht, wenn Möchtegern-Cyborg und Beinahe-Held Moses (er trägt eine Armprothese, die ein wenig an Nintendos Powerglove erinnert) bei Lemmy Kilmister im Wassertaxi hockt und unterwegs ist zu seiner stilecht arrangierten Fickmaus Jill. Dem echten, leibhaftigen Lemmy wohlgemerkt! Der faselt was von "zieh dir mal den geilen Scheiß hier rein" und lässt volles Rohr "Ace of Spades" laufen. Wow! Ob ein horizontales oder vertikales Wow...ich kann mich nicht so recht entscheiden. Und mon dieu, wer spricht da aus dem Radio? Niemand geringerer als Iggy Pop alias "Angry Joe" alias die Stimme der täglich schlechten Nachricht. 

"Wer als Model nichts taugt, der fräst sich eben durch Haut." 
Wenig später heißt es dann: "Willkommen in der Komazone". Stanley lässt gewaltig die Nebelmaschine husten und treibt wilden Schabernack mit allerlei Versatzstücken des Film noir. Sein Quasi-Megaton ist eine biomechanische Masse, die irgendwo im Nirgendwo einsam vor sich hindampft. Da fühlt man sich schon etwas eingepfercht, was ja auch der Sinn der Sache ist. Moses aka Mo entledigt sich erstmal seines Samenstaus im Zuge eines unglaublich in die Länge gezogenen Psychedelicsex-Theaters. Man lässt dabei dezent sein Köpfchen wippen, weil der Soundtrack doch ziemlich klasse ist. Soundmann Simon Boswell drehte alle möglichen Genres durch den Mixer; hier etwas Drone, da ein Quäntchen Ambient, untermischt mit pseudo-orientalischen Klängen, scheppernden Industrial-Loops und der einen oder anderen vor sich hin winselnden E-Gitarre. Sein Mischgerät stellte er zuvor auf "Dissonanz". Wenn man das so hört und auch so sieht, dann merkt man schnell: Der Film ist ganz klar ein Kind der 80er. Diese wohlige Terminator-Tristesse und Mad-Max-Melancholie gepaart mit nippon'scher Robophilie lassen gehörig die Endorphine sprudeln, vorausgesetzt dieser Eintopf schmeckt einem. Denn Man vs. Machine ist das Leitmotiv, mit dem man sich zufrieden geben muss. Hier wird nicht ausgiebig in Meta-Meeren gebadet, bis man ganz faltig ist, sondern man fieberträumt sich durch einen Nicht-Ort, der sich wie ein Gradius'scher Darm um einen hüllt. In ruppigen Animestreifen wie Kôichi Ôhatas Genocyber und M.D. Geist erfüllen sich dann endgültig die Robogore-Träume eines jeden und wer Zeichentrickfilme nicht mag, erfreut sich eben an Blomkamps District 9, auch wenn hier ein Mensch hinterm Knüppel klemmt.     

Auf große Worte folgen hampelige Taten. Noch lacht der Speck-ulatius im Angesicht solch unfreiwilliger Komik. Noch.

Diagnose
Keine Sorge, Norringtons Death Machine bleibt natürlich nicht unerwähnt. Für Bewunderer eben jenen Steifens ist Hardware ein Muss. Dieses herrlich groteske Concertino mit rostig-verfallenem Sujet, angereichert mit etwas Splatter und vernickelt mit wummernden Robo-Subjektiven, lassen das Eisen im Blut vor Freude tanzen. Manches Mal, da schmunzelt man etwas, wenn M.A.R.K. 13 um die Ecke spackt, etwas schrullig sieht er ja schon aus. Aber schrullig ist besser als scheiße und was bei Jeunet funktioniert, tut es auch hier: Irgendwie haben alle einen an der metall- und kabelverzierten Klatsche...und doch schließt man jeden einzelnen ins Herz.   



 

Dienstag, 7. August 2012

Brain Damage (1988)




PHARMAZEUTISCH, PARASITÄR, PRAKTISCH:
DIE PARTYDROGE SCHLECHTHIN!


ANALYSE:

DIE PACKUNGSBEILAGE:
BRAIN DAMAGE ist ein stimmungsaufhellender Film der zur Behandlung von Langeweile und Unruhezuständen eingesetzt wird. Die Nebeneffekte sind zwar relativ stark, jedoch kann dieses Zelluloid, in kleinen Dosen verabreicht, das Bewusstsein positiv stimulieren und zu einem allgemeinen Anstieg der Vitalität führen.
Die aktiven Bestandteile sind Blut, Spucke, Schleim und Gemetzel - viel Gemetzel!
BRAIN DAMAGE ist ein Film der alles hat, vorallem einen sich nahezu augenblicklich selbsterfüllenden Titel... bereits in den ersten 5 Minuten sieht man Gehirne ("BRAINS") die Schaden ("DAMAGE") nehmen.

BRAINSTORMING:
ALLE REDEN DRÜBER - WIR TUN ES!

Dieses Foto mag vielleicht abstoßend wirken, zeigt aber in Wirklichkeit nur einen der natürlichsten und kreativsten Arbeitsprozesse die es gibt: Das Brainstorming!
Dank seiner autodidaktisch angeeigneten Form des "Gehirnstürmens" gelingt der alten Schnarchnase Bartel, nach anfänglichen Startschwierigkeiten doch noch der "große Durchbruch"...

DIE INHALTSANGABE:
Ohne zuviel vorwegnehmen zu wollen, die Handlung zentriert sich um einen Zeitgenossen namens Elmer, einem im wahrsten Sinne des Wortes,
„polite brain-parasite“, der fragt bevor er sich im Nacken seines Wirtes zu schaffen macht...
Die Kreatur nistet also im Körper seines Wirtes um Menschen wegen deren Gehirne (was sonst?) zu jagen.. im Gegenzug injiziert Elmer eine blaublitzende Flüssigkeit in das Gehirn seines Wirtes, was bei diesem einen euphorischen Zustand verursacht... mit anderen Worten:
Die Kreatur ist sozusagen eine Droge!

„Eine wurmähnliche Kreatur, welche an eine in fluoreszierender Farbe gerollte Wurst Exkrement erinnert, in meinen Nacken beissen lassen?
Klar! Warum den nicht?“
Dies gilt auch für diesen Film, eine Droge die mit Vorsicht konsumiert werden sollte, niemals mehr als 2 mal innerhalb eines 24 stunden Zeitraums, nicht in Kombination mit anderen Filmen die Szenen grotesker Gewaltexzesse enthalten, sehen sie sich den Film nicht an während sie Cornflakes essen, deren Verpackung nichts anderes aufweißt als die Bezeichnung selbst, nicht während sie Spaghetti Bolognesse essen, da die Fleischbällchen zu Gehirnen und die Deckenlampen sich in Augäpfel verwandeln, nicht zu vergessen das zufällige Passanten mit Wäschekorben in der U-Bahn, welche Regisseure des Filmes BASKET CASE in Cameo sein könnten... - aber dazu mehr in der nächsten Review (Spoileralarm!!!)

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GEHIRNNAHRUNG AUS DEM NONKONFORM-HAUS:
 Wo von all den anderen banalen Blog-Redaktionen lediglich ein Kantineneinheitsbrei serviert wird, kommt bei der MULTIPLEN FILMSTÖRUNG ausschließlich neurosenstimulierende Kreativgrütze auf die Teller.
Unser "STUDENTENFUTTER" besteht garantiert zu 95% aus angehenden  aber bereits abgetretenen Bachelor-Banausen!
Alles ehemals schlaue Köpfe, die jedoch leider dumm genug waren, den Praktikanten Ferienjob in unserer Redaktion anzutreten.
Diese Semesterferien endeten zwar tödlich, dafür aber köstlich...

RISIKEN UND NEBENEFFEKTE:

Unruhe, Erschöpfung, Schaum vor dem Mund, Schwindelgefühl, Halluzinationen blauen Chlorwassers, das Gefühl „ge-greenscreened“ zu werden, blitzende Farbeffekte, Infrarotsicht, Nekrosen, planschen in der Badewanne, die Fähigkeit sich wie ein kompletter Idiot zu benehmen und trotzdem Bräute abzuschleppen, Veitstänze, Synästhesien, also die Fähigkeit Farben zu hören, großflächiger Pilsbewuchs, Warp-Sicht, Heißhunger auf Gehirn, verfärbte Zunge, Schneemänner die aus der Stirn wachsen und natürlich nicht zu vergessen:
Permanenter Hirnschaden.

DIAGNOSE:
BRAIN DAMAGE...ein guter Film!

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DIE GEDANKEN SIND BREI...
Wir von der MULTIPLEN FILMSTÖRUNG sind Freigeister wie sie im Buche stehen!
Ein solch unaufhaltsamer Gedankenfluss ist doch beneidenswert, gelle?



Samstag, 11. Februar 2012

Cockscalibur (2012)


Schwert des Verderbens:

Nun ist Blut bei der Penetration nichts allzu unübliches. Bei der Defloration der unschuldigen Jungfrau gehört dies zur Szenerie. Eine Art essentieller Spezial-Effekt. Wenn das Blut nicht nur aus der Möse fließt, verursacht durch den Riss eines Häutchens, sondern auch aus Halsschlagadern, garniert mit etwas Gedärm, dann stellen sich zunächst einmal drei Fragen:

Was ist hier los?
Was geht hier vor?
Wer ist das bloß?

Auf jedenfall scheint es wie ein lyberisches Festmahl. Etwas mächtiges ist hier passiert - von einem massiven Gemächt serviert. Lyberier essen nicht nur vom Boden, sondern auch von den Wänden, der Decke oder frisch vom Kadaver. Es muss aus Stein sein, aber mindestens scharf genug, um Bein für Bein vom Körper abzutrennen. Deep Throat und Schwertschluckerinnen haben erstmals echte Bedeutung. Fellatio wird endlich ein Akt der wahren Hingabe. Und sie schluckt nicht nur, sondern hat anschließend auch ein Loch im Hinterkopf. Wie General Buttnaked, zieht unser Protagonist stets nackt in den Kampf, auf welchen er sich durch das Trinken des Blutes, der bereits erwähnten Unschuldigen Jungfrauen vorbereitet- So weit so gut...


...doch was ist das? Kaum hat der grandiose Geist das Geschehen analysiert, schon ändert sich dich die Handlung und ein zweiter Rezesent kommt hinzu. Hier seine Ansicht:

Wir schreiben das Jahr 2012 und das Leben ist ein schweres - Hollywood ist auf einem absteigenden Ast. Es werden immer gleiche Ideen veröffentlicht, die sich lediglich in der Intensität von Explosionen und Nacktszenen unterscheiden. Doch selbst in solch harten Zeiten gibt es vereinzelt Regisseure, welche großen Mut aufbringen und sich gegen den Untergang der Filmindustrie auflehnen. Seigen Mendly’s ist einer dieser Sorte. Sein COCKSCALIBUR versetzt den Zuschauer in eine epische Fantasy-Welt, die ohne Effektspektakel auskommt, dafür mit literweisem Blut und geschicktem Plot Twist überrascht - somit also Hoffnung für die zukünftige Filmindustrie gibt.

Der blutige Pfad:

Der namenlose Held kommt auf einer weiten Wiese zu sich. Um ihn herum stehen ein paar Steine, unter ihm liegt ein großer. Er bemerkt, dass sein Glied in diesem Stein fest steckt. Nur durch einen extremen Kraftakt gelingt die Befreiung, allerdings zu einem hohen Preis. Sein Penis ist nun ein Schwert – Cockscalibur!

Der Verfluchte wandert über weite Ebenen und trifft immer wieder auf mysteriöse Gestalten, welche ihm Auskunft über seinen Fluch geben können. Anscheinend hat Merlynh ihn verzaubert, weil er seiner Tochter die Unschuld genommen hatte. Um den Bann zu brechen und weiter auf Jungfern-fahrt gehen zu können, muss der Held die fünf Hexen der Zeit umbringen - mit einem Schwert getränkt im Blute etlicher Jungfrauen. So bringt er Tod und Verderben in das Land - Jungfrauen werden bestiegen, getötet, ihre Familien wollen Rache, werden selber getötet, … und bestiegen, Hexen werden getötet, danach bestiegen – alles ist rot und es geht unglaublich ab.

Nachdem der Held dann endlich bei Merlynh ankommt, erfährt er über die wahre Herkunft des Fluches, sowie über die Möglichkeit ihn zu zerstören: durch die 5 Hexen der Zeit, welche er leider schon getötet hatte. Aus Wut über seine Dummheit wird er zum Berserker und zieht los um die ganze Welt zu vernichten.

Die Story mag plump klingen und lässt vorerst nur auf einen etwas blutigen Porno hoffen, doch weit gefehlt: was Mendly hier abliefert ist Philosophie in Reinform:
Wo hört Sexualität auf – wo fängt Gewalt an?
Was passiert mit einem Menschen, dessen Liebe tödlich ist?
Wem kann man Glauben schenken, wenn scheinbar alle gegen einen sind?
Diese Fragen werden bis in die Tiefe geklärt und der wahre menschliche Abys wird uns vor Augen gehalten. Eine Erfahrung von der Man(n) sich nicht so schnell erholen wird.

Das zweiseitige Schwert der Analyse:

Zur technischen Seite des Films: die Schauspielerische Leistung ist grandios. Die Charakterwandlung, die der gepeinigte Held durchlebt wirkt so intensiv, das man nur schwer die Tränen zurückhalten kann. Das Ende dürfte selbst den Härtesten noch knicken/brechen. Die Antagonistinnen wurden direkt aus der Pornoindustrie rekrutiert, bringen aber eine Performance die man so nur von den teuren Scheiben kennt. Seigen Mendley hat anscheinend ein geschicktes (linkes) Händchen…

Die Kulisse ist liebevoll aufgebaut und drängt mit schön bepinseltem Pappmaschee noch den teuersten Hollywood-Computer-Schund in die letzte Ecke. Wie sonst nur selten, wird der Zuschauer in eine Welt mitgenommen, in der die Gewalt noch durch Muskelkraft hervorgerufen wird und Geschlechtsakte eher Vergewaltigungen gleichen.


Diagnose:

Cockscalibur ist episch, brutal, dramatisch und barely legal. Ein echter Brutalo-Streifen der niemals in die Kinos kommen wird und auch sonst nicht über die Ladentheke gehen dürfte. Doch nachdem wir in den Genuss dieses Krachers gekommen sind, müssen wir sagen: schade eigentlich. In dieser blutigen Geschichte stecken dennoch viele tiefsinnige Anspielungen und eine meisterhafte Handwerkskunst des Regisseurs. Wir empfehlen dringend diesen Streifen – wo auch immer – zu kaufen, sobald er auf Scheibe gepresst ist.

Montag, 28. November 2011

Insidious (2010)

- SAG MAL "FENSTER"...
- "FENSTER"!
- DEINE ELTERN SIND GESPENSTER!
Einem solch epischen Film (wie es INSIDIOUS ohne Zweifel ist), kann man natürlich nur mit einer mehrteiligen Rezension gerecht werden Hier also der erste Teil von Bartels fragwürdiger, tiefschürfender...

ANALYSE:
James Wan ist wirklich ein armes, bedauernswertes Filmemacherschwein:
Im Jahr 2003 ersann er gemeinsam mit seinem "partner in crime" Leigh Whannel einen Kurzfilm der leider nicht "kurz" bleiben sollte. Nachdem der Streifen begeisternde Reaktionen auf Seiten der geldscheißenden
"Ich habe keine Ahnung von Filmen aber ich habe Zaster um welche zu machen" Brigade ausgelöst hatte, sammelte man einfach die herumliegenden Almosen ein und investierte diese in eine abendfüllende Langfingerfilmversion des absolut gleich gebliebenen Schwachsinns:
Es ging dabei hauptsächlich um arbeitslose ahnungslose Lethargie-Pappnasen die zu unheiligen Zeiten (meistens vor dem Aufstehen) genötigt wurden an sadistisch-niveauvollen Spielchen der Marke
"Ich-bin-so-geil-auf-deinen-Matsch"
teilzunehmen. Der Spielleiter dieser unfairen Torture-Sports war ein alter miesepetriger Sack namens "Jig-Saw" - die Nervensäge.
Getrieben vom Neid auf das Lotterleben der Anderen und deren Angewohnheit den Tag stets erst gegen 16:30 zu beginnen, hatte es sich der senile Knacker in den tumorbefallenen Kopf gesetzt all den jungen Lebensmüden dieser Welt solange einen Spiegel vorzuhalten bis sich diese am selbigen zu Tode schnitten.
Ein unvergessliches Erlebnis für Groß und Klein:
Eine Fahrt mit der Geister-Wan
Dabei folgte der von Tobin Bell dargestellte Griesgram einer recht fragwürdigen Doppelmoral:
Ein solch nörgelnder Menschenfeind (der sogar selbst hoffnungslos der eigenen Spielsucht verfallen und von der Spielverderberkrankheit Krebs befallen war...) wäre wohl kaum dazu in der Lage entscheiden zu können, was den jungen dekadenten Menschen von Heute Spaß zu machen hat und was nicht. Keinem noch so jugendlichen Wirrkopf bereitet es jedenfalls Vergnügen, mit einer umgedrehten Bärenfalle anstatt der festen Zahnspange im Maul aufzuwachen. Dem pubertierenden Publikum anscheinend schon, denn seltsamerweise traf der kauzig-sadistische Unsympath den gewaltgeilen Nerv jener Zeit und entwickelte sich fortan zum wohl beliebtesten (Film-)Bösewicht jenseits des Dalai Lahmas, während James Wan sich damit rühmen durfte, der geistige Vater des sowohl nervensägendsten als auch lukrativsten Horrorfranchises aller Zeiten zu sein.
Doch so sehr man den Herrn Wan für diese vergangene Kulturbanauserei auch anfeinden möchte, so sehr wird man ihn, nach Sichtung seines filmischen Friedensangebots INSIDIOUS in die Arme nehmen und kräftig knuffen wollen!
Die merkwürdige Welt der seltsamen Merchandise-Artikel:
HEUTE: Die "Star-Wars-Darth-Maul-Kuckucks-Uhr"

Da fühlt man sich wieder wie ein Kleinkind auf dem Rummel das mit angsterfüllter Vorfreude und vollgeschissener Hose, in der Schlange vor der Geisterbahn darauf wartet als nächstes an die Reihe zu kommen. Wer liebt sie nicht? Eine Fahrt mit der Geister-Wan!
Denn nichts geringeres will INSIDIOUS für den geneigten Freizeitparkfanatiker sein:
Ein grenzdebiler Thrill-Ride ohne unnötig-überfrachteten-Erklärbär dafür mit ganz, ganz viel infantilen "Volle-Windel-Flair"!
Dabei macht James Wan anfangs noch alles so verkehrt wie irgendwie möglich, indem er versucht uns einen stimmungsüberfrachteten Atmo-Schmock(er) aufzubinden.
Diesem gelingt es auch beinahe uns das Fürchten und unserer Bettwäsche das Stinken zu lehren. Doch wer mag schon derartig fiese unterschwellige Filme die uns durch ihr beunruhigendes Gedankengut vom wohlverdienten erholsamen Schlaf abhalten wollen?
Dabei ist der geistlose Handlungs-Spuk der uns hier aufgebunden wird in seiner Debilität durchaus schockierend!
"Na jetzt  hört mal auf zu weinen ihr kleinen Angsthasen, ihr! Die Oma ist extra mitten in der Nacht zum Enkelknuddeln gekommen! Schaut doch mal her! Sie hat euch sogar eine Kerze mitgebracht!"
AAAAAH! Was war das denn?
Ach, doch nur mein Bildschirmschoner. So etwas passiert eben armen Seelen wie mir, die zulange mit der Formulierungsfraktion fachsimpeln (bzw. liebäugeln) wollen...
Wo waren wir stehengeblieben...? Ach ja, die eiskalte Handlung.
Am Anfang ein gar garstiges Bild. Das uns wohlbekannte Kinderzimmer mit eingebauter Kamerafahrt die in dessen dunkelster Ecke endet. Aus der angezoomten Finsternis schält sich nicht etwa eine grauenhafte Geisterfratze sondern etwas das in der Bedrohlichkeit seiner Heimsuchung weitaus erschreckender ist:
Das fahle Gesicht eines Großmütterchens das mit bereits angefeuchteten kneifbereiten Fingerspitzen auf die unschuldigen Wangen ihrer Enkelkinder lauert!
Streichereinsatz! Titelblende! INSIDIOUS! Hinterhältig! Wie wahr, wie wahr...

Man merkt sofort das es sich hier um eine herzlose Mutter handeln muß, die einfach so und ohne Vorwarnung die fiese Oma ins Kinderzimmer schickt und sogar vorher noch das Licht ausmacht! Im Vorspann wird uns dann die Architektur des zu bespukenden Hauses in Form eines "Wo ist Walter?"-Spiels mit allerhand geisterhaften Erscheinungen dargeboten. Der Hausflur, die Wohnküche, die Abstellkammer und plötzlich erscheint ein herumlungernder Schuhlöffel hinter dem sich ein schemenhafter Polterbuddy versteckt hat.
Wer hat´s als erster gesehen? Nur die Mutproleten aus der Drahtseilnervenfraktion, die sich noch nicht die Hände vor´s Gesicht gehalten haben!
Hier wird auch den Kleinsten das Horrorfilmgucken und die Fähigkeit des neumodisch architektonischen Austüftelierens auf eine spielerische Art und Weise nähergebracht. Toll!


PARAMAMA, PARAPAPA UND PARANORMALE PYJAMAS
Glücklicherweise erspart uns der Film die nervenaufreibenden Details einer anfänglichen Heimsuchung, denn die Handlung setzt erst ein nachdem die Familie bereits ihre eigene selbstfinanzierte freistehende Immobilie bezogen hat.
Hier beweist die Regie ein, für den Genrefilm, lang vermisstes Taktgefühl.
James Wan weiß nämlich genau was er seinem Publikum zumuten kann:
Der perverse Folter-Porno einer sadistischen "Hausbesichtigung durch den Makler" gehört jedenfalls nicht dazu!
Nach der Aufblende sehen wir die Hausmama in den obligatorischen, halb ausgepackten Umzugkartons wühlen um sich bei einer gemütlichen frühmorgendlichen Inventur der familiären Fotoalben in eine rauschartig melancholische Stimmung zu sentimentalisieren.
Unerwarteterweise schlägt das Grauen hier bereits zu!
Durch das mütterliche Herumrascheln um den Schlaf gebracht, erscheint der mürrisch-müde Sohnemann auf der Bildfläche und offenbart gleich zu Beginn das wohl düsterste Geheimnis seiner Sippschaft: Das Blag trägt doch tatsächlich die haargenau gleiche Schlafklamotte wie seine Geburtshelferin! Ein modisches Desaster von schemenhafter Farbe mit allerlei affenartigen Getier und schlecht gezeichneten Bildern einer Hülsenfrucht bedruckt...
PARANORMAL AFFIGER PYJAMA:
Beim Schlafwandeln erwischt zu werden kann peinlich sein,
in dieser Schlafklamotte allerdings ist die Blamage absolut vernichtend...
Der Film ist noch keine fünf Minuten alt und betritt bereits die Metaebene des psychologischen Horrors. Gab es diese Penn-Panties wohl im "Mutter-Sohn" Doppelsparpaket oder hat sich die arme Frau extra in eine Kindergröße gezwängt um ihren Sohn damit zu beeindrucken? Ähnlich wie bei David Lynch bleibt uns James Wan die Antworten schuldig und schafft es dadurch frühzeitig Beklemmung zu verbreiten.
Schließlich sind alle wach. Zwei mittelgroße Jungs und ein Baby und auch der ausgewachsene Bub - der Ernährer - praktizieren nervtötende Frühstücksrandale.
Papa scheint den Braten allerdings zu riechen denn nach fachmännisch väterlich-verteilten Wangenküssen macht er sich schleunigst aus den Staub und in die rettenden Gefilde der Maloche. Nirgends ist man vor familären Spuk sicherer als im eigenen Büro.
Diese traditionelle Faustregel soll sich natürlich auch bewahrheiten.
Nachdem der Versorger das Haus verlassen hat klemmt sich die Mutter natürlich sofort hinters Babyfon und führt ein äußerst wichtiges Selbstgespräch mit einer ihr bereits fremd gewordenen Muse. Nebenbei stimmt sie schmissige selbstkomponierte Sozialbaladen am Piano an und verstört damit nicht nur den Zuschauer sondern auch die Geister, die sich frühzeitig dazu genötigt sehen dem Spuk ein Ende zu bereiten.
Das altmodische Kettenrasseln reicht bei einem solchen Härtefall natürlich längst nicht aus, deswegen wird einfach das Babyfon verhext und dessen vertraglicher Tarif wie von Geisterhand in die Höhe geschraubt. Ab sofort wird jeder angenommene Anruf kostenpflichtig! Jetzt erscheint Mama sogar die eigene Telefonrechnung unheimlich und deshalb beschließt sie, daß es fortan wohl besser wäre den schnurlosen Apparat auf lautlos zu stellen und die quärulierenden Störgeräusche ihres bewindelten Sprosses vorsorglich zu ignorieren.

Das dumpfe Gefühl das seine gesamte Familie sich hinter seinem Rücken über ihn lustig machte wurde er einfach nicht mehr los. So schnell er sich auch versuchte umzudrehen - sie waren immer schneller...
Von der Mutter mit der kalten Schulter bedacht, wird das Kind natürlich übellauniger als es ohnehin schon war und entwickelt einige abnorme frühreife Perversionen:
Es bedankt sich bei Mama mit einigen anonym-obszönen Anrufen, die aus grunzigen, wohllüstig-gekeuchten Bäuerchen bestehen.
Anstatt das Kind für sein ausgefallenes Stimmtalent zu belohnen, reagiert die Mutter völlig verkehrt und übertrieben hysterisch:
Sie verfällt dem Irrglauben, daß sich die, doch gerade erst bezogene Behausung, negativ auf die Entwicklung ihrer Kinder auswirken könnte und schafft es sogar, den völlig verdutzten Ehemann mithilfe einiger mehr oder weniger vorgetäuschten Panikattacken von einer sofortigen und überaus kostspieligen Komplettumsiedllung ihrer gesamten Sippschaft, zu überzeugen.
Das merkwürdige Verhalten der Mutter und die plötzliche Veränderung des gesamten sozialen Umfelds ist natürlich Gift für die geistige Gesundheit eines Kleinkinds weshalb einer der Jungs lieber gleich den Kelch der Wahrnehmung dankend weiterreicht um sich dadurch selbst in ein medizinisch-fragwürdiges Koma zu versetzen.
Nahezu 20 Ehejahre lang war es seiner Gattin gelungen, im Schutze der schummrigen Beleuchtung ihrer Energiesparbirnen, das düstere Geheimnis zu verbergen. Schließlich jedoch vermochte er es mit Hilfe seiner batteriebetriebenen Starkstrom-Laterne, die grauenvolle Wahrheit ans Licht zu bringen:
Die Ähnlichkeit mit seiner Schwiegermutter war nicht mehr von der Hand zu weisen!

Den Spoiler schon auf dem Filmplakat preisgebend, wissen spätestens jetzt alle Bescheid:
Nicht das Haus ist besessen, ...sondern eher die Mutter.
Jeder der schon einmal  über einen längeren Zeitraum das Vergnügen hatte mit einem Vertreter der weiblichen Spezies zusammenzuwohnen, vermag es natürlich, diesen "plot-twist" bereits mehrere Kilometer gegen den Wind zu riechen.
Dummerweise setzt James Wan auch bis zur gefühlten Mitte des Films auf die unheilvolle Stimmung einer klassischen Gruselatmosphäre und schafft es somit fast auch den letzten tapferen Zuschauer zu vergraulen bevor er überraschenderweise das Steuer waghalsig herumreißt:
Auf einmal wird aus INSIDIOUS ein lupenreiner F.F.F. (Fieser Frauen Film) der alten Schule!
Vom ständigen Immobilienwechsel sowohl finanziell als auch emotional stark gebeutelt glaubt der bemitleidenswerte Ehegatte das es schlimmer nicht mehr kommen könne und wird natürlich ganz "genretypisch" eines Besseren belehrt.
Die werte Gattin hat sich nämlich unangekündigten Besuch der übelsten Sorte geladen:
Seine eigene Mutter!
Dieser herumwuselnde (von Barbara Hershey beängstigend genial gespielte) esoterische Brummkreisel heizt die ohnehin schon gespannte Stimmung gänzlich auf, indem sie die peinlichsten paranormalen Geschichten aus der Vergangenheit ihres Buben zum Besten gibt:
Ihr Sohnemann hatte nämlich schon immer ein Problem mit der erdrückenden Macht ihrer fürsorglichen Mutterliebe. In seiner Verzweiflung ließ er einfach dämonische Mächte von sich Besitz ergreifen mit deren Hilfe er es endlich vermochte den Erziehungsmethoden seiner eigenen Mama den Stinkefinger zu zeigen.
(...TO BE CONTINUED...)