Dienstag, 22. November 2011

Tetsuo - The Iron Man (1989)



SCHRANZKINO
DER FILM ALS SCHROTTPRESSE


Der Blockbuster-Geheimtip für alle Zahnsteinfanatiker:
Bei TETSUO wird nicht lange in die Röhre geschaut sondern lieber gleich hineingebissen!
Besser auf die Jumbo-Portion Popcorn verzichten und stattdessen die XXL-Packung  Calciumtabletten aus dem heimischen Medizinschränkchen kramen. Ein Snack passend zum Film:
An Geschmacklosigkeit nicht mehr zu überbieten!


WIE RECYCLE ICH RICHTIG?

Eine Einleitung von Bartel
:

Das wohl außergewöhnlichste verschreibungspflichtige Zelluloid dieser Tage kommt völlig überraschend von den Schrotthändlern der Koch Media. Fälschlicherweise von mir jediglich als Blu-Ray Veröffentlichung von "Zack-Bumm-Tsukamoto´s" schändlichsten Verbrechen TETSUO - THE BULLET MAN gehalten, übersah ich dank meiner nebenberuflichen Tätigkeit als Vorurteilsbefürworter, daß hier jemand tatsächlich ein wertvolles Stückchen Kupfer in einen Klumpen Scheiße gepackt hat!
TETSUO - THE IRON MAN Vorgänger und Vorreiter manigfaltigster cineastischer Brainfucks wurde als Schmankerl mit auf die Scheibe gepackt. Wenn die Gerüchte stimmen wurde ihm sogar eine neue hochauflösende Lackierung spendiert, deren Qualität ich zwar misstrauisch aber auch nicht ohne das ein oder andere Freudentränchen im Auge gegenüberstehe. Die Tatsache das es sich hierbei um die wohl erste Blu-Ray Veröffentlichung des Bodyhorrorklassikers in unseren Landkreisen handelt ist auf jeden Fall "mindblowing" genug. Wer sich noch nie einer Neurosen-Neu-Füllung durch Tetsuo´s Pimmelbohrer ausgesetzt hat bekommt jetzt auf jeden Fall ausreichend Gelegenheit sich die Synapsen neu verlöten zu laßen. Viel Freude macht das!


ANALYSE:
Shin'ya Tsukamoto der für außergewöhnliche Filme und Perfektion bekannt ist, konnte auch bei diesem Film die Finger nicht von „allem“ lassen. So hat er das Drehbuch geschrieben, Regie und Produktion geführt, die extreme Kameraführung bestimmt und sich am Ende sogar in ein Metallmonster verwandeln lassen. Der Betrachter dieses experimentellen Streifens, erfährt auf sehr verrückte (teilweise sogar anstrengende) Art und Weise, wie sich Tsukamoto die Verwandlung von Mensch zu Maschine vorstellt.
DIE PUBERTÄT:
KAMPF GEGEN DEN EIGENEN KÖRPER

Der fiese Befall von Akne kann tiefe Narben in Gesicht & Seele
eines jungen Menschen hinterlassen...

Ein metallverliebter Mann verspürt ein Verlangen danach, seinen liebsten Stoff nicht mehr nur anzufassen, sondern weiterzugehen und sich Altmetall in den Körper zu implantieren. Leider hat er kein angemessenes Fachwissen und so beginnt das Metall zu rosten. Der Rost breitet sich aus und vergiftet alle Organe. 

Ein Mediziner weiß vielleicht, dass Rost im Blut Folgen hat und sich der menschliche Körper langsam aber sicher in eine Maschine aus Metall verwandelt. Zunächst unwissend, nun schockiert läuft der gammelnde Freak auf die Straße, nur um dort von einem Bürohengst und dessen perverser Frau überfahren zu werden. Er überlebt den Zwischenfall, doch will mit seinem Leid nicht alleine gelassen werden. Deswegen sucht er diesen Anzugträger, dem er dann aus Rache seinen Metallfetisch "einverleibt" – so wird auch dieser zur Maschine.
UNGEWOLLT UND UNERWÜNSCHT:
DIE PENISVERLÄNGERUNG
Die plötzliche Ausprägung des Geschlechtsorgans
ist für viele heranwachsende Buben eine geradezu
schockierende Erfahrung!



Der Film könnte vor allem eingefleischten Ravern gut gefallen. Nicht nur besteht der Score aus deftigen Elektrobeats, nein auch die Bilder tragen das Lebensgefühl der Schranz-Szene in sich. Die Liebe zur Technik wird durch symbolische Metallstücke, abgefahrene Kameraführung, Stop-Motion und Metallpimmel zum Ausdruck gebracht. Das Verlangen, sich Metall einzuverleiben, könnte als missgeleitetes Technikverständnis verstanden werden, die Verwandlung von Mensch zur Maschine als Sinnbild unserer Gesellschaft.
Doch dieses Review wäre kein Ergebnis der Multiplen Filmstörung, bestünde es nicht auch aus einer ernst gemeinten Interpretation, extrem nahe am Sachverhalt...extrem nahe am Menschen!
SHAME ON YOU: 
DIE GESCHLECHTSHAARVERLÄNGERUNG

Das Wachsen und Wuchern
von Bart-und Schambehaarung konfrontiert manch
jungen Knaben mit körperästhetischen Unansehnlichkeiten!

Tsukamoto zeigt mit entfremdeten Stilmitteln den Absturz eines Karrieremenschen in die Techno Szene. Das erste mal druff und mit seiner geilen Alten auf dem Beifahrersitz (-schnell schnell heim-), überfährt der Karrierist seinen Drogen(/Metall)-Dealer. Der Büroarbeiter Tetsuo, packt das noch atmende Überbleibsel in den Kofferraum und entsorgt es im Wald. Dies macht nicht nur seine Freundin feuchter, nein auch Lars von Trier wurde durch diese Szenerie zu einem ganzen Film inspiriert…


Der Dealer allerdings, überlebt - und will Rache. Er sucht nach dem Bürostuhl-Akrobaten, findet ihn und initiiert die anale Einverleibung der ersten Dosis, welche Tetsuos Leben verändern soll.
Von nun an gibt es den gewohnten Alltag nicht mehr: Techno-Freizeit statt Büroarbeit, Schranz statt Enka, Konsum(/Verwandlung) statt Sex.
UNERWÜNSCHT & UNERZOGEN:
DER METAL-FAN

All diese körperlichen Veränderungen lösen bei vielen
Jugendlichen ein geradezu rebellisches Verhalten aus:
Sie fangen an sich auffällig und sonderbar zu kleiden
und haben immer häufiger "einen in der Krone"!

(metallener Front-SPOILER!)
Der Absturz in die Raver Szene geht schneller als dem Betroffenen lieb ist - schon bald ist er nur noch das Endprodukt seiner Metallsucht. Dies führt zu einer unterdrückten Wut, die er nicht auslassen kann - der Dealer kann ihn logischerweise kontrollieren. So dauert es eine gewisse Zeit bis Tetsuo einen Weg findet, sein Unbehagen auszudrücken, was in einem extremen Kampf endet.
Das visuelle Spektakel, dass dem Zuschauer dann als Fausthieb ins Gesicht geklatscht wird, kann vielleicht noch mit üblem Trip auf Kröcher Konzert mit krasser Lasershow verglichen werden – der „Bosskampf“ würde dann einem Tanz-Battle entsprechen. Während sich die Protagonisten kloppen und die Metallteile fliegen, merken die Kämpfer, dass sie einen seltenen gemeinsamen Fetisch haben.
So entschließen sie, ihre Sucht auf den Höhepunkt zu bringen und vereinen sich – im Körper wie im Geiste. Die nun folgende Metallüberdosis bekommt Tetsuo gleich so heftig, dass er sabbernd alles mitmacht was sein Dealer fordert. Dieser verrückte Kerl will nämlich alle Erdbewohner süchtig machen.
Gesagt getan: So beginnt das kolossale Duo die Weltanfixung - mit einer Stadtrundfahrt!
(metallener Heck-SPOILER!)
EINFACH NUR PERVERS:
AGNES AKNE AKTIONEN

Das Ausdrücken der Mitesser
und  Eiterpickel ihres "boyfriends",
übt auf viele junge Mädchen eine
heftige stimulierende & erotische
Strahlkraft aus...

Der Inhalt des Filmes lässt sich schon in wenigen Zeilen zusammenfassen, während die Bilder ein Leben lang verarbeitet werden müssen. Es ist weniger der Gore Faktor, als die Machart – ich erlaube mir diese Aufnahmen „Schranz-Kino“ zu nennen. Die extremen Stop-Motion und Handkamera-Aufnahmen in Kombination mit Farbarmut und japanischer Symbolik erfordern einen willigen Betrachter. Die Spezialeffekte basieren noch sehr ehrenvoll auf Handarbeit und haben aufgrund des Alters eine gewisse Wirkung. Für manch einen „zu alt“ – für den Film-Gourmet eher ein Genuss.

RAVEN STATT RECYCELN:
DIE DUMMGETANZTE JUGEND

Pubertierende Jugendbewegungen führen meist zu
seltsamen Stilblüten: Die "New-Wave" Szene der  80er wurde
von hässlich-futuristischen Turmfrisuren und zahllosem
unrecycelbaren musikalischen "Schrott" geprägt!
DIAGNOSE:
Der 08/15 Hollywood-Banause wird hier genauso abgestoßen werden,wie die Humanorgane der Filmcharaktere. Dennoch oder gerade deswegen, ist der Film ein Must-See für experimentierfreudiges Publikum und zu Recht ein Meilensteil der Filmgeschichte. Der Stil, den Tsukamoto in diesem Streifen verwendet, ist einzigartig, düster und verstörend - genauso wie die Vision des Meisters.

Samstag, 12. November 2011

The Cottage (2008)

THE COTTAGE (oder "Drei Knebel für Barbie")
Dass die Engländer Horror können, wissen wir spätestens seit Eden Lake. Four Lions und Monty Pyton waren auch schon Statements für guten Humor-Geschmack. Auch Kombinationen aus beiden, sind den Cock-Neys schon gut gelungen - wer konnte nicht über Shaun of the Dead lachen?

ANALYSE:
Auch The Cottage ist wieder mal ein netter Horror-Spass-Verschnitt, der nicht nur die Krampfmuskulatur in den Händen, sondern auch im Bereich der Bauch- und Schließmuskulatur strapaziert und trainiert.

Kriminelle Energien bei den Prophylaxe-Zwergen:
Da er die Guckloch-Taktik ebenso bei Kondomen anwendet,
hat 'Der Idiot' auch mehr Kinder als er zählen kann...

EINGESPERRT:
Zwei Brüder entschließen sich ein hübsches Mädchen zu entführen und dadurch ihr Taschengeld aufzubessern. Wie immer hat 'Das Brain' nicht daran gedacht, dass die beteiligten Ganoven nicht für solche Extremeinsätze geeignet sind:

Britain's next Top-Actor:
Beim Casting werden die Kandidaten
auf das Nötige reduziert und

vom Sprechen abgehalten.

'Der Softy' kann sich kaum auf die ordnungsgemäße Durchführung konzentrieren: die fette Quaddel, die ihn als Mann ausgewählt hat, lässt ihn per Telefonleitung ihre Gewichtskraft spüren. Hängt er nicht an der Strippe, lässt er seine Blicke über den Busen der Entführten streifen - moralisch korrekt wird das mit Kopfnüssen und Drohungen bestraft.

Kurz später taucht auch schon der nächste Clou-Teilnehmer auf und füllt die Lücke. Er ist 'Der Idiot' der noch gefehlt hat. Sein Auftrag ist es das Lösegeld (für seine entführte Stiefschwester) an die Entführer zu überbringen. Seine offene Art und das Maximum an humaner Debilität, führt zu einer besonderen Überraschung...


Aufgrund der Fehler seiner Compadres muss das Brain die Szenerie kurz verlassen um ein Telefonat zu erledigen. Als er zurückkommt beginnt das Tohuwabohu. Der Idiot ist flachgelegt, 'Die Entführte' ist mit dem Weichei in den Wald abgehauen.
Mastermind packt den Esel in das Schlepptau und nimmt die Verfolgung auf. Doch stoßen sie erst auf die Gesuchten, als auch ein zweiter ominöser Jäger die Fährte gewittert hat. Aber 'Der Farmer' will kein Geld, sondern Köpfe...


Die berüchtigte Villa Kunterbunt:
Natürlich zählt hier nicht das einfarbige Äussere.
Viel farbenfroher sind die Inhalte dieses Überraschungspaketes...

FESTGEHALTEN:
Auch wenn der Film beginnt wie 7.000 andere, merkt man schon bald das Geschick 'Des Regisseurs' Paul Andrew Williams. Die Dialoge sind komischerweise genauso vorhersehbar, wie das Bald-Geschehende. Doch irgendwie muss man im gleichen Maße darüber lachen, wie man durch die Schockeffekte erschrickt.
Die wenigen und (leider auch) kurzen Momente, in welchen mal nichts passiert, werden geschickt durch den Einsatz von Silikon gefüllt. Alles in allem sind die Schauspieler recht akzeptabel und der Film läuft geschmiert wie Flutschi!
Voyeur-Sadomismus:
Bunny must pee - der eigentliche Entführungsgrund
DIAGNOSE:
Das Objekt scheint für eine weitreichende psychologisch-terapeuthische Anwendungen geeignet zu sein: traurigen Gemütern, erfahrenen Psychopathen oder schreckhaften Femanen kann an dieser Stelle eine angemessene Medikation empfohlen werden.
Die Pointen treffen an der richtigen Stelle und auch die Schockeffekte sorgen für kurzweilige Unterhaltung. Die stupiden Kidnapper und ihre Dialoge bauen Spannung und Story auf - der Körper des Entführungsopfers diese aufrecht, im selben Maße wie die Erektion. Spannung und die Erektion aufrecht.
In Summe, eine Empfehlung für alle, die sich gerne über Horror Klischees amüsieren und dabei nicht auf Qualität verzichten wollen.

Freitag, 11. November 2011

Verschreibungspflichtiges Zelluloid (06) NOVEMBER

ZINKSÄRGE FÜR DIE GOLDJUNGEN (1973)
Ganz großartiger 70er Streifen aus heimischen Gefilden der sich eifrig beim italienischen Poliziottesco Genre bedient und dessen Hauptmerkmale einfach nach Deutschland importiert. Bei dieser Gelegenheit wird Henry Silva gleich miteingeflogen bzw. geschifft. Dieser spielt den italo-amerikanischen Mafiaboss Luca Messina der es sich mal so eben in den Kopf gesetzt hat in Hamburg einzulaufen um dort dem örtlichen Kiezchef Otto Westermann (wie geil ist das denn?) das Territorium streitig zu machen. Es entbrennt ein gnadenlos zotiger Bandenkrieg bei dem erst lieb geschimpft, dann gedroht und schließlich großzügig mit der Brutalo-Kelle ausgeteilt wird. Als Sahnehäubchen gibt es noch eine schmissige deutsche Synchro obendrauf. Allein die ersten Minuten, in denen eine bierernste Off-Kommentatorstimme mit dokumentarisch anmutender Strenge unmissverständlich alle Fakten offenlegt, rechtfertigen den Kauf dieser romantischen Gangsterballade:
"Es ist 12:39 Uhr. Das Wetter ist sommerlich schön. Soeben fährt die Queen Elizabeth in den Hamburger Hafen ein. Damit beginnt die Geschichte des Films, aber diese Geschichte könnte überall spielen: Vielleicht sogar in der Stadt in der Sie leben! Die Personen der Handlung sind frei erfunden, ihre Taten nicht und was Heute noch als Produkt der Fantasie gilt, kann Morgen schon Realität sein...erschreckende, grausame Wirklichkeit!"

TENEBRAE (1982)
Mit diesem klassisch sowie klinischen Giallo kehrte Maestro Dario Argento nach seinem verhexten Überhit SUSPIRIA wieder zu seinen Wurzeln zurück, also genau dem Genre welches er selbst maßgebend mitgeprägt hatte. Mittlerweilen machen ja sogar eingefleischte Argento Fans einen großen Bogen um die gegenwärtig verfilmten Hirngespinste, ihres ehemals so einflussreichen "Berlusconi des Horrors".
Fast jedes seiner Spätwerke war eine, für den Zuschauer unbequeme, Grenzerfahrung in Sachen "Fremdschämen": Ein langsam vor sich hin senilisierender Argento versucht krampfhaft seine eigenen Markenzeichen zu kopieren und servierte uns damit nur noch ein fad schmeckendes Potpourri aus abgestandenen Hirnsäften. Da freut es uns natürlich sehr, wenn die vorbildlichen Humane von ARROW VIDEO die alten Argento-Heuler mit monumentalster Ausstattung auf Blu-Ray feilbieten.
Die neueste meiner Errungenschaften ist TENEBRAE und hier kommt nochmal alles zusammen was zusammengehört: Schwarze Lederhandschuhe, rote Lackstilettos, scharfe Rasierklingen, wunderschöne Dummchen die sich bei Gefahr allen Gesetzen der Logik widersetzen und schnurstracks, durch grandiose weitläufige und kongenial in Szene gesetzte (man verweise hier nur auf die legendäre fast 3 minütige Kamerafahrt) Setpieces in ihr grausames Ende rennen.Die Story um einen amerikanischen Schriftsteller dessen neuer Roman von einem serienkillenden Psychopathen als Inspirationsquelle genutzt wird, ist dabei so haarsträubend das alles zu spät ist.
Eine schlüssige Auflösung ist für Argento eben schon immer ein Mysterium gewesen.
Auch wird in TENEBRAE einem vom Aussterben bedrohten Vertreter der Tierwelt ein filmisches Denkmal gesetzt: Wer noch nie einen fassadenkletternden Jump n´Run Dobermann gesehen hat, der kann dies jetzt bei einem gemütlichen Videoabend nachholen und sich auch noch von einem famosen Giuliano Gemma die Leviten lesen lassen. Viel Spaß!

UNMORALISCHE GESCHICHTEN (1974)
Eine cineastische Liebesperle für den geneigten Connaisseur und romantisch veranlagten Pflege-Masturbator!
Habe mir damals auch LA BETE zugelegt, (bei dem ebenfalls der geile alte Bock Walerian Bodowczyk die Er-Regie geführt hat), obwohl ich mit dem absolut nichts anfangen kann...aber ich leide traurigerweise unter der weitverbreiteten Krankheit des fanatischen Komplettitismus der vorallem durch solch geniale Labels wie BILDSTÖRUNG weitergetragen wird. Mit den UNMORALISCHEN GESCHICHTEN wird es sich bei mir also ähnlich verhalten wie mit dem softerotischen Wuschelwolfgerammel.
Hauptsache die DVD-Rücken-Reihe weist keine Lücken auf und man kann weiterhin vor Gästen und der Mutter mit seiner Sammlung protzen.
Wenn schon nicht als Filmvergnügen tauglich dann wenigstens als eine Art Anlagekapital fürs hohe Alter, denn in Sachen Wertsteigerung haben die BILDSTÖRUNGS-Releases definitiv noch mitzureden...so, jetzt erstmal ne Runde HARRY UND DIE HENDERSONS gucken

P.S.: In diesem Text haben sich mal wieder neben den Schreibfehlern auch zahlreiche anklickbare Links versteckt. Viel Spaß beim multimedialen Such-und Verlinkungsverwirrspiel!

Samstag, 5. November 2011

Der Busenfreund (1997)


AM ARSCHBUSEN DER MENSCHLICHEN NATUR

ANALYSE:

Guten Abend meine Damen und Herren
Aus aktuellen Anlass muß ich an dieser Stelle mein Selbstgespräch unterbrechen,
um einen "wahren" Exploiter seine Ehre Teil werden zu lassen!
So viele Assi-ziationen schwirren seit der Sichtung dieser Perle durch meinen Kopf das ich gar nicht mehr weiß wohin mit diesen ganzen Eindrücken, Ausdrücken und Bedrücken...
Mit leicht zittriger Hand schenke ich mir mein 2. Glas Gin-Tonic ein um auch nur annähernd in den Zustand zurückzufinden, in dessen Umnachtung meine Liebe zu diesem Biopig gekeimt hat....

SYLVESTER AUF SENTA´s BERGEN
Es begab sich am 3. Januar 2011 das ich und einige meiner unkaputtbaren, feierwütigen Freunde bei mir einkehrten um den Einklang des neuen Jahres bei ungepflegten Beisammensein ausklingen zu lassen.
Einer meiner beiden Begleiter klagte "lustigerweise" , wie es der Zufall wollte, über Rückenschmerzen, die durch die neujahrsbedingte Einnahme von Tanznarkotika und das, durch diese Stimulanzien ausgelöste Balzverhalten herrührten, welche von der Wirbelsäule ausgestrahlt und durch seinen Enddarm, der hier ganz augenscheinlich eine Art Verteilerfunktion übernahm, in seine rechte Gesäßhälfte (Regio glutealis) weitergeleitet wurden!
UNANSEHNLICH UND UNANGENEHM:
Der Arschbusen

Von dem Rest der Anwesenden (ICH & ER streckenweise auch ICH & ICH) wurde dieses grausame Leiden salop als "Arschbusen" titt-uliert , ohne das wir uns  der bald folgenden Bedeutungsschwangerschaft dieses selbstdiagnostizieten Wortes auch nur ansatzweise im Klaren waren: Als pietätloser Idiot der ich nun mal bin kramte ich die ULI SEIDL EDITION aus meinem Sammelbunker...

Me and Mr. Seidl...
Das letzte Mal hatte ich Bekanntschaft mit diesem österreichischen Halodri gemacht als ich wild fummelnd mit einem Mädchen auf der Couch eines Freundes lag und wir (der Freund und ich, nicht das Mädchen) es für eine gute Idee hielten Seidl´s "Grenzkomödie" IMPORT/EXPORT in den örtlichen Player zu legen.
Die darauffolgende Explosion war von reinster seelischer Natur.
Körperlich gesehen (von der Warte weiblicher Anatomie aus betrachtet) war das ganze Danach eher eine Exkursion die ich unter den Begriff "Tote Hose in der Dose" zu den Akten gelegt habe.
Wenn ich mich also selbst als eine Art"emotionaler Holzfäller" bezeichne dann ist dieses Etikett ganz bewusst gewählt.
Genauso bewusst wählt Seidl, wie in den meisten seiner Werke, eine semidokumentarische Erzählweise, und folgt darin seinem "Helden" und dessen Mutter...
Ein gewisser René Rupnik haupt(sächlich)dargestellt durch René Rupnik, ehemaliger Mathematikleherer und Busenfetischist. Fetischist ist in diesem Falle noch untertrieben:
GEIL ABER GEFÄHRLICH:
Der Atombusen
Busenfundamentalist wäre da noch angebrachter.
Seidl "wienert" das Parkett auf dem Rupnik seinen selbstdarstellerischen Breakdance hinlegt. Das "Breaken" steht hier für so ziemlich alles was gebrochen werden kann.
Egal ob Sehgewohnheit oder Selbstaufgabe (für die Rolle oder für das Lieben eben dieser Rolle von Seiten des Zuschauers)...Ist René Rupnik echt?
Dann gnade uns Gott und halte seine schützende Hand über Senta Berger,
die Rupnik als sein persönliches "Love Interest" und "Favourite Girl To Stalke" auserkoren hat! Ist er es nicht, dann ist das nur ein weiterer Beweis für die "ficktiefen" Penetrationen des Medium Films über & an unseren Verstand...


Von einem "Psychogramm" zu sprechen halte ich hier übrigens für unangebracht...
Ein "Psychokilo" oder gar eine "Psychotonne" treffen es wohl eher.
An erzählerischem Kampfgewicht bringt Seidl´s Werk auf jeden Fall Beachtliches auf die Waage!
Nach Aufgabe seiner "weltlichen Pflichten" (Beruf, soziales Interagieren mit Mensch & Mutter), predigt sich unser René
sein ganz eigenes Manifest, (welches auf dem Götzenbild des weiblichen Busens beruht) zusammen und geht letztendlich völlig darin auf bzw. unter...
Selbst die am Anfang die am Anfang noch dement anmutende Mutter (mit der Rupnik eine trostlose Plattenbauwohnung teilt) schafft es nicht,
Kraft ihrer Liebe und Sorge, ihr Buberle ins Hier & Jetzt zurückzuholen.
Ihr gebürt dann auch neben Rupnik der einzige Monolog des Films, welcher in seiner kompromisslos echten Darbietung, derart an die Nieren geht das man als Zuschauer befürchtet, organische Schäden davontragen zu müssen.

Auch sind es eben jene spärlich gesähten Dialoge zwischen Mutter und Sohn, die von einer solchen Intimität zeugen einem Angst und Bange wird.

DIAGNOSE:
Nach dem Abspann folgt die Reflektion: How much Rupnik will I am after the curtain falls...
Die eigene Leidenschaft...(oder weniger pathetisch: das Nerdtum) für ein Sujet,
kommt einem nach Seidl´s Schauerstück, seltsam fremd,traurig und vor allem unbedeutend vor...
Man macht sich Sorgen (um Senta & Mama) und glaubt fest daran das...wenn es je ein Film verdient hat...
an der eigenen enthaarten, unterentwickelten Männerzitze (hochdeutsch: Titte) genährt und gestärkt zu werden, es wohl nur dieser sein kann!

Nachdem ich mir die letzten Tränen aus den Augen gewischt und meinen vierten Gin Tonic (R.I.P. Bartel Bukowski) geleert habe,
finde ich nun auch die Kraft euch das EPILOG meiner Sylvestergeschichte zu erzählen:
Nachdem das Seelenecho der Endtitel verklang und ich zwecks erneuter Gemütsänderung auf das laufende Fernsehprogramm zappte...lief...wie sollte es anders sein...eine Lesung mit Senta Berger,was allen Anwesenden verständlicherweise den Rest gab.
Vorallem mein, unter seiner "Arschtitte" leidender Freund und Zwangscineast war aufgrund all dieser Zusammenhänge sichtlich Baff!
Er war gar schwer von der Heizung zu trennen, an die er sein Abszess zwecks Linderung seiner Schmerzen, während der gesamten Laufzeit des Films, gedrückt hatte.
Nach Regulierung der Temperatur "löste" sich das Problem von selbst und wir konnten alle nur noch wehmütig feststellen das auch das schönste und längste Sylvester irgendwann einmal sein Ende finden muss...
Genau so wie diese, mittlerweilen furunkelartig wuchernde, Rezension...

Hochachtungsvoll,
euer Bartel