Dienstag, 22. November 2011

Tetsuo - The Iron Man (1989)



SCHRANZKINO
DER FILM ALS SCHROTTPRESSE


Der Blockbuster-Geheimtip für alle Zahnsteinfanatiker:
Bei TETSUO wird nicht lange in die Röhre geschaut sondern lieber gleich hineingebissen!
Besser auf die Jumbo-Portion Popcorn verzichten und stattdessen die XXL-Packung  Calciumtabletten aus dem heimischen Medizinschränkchen kramen. Ein Snack passend zum Film:
An Geschmacklosigkeit nicht mehr zu überbieten!


WIE RECYCLE ICH RICHTIG?

Eine Einleitung von Bartel
:

Das wohl außergewöhnlichste verschreibungspflichtige Zelluloid dieser Tage kommt völlig überraschend von den Schrotthändlern der Koch Media. Fälschlicherweise von mir jediglich als Blu-Ray Veröffentlichung von "Zack-Bumm-Tsukamoto´s" schändlichsten Verbrechen TETSUO - THE BULLET MAN gehalten, übersah ich dank meiner nebenberuflichen Tätigkeit als Vorurteilsbefürworter, daß hier jemand tatsächlich ein wertvolles Stückchen Kupfer in einen Klumpen Scheiße gepackt hat!
TETSUO - THE IRON MAN Vorgänger und Vorreiter manigfaltigster cineastischer Brainfucks wurde als Schmankerl mit auf die Scheibe gepackt. Wenn die Gerüchte stimmen wurde ihm sogar eine neue hochauflösende Lackierung spendiert, deren Qualität ich zwar misstrauisch aber auch nicht ohne das ein oder andere Freudentränchen im Auge gegenüberstehe. Die Tatsache das es sich hierbei um die wohl erste Blu-Ray Veröffentlichung des Bodyhorrorklassikers in unseren Landkreisen handelt ist auf jeden Fall "mindblowing" genug. Wer sich noch nie einer Neurosen-Neu-Füllung durch Tetsuo´s Pimmelbohrer ausgesetzt hat bekommt jetzt auf jeden Fall ausreichend Gelegenheit sich die Synapsen neu verlöten zu laßen. Viel Freude macht das!


ANALYSE:
Shin'ya Tsukamoto der für außergewöhnliche Filme und Perfektion bekannt ist, konnte auch bei diesem Film die Finger nicht von „allem“ lassen. So hat er das Drehbuch geschrieben, Regie und Produktion geführt, die extreme Kameraführung bestimmt und sich am Ende sogar in ein Metallmonster verwandeln lassen. Der Betrachter dieses experimentellen Streifens, erfährt auf sehr verrückte (teilweise sogar anstrengende) Art und Weise, wie sich Tsukamoto die Verwandlung von Mensch zu Maschine vorstellt.
DIE PUBERTÄT:
KAMPF GEGEN DEN EIGENEN KÖRPER

Der fiese Befall von Akne kann tiefe Narben in Gesicht & Seele
eines jungen Menschen hinterlassen...

Ein metallverliebter Mann verspürt ein Verlangen danach, seinen liebsten Stoff nicht mehr nur anzufassen, sondern weiterzugehen und sich Altmetall in den Körper zu implantieren. Leider hat er kein angemessenes Fachwissen und so beginnt das Metall zu rosten. Der Rost breitet sich aus und vergiftet alle Organe. 

Ein Mediziner weiß vielleicht, dass Rost im Blut Folgen hat und sich der menschliche Körper langsam aber sicher in eine Maschine aus Metall verwandelt. Zunächst unwissend, nun schockiert läuft der gammelnde Freak auf die Straße, nur um dort von einem Bürohengst und dessen perverser Frau überfahren zu werden. Er überlebt den Zwischenfall, doch will mit seinem Leid nicht alleine gelassen werden. Deswegen sucht er diesen Anzugträger, dem er dann aus Rache seinen Metallfetisch "einverleibt" – so wird auch dieser zur Maschine.
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UNGEWOLLT UND UNERWÜNSCHT:
DIE PENISVERLÄNGERUNG

Die plötzliche Ausprägung des Geschlechtsorgans
ist für viele heranwachsende Buben eine geradezu
schockierende Erfahrung!

Der Film könnte vor allem eingefleischten Ravern gut gefallen. Nicht nur besteht der Score aus deftigen Elektrobeats, nein auch die Bilder tragen das Lebensgefühl der Schranz-Szene in sich. Die Liebe zur Technik wird durch symbolische Metallstücke, abgefahrene Kameraführung, Stop-Motion und Metallpimmel zum Ausdruck gebracht. Das Verlangen, sich Metall einzuverleiben, könnte als missgeleitetes Technikverständnis verstanden werden, die Verwandlung von Mensch zur Maschine als Sinnbild unserer Gesellschaft.
Doch dieses Review wäre kein Ergebnis der Multiplen Filmstörung, bestünde es nicht auch aus einer ernst gemeinten Interpretation, extrem nahe am Sachverhalt...extrem nahe am Menschen!
SHAME ON YOU: 
DIE GESCHLECHTSHAARVERLÄNGERUNG

Das Wachsen und Wuchern
von Bart-und Schambehaarung konfrontiert manch
jungen Knaben mit körperästhetischen Unansehnlichkeiten!

Tsukamoto zeigt mit entfremdeten Stilmitteln den Absturz eines Karrieremenschen in die Techno Szene. Das erste mal druff und mit seiner geilen Alten auf dem Beifahrersitz (-schnell schnell heim-), überfährt der Karrierist seinen Drogen(/Metall)-Dealer. Der Büroarbeiter Tetsuo, packt das noch atmende Überbleibsel in den Kofferraum und entsorgt es im Wald. Dies macht nicht nur seine Freundin feuchter, nein auch Lars von Trier wurde durch diese Szenerie zu einem ganzen Film inspiriert…


Der Dealer allerdings, überlebt - und will Rache. Er sucht nach dem Bürostuhl-Akrobaten, findet ihn und initiiert die anale Einverleibung der ersten Dosis, welche Tetsuos Leben verändern soll.
Von nun an gibt es den gewohnten Alltag nicht mehr: Techno-Freizeit statt Büroarbeit, Schranz statt Enka, Konsum(/Verwandlung) statt Sex.
UNERWÜNSCHT & UNERZOGEN:
DER METAL-FAN

All diese körperlichen Veränderungen lösen bei vielen
Jugendlichen ein geradezu rebellisches Verhalten aus:
Sie fangen an sich auffällig und sonderbar zu kleiden
und haben immer häufiger "einen in der Krone"!

(metallener Front-SPOILER!)
Der Absturz in die Raver Szene geht schneller als dem Betroffenen lieb ist - schon bald ist er nur noch das Endprodukt seiner Metallsucht. Dies führt zu einer unterdrückten Wut, die er nicht auslassen kann - der Dealer kann ihn logischerweise kontrollieren. So dauert es eine gewisse Zeit bis Tetsuo einen Weg findet, sein Unbehagen auszudrücken, was in einem extremen Kampf endet.
Das visuelle Spektakel, dass dem Zuschauer dann als Fausthieb ins Gesicht geklatscht wird, kann vielleicht noch mit üblem Trip auf Kröcher Konzert mit krasser Lasershow verglichen werden – der „Bosskampf“ würde dann einem Tanz-Battle entsprechen. Während sich die Protagonisten kloppen und die Metallteile fliegen, merken die Kämpfer, dass sie einen seltenen gemeinsamen Fetisch haben.
So entschließen sie, ihre Sucht auf den Höhepunkt zu bringen und vereinen sich – im Körper wie im Geiste. Die nun folgende Metallüberdosis bekommt Tetsuo gleich so heftig, dass er sabbernd alles mitmacht was sein Dealer fordert. Dieser verrückte Kerl will nämlich alle Erdbewohner süchtig machen.
Gesagt getan: So beginnt das kolossale Duo die Weltanfixung - mit einer Stadtrundfahrt!
(metallener Heck-SPOILER!)
EINFACH NUR PERVERS:
AGNES AKNE AKTIONEN

Das Ausdrücken der Mitesser
und  Eiterpickel ihres "boyfriends",
übt auf viele junge Mädchen eine
heftige stimulierende & erotische
Strahlkraft aus...

Der Inhalt des Filmes lässt sich schon in wenigen Zeilen zusammenfassen, während die Bilder ein Leben lang verarbeitet werden müssen. Es ist weniger der Gore Faktor, als die Machart – ich erlaube mir diese Aufnahmen „Schranz-Kino“ zu nennen. Die extremen Stop-Motion und Handkamera-Aufnahmen in Kombination mit Farbarmut und japanischer Symbolik erfordern einen willigen Betrachter. Die Spezialeffekte basieren noch sehr ehrenvoll auf Handarbeit und haben aufgrund des Alters eine gewisse Wirkung. Für manch einen „zu alt“ – für den Film-Gourmet eher ein Genuss.

RAVEN STATT RECYCELN:
DIE DUMMGETANZTE JUGEND

Pubertierende Jugendbewegungen führen meist zu
seltsamen Stilblüten: Die "New-Wave" Szene der  80er wurde
von hässlich-futuristischen Turmfrisuren und zahllosem
unrecycelbaren musikalischen "Schrott" geprägt!
DIAGNOSE:
Der 08/15 Hollywood-Banause wird hier genauso abgestoßen werden,wie die Humanorgane der Filmcharaktere. Dennoch oder gerade deswegen, ist der Film ein Must-See für experimentierfreudiges Publikum und zu Recht ein Meilensteil der Filmgeschichte. Der Stil, den Tsukamoto in diesem Streifen verwendet, ist einzigartig, düster und verstörend - genauso wie die Vision des Meisters.

8 Hasst uns! Beschimpft uns! Lasst es raus!:

Sylvio Constabel (mit "el") hat gesagt…

Ich weiß was feines: Den Hauptprotagonisten des Schrottfilms kannste Dir schnappen und Deinen nicht mehr verwendeten Wok aufn Buckel schnallen. Damit sieht er auch nicht bekloppter aus als zuvor, eher noch wie 'ne Schildkröte. Nicht so 'ne süße wie der "Dude" von NEMO (nicht der Kapitän sondern der kleine Clownfisch!) sondern so 'ne olle 200-jährige, deren Panzer schon 'ne gräuliche Färbung annimmt. Worauf wollte ich noch mal hinaus?
Ach so, die PORNOBANDE ist 'n komischer Film. Was ihr immer alles so schreibt ...

Bartel aka Faniel Dranz poetischer Plakativ-Prolet hat gesagt…

Ach was, dein langjähriger China-Kino-Aufenthalt hat dich einfach massenkompatibel(le) geschaltet...anders kann ich mir deine Freude über manch Riesenrotzproduktion nicht erklären...ich bin zwar auch kein Kostverächter (also Studiofilme die viel gekostet haben) aber manchmal ist es doch zuviel des Guten (also eigentlich alles gut Schlechte)...Worauf wollte ich eigentlich hinaus? Egal! Willkommen in meiner Welt!

Sylvio hat gesagt…

Ich wollte da niemals mit reingezogen werden! Aah ...
Wo ist die Tür?

Bartel aka Faniel Dranz poetischer Plakativ-Prolet hat gesagt…

Oh mein Gott! Wer von euch ist jetzt wer? Sylvio? Bist du nicht der alte Manifestler mit der lächerlich epochalen Riesensammlung von in den Papierkorb geschmissenen Asia-Import-DVDs? Ihr verarscht mich doch oder? Ich weiß nicht auf wen von euch beiden ich jetzt schießen soll? Der echte Sylvio soll mir ein Zeichen geben! WAAAAAAAAHHHH! Die Tür ist abgesperrt!

Sylvio aks Raumerheller hat gesagt…

Nee nee nee. Doch. Nur habe ich keine DVD aus dem Papierkorb, weil ich die alle schon hatte respektive habe. In tollen Schicki-micki-Spezialeditionen. Natürlich! Ich erhelle gerade meinen Raum mit 'nem Feuerzeug. Siehstes? Das ist mein Zeichen. Siehstes? Ich stehe übrigens am Fenster.
Wenn Du schon die Tür verrammelst, öffne wenigstens ein Fester oder schalt die Klimaanlage an. Ist so stickig sonst, weißt ja, die Dämpfe der nicht vernünftig verklebten Digipacks, und so.

Booh hat gesagt…

Hallo? Ich bin eigentlich wegen dem draufgängerischen Sex hier, aber es riecht so modrig, dass ich meine Arme gar nicht ausstrecken will.

Bartel aka Faniel Dranz poetischer Plakativ-Prolet hat gesagt…

Das einzige was hier so modrig riecht ist deine unrasierte Achselbehaarung!

Booh hat gesagt…

Dann bist du mal wieder voll auf deine Kosten gekommen! Ich nenne meine Achselhöhle nun offiziell Bartels geduldete Kuschelecke.

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Die ideale Vorraussetzung für eine stimulierende geistige Penetration ist gegenseitiges Vertrauen!
Wir sind offen für alle Formen von motivierender Verbalbestrafung solange sie emotional aufgeladen ist!