Dienstag, 31. Mai 2011

Kidnapped - Secuestrados (2010)


TERROR! TOTE! HYSTERIE!
- SECUESTRADOS -
Invasions-Eskalations-Exzess

  
Das Genre des Terrorfilms, dessen berüchtigster Vertreter wohl bis heute
"THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE" ist, brachte im Laufe der Jahre das Subgenre
HOME INVASION
hervor.
Was sich anhört wie der Name einer billigen House-Compilation ist in Wahrheit noch viel schlimmer als jedes der von David Guetta produzierten Verbrechen. Hier geht es um die Angst  in seinem eigenen Heim nicht mehr sicher zu sein weil eine Bedrohung (anonymer oder sichtbarer Natur) sich Zugang verschaffen will.
Ein Gefühl das dem Amerikaner nur allzugut bekannt ist und wahrscheinlich aus dem kollektiven schlechten Gewissen herrührt, dass selbst der Boden auf denen ihr Haus steht nur durch eigene gewalttätige Invasion und der Vertreibung der Urvormieter zu ihren Besitz wurde.

Auch ich kenne diese Furcht. So gut wie jedes Wochenende kehrt sie zurück, denn betrunkene feierwütige Menschen, die sich mir als meine "Freunde" vorstellen, lauern in ganzen Rudeln vor meiner Haustür!
Sie verschaffen die sich dann Zugang in meine Räumlichkeiten und (was noch viel schlimmer ist) zu meinen Nahrungs-und Alkoholvorräten. Wenn es mir gelingt die Eindringlinge zu vertreiben ist es oft schon Sonntag.
Meist habe ich dann auch nicht mehr alle Tassen im Schrank weil das ganze Geschirr von den Besatzern benutzt und unabgespült meiner Wohnung verteil wurde.
Unter der Traumatisierung durch dieser Überfälle leide ich noch Wochen später, andere Opfer sogar ein Leben lang
HOME INVASION ist also ein ernstes Thema weswegen sich die darüber gedrehten und drehenden Filme meist hart und düster geben. "STRAW DOGS" von Sam Peckinpah oder Carpenter´s "ASSAULT ON PRECINCT 13" sind noch die harmloseren Vertreter dieser Gattung. Weitaus ungemütlicher geht es in Werken wie "INSIDE" oder dem weitaus härteren meist unterschätzten "KEVIN ALLEIN ZU HAUS" zu!
"Auch wenn wir uns lange nicht mehr gesehen haben...
Lass mich bitte los! Du tust mir weh!"

Überraschender und grausamer als jede Home-Invasion:
Besuch von Oma!
TERROR IN EUROPA:
Im Zuge der riesigen Welle Terrorismus die Ende 2001 über unseren Köpfen zusammenbrach, schwappte auch ein wenig popkultureller Terror mit über den großen Teich. Dessen Anhänger tauchten sofort in Europa unter, um mit ihren operierenden Zellen langsam aber stetig das lahm gewordene zahnlose Genrekino zu untergraben. 2002 war es  dann soweit!
Die ersten Angriffswellen der kultureller Anschläge kamen plötzlich, häufig und unerwartet! Das offensive Abschlachten unter der Leitung der jungen gnadenlosen ultrabrutalen Terrorchefs Aja, Bustillo, Maury, Laugier konnte beginnen!
Flächendeckende Polarisierungen und die millionenfach ausgeübten Liquidierungen unschuldiger Moralempfinden wurden angeordnet!
Frankreich machte es vor und das restliche Europa machte mit.
Miguel Angel Vivas scheint nun für die Radikalisierung Spaniens verantwortlich zu sein.
Sein von ihm geplanter und ausführter Terroranschlag  mit den Decknamen
"SECUESTRADOS - KIDNAPPED" ist ein gnadenloser Beweis für die verwirrten Ideologien europäischer Filmschaffender.

ANALYSE:
In nur 10 Einstellungen die jeweils nur mit einer einzigen Kamerafahrt (in zwei Szenen durch das Split-Screen Verfahren erweitert) in Szene gesetzt werden erzählt Vivas von einem unerwarteten Hausbesuch. Die Sogwirkung die  durch diese visuelle Minimalisierung entsteht ist enorm.
Binnen kürzester Echt-Zeit entwickelt der Streifen eine Ungemütlichkeit die fast schon dokumentarisch anmutet. Die Geschichte einer neureichen Familie (Vater, Mutter, Tochter) die am ersten Abend in ihrer neubezogenen Villa von einem kriminellen Trio (Profi, Psycho, Emo) überfallen werden, ist zwar nicht gerade neu, wird dafür aber mit einer derart heftigen Intensität erzählt, dass die Münder offen und die Mägen zugeschnürt bleiben.
Der Anfang zeigt das Ende eines bereits begangenen Überfalls und gibt sogleich die Marschrichtung vor:
Was sich in den nächsten 80 Minuten abspielen wird soll keineswegs als "Feel Good Movie" verstanden werden! Deswegen wird erst einmal eine kleine Verschnaufpause eingelegt in der ein kurzes Bild der Opfer gezweichnet wird. Eine finanziell funktionierende Wohlstandsfamilie mit einer pubertierenden Tochter, deren Erziehung alleine schon Terror genug wäre, und einem Vater der allen familiären Ungemütlichkeiten mit einem "Ja, klar!" und dem nötigen Taschengeld vorbeugt.
Mama ist natürlich nicht begeistert über soviel väterliche Toleranz. Die Tochter schert sich einen Dreck über Mamas penibel ausgerichtetes Abendessen welches sie anlässlich des Einzuges und der wackeligen, aber immer noch stehenden Scheinheiligkeit und Pseudo-Harmonie, für ihre Lieben geben wollte.
Ihr Spross hingegen will mit dem neuen Loverboy eine Fickfiesta mit entjungferungsfreundlichen Ambiente besuchen. Ihren Willen versucht sie, mit allerlei Fäkalsprache und zahlreichen Verweisen auf ihre bereits eingetretene körperliche & geistige Reife, durchzupeitschen.
Hier zeigt sich schon ein enormer  töchterlicher Hang zur Hysterie der sich im Laufe der Handlung, in voll ausgeprägter Form, als ihre Meisterdisziplin erweisen wird.
"Wollte euch eigentlich nur fragen ob ihr mir Kohle vorstrecken könnt?
Ich hab mal wieder meinen PIN vergessen
und Opa´s Nazigoldversteck finde ich auch nicht mehr!"

Im fortschreitenden Stadium wird die Demenz für Familienangehörige auch zur finanziellen Belastung...
Normalerweise bin ich niemand der einen Film komplett durchanalysiert, nur um danach ein bis auf die letzte Unstimmigkeit blankgehäutetes Handlungskorsett, mit tausenden Post-It´s zu bekleben( für jede Kameraeinstellungsreferenz, Szenenrhythmik, Schnittdramaturgie..etc..etc...)welches dann noch großzügig mit der Assoziationskette gefesselt wird.
Ich bin der Meinung das ein Film immer erst auf der emotionalen Ebene funktionieren muss bevor man ihn aufgrund seiner Technik verheizt. Mir ist es auch ein Greuel Filme mit Menschen teilen zu müssen, die ständig  Technikmängel oder -verbesserungen proklamieren oder gar in jedem zweiten Setpiece den unübersehbaren
"Godard-Fellinni-Zusammenhang-mit-anschliessender-Hitchcock-Verbeugung-auf-der-Kurosawa-Achse"
zu erkennen glauben.
Manchmal lässt man sich eben so sehr von der Hülle ablenken das man es versäumt in den Kern vorzudringen welcher das enthält für was wir Kino eigentlich lieben:
Das Gefühl das wir fühlen, wenn aufwühlende Leinwandgefühle, dank & durch unsere Augen gefühlt werden können. Cinephilie eben.
Lange Rede kurzer(bzw. getrübter)Sinn:
KIDNAPPED ist fühlbares Kino. Die filmschaffende Triebfeder von Miguel Ángel Vivas läuft von Anfang bis Ende auf Anschlag.

Hier wird man schon mitgenommen obwohl man noch nicht einmal gefragt hat ob man mitdarf geschweige denn überhaupt mit will. Hier herrschen noch die große Emotionen und der Hang zur großen Geste, auch wenn es sich hier um unangenehme Gefühle und aggressive Gewalthaltung handelt.Die kurze klischeebeladene Darstellung von oberschichtigen Gefühlswelten und Luxusproblemen wird einer genauen Charakterzeichnung vorgezogen und zum Gunsten eines altmodischen "thrill-ride" vorgezogen.
Von vielen wird das Fehlen von "echter" Exposition häufig in Filmen angeprangert.
Bartel versteht das nicht. Wenn ich mich auf eine Achterbahnfahrt einlasse mache ich das doch weil ich offensichtlich ein paar Schrauben locker habe und nicht weil ich wissen will wie und wo die Schrauben in dieser technischen Konstruktion angebracht sind.
"MACH DAS ES AUFHÖRT! MACH DAS SIE WEGGEHT!"
Die zahlreichen Überraschungsbesuche der Großmutter haben meist
unabsehbare traumatische Folgen für ihre Enkelkinder...
Ist ja auch egal! Bevor man überflüssige Gedanken zum Thema "Wer? Wo? Wieso? Woher? Warum?" vertiefen kann klopft es auch schon an der Fenster- bzw. Türscheibe.
Und zwar so heftig, dass diese gleich zerbricht um den Blick auf die nächsten 3 Teilnehmer dieser, bereits im Konflikt stehenden Situation, freizugeben.
Das Terror-Trio pfeift auf jegliche gutbürgerliche Etikette und statt an der Schwelle zu warten bis man reingebeten wird, haut man dem verschreckten Hausherrn lieber gleich eine rein !
Kommunikationsprobleme sind meist Vorbote von häuslicher Gewalt!
Ohne viel Umscheife wird die Ernsthaftigkeit des Besuches klargemacht.
Kreditkarten raus! Geheimnummer raus! Handy raus!
Papa gibt den Gewieften. Handy im Büro vergessen. Mama wird mit Plastiktüte teilstranguliert.
Luftlöcher reinmachen vergessen! Papa wird vernünftig und erinnert sich wieder an alles.
Schließlich klingelt das Handy ja auch. Blöd gelaufen. Mama? Blau angelaufen.
Der Anführer der Bande lädt Papa auf einen "Joyride" ein. Mit einem Papiertaschentuch und ein klein wenig Spucke wird  er vom Chef ganz liebevoll ausgehfertig gemacht. Das Reiseziel sollen diverse Bankautomaten sein von denen Papa ausgiebig abheben darf. Logiklöcher tun sich auf. Warum heben die Jungs das Geld nicht einfach selbst ab? Na egal! Hauptsache es bleibt spannend!
Spannend ist es definitiv was hier geboten wird. Vivas verzichtet wie die meisten Vertreter des gegenwärtigen Terror-Kinos darauf die Familienmitglieder auf "die Folter zu spannen".
Das wäre zu leicht. Brutal wird es dennoch werden.
Wer  auf die  Pubertät seiner Kleinen nicht klarkommt
sollte sich besser gleich "die Kugel" geben (lassen)...

Auf dem Weg zur allgemeinen Hosentaschenerleichterung wird dem Papa unmissverständlich klargemacht, dass jegliche dumme Gedanken von seiner Seite, durch drastische Gewalteinwirkung von Seiten der beiden im Haus wartenden Kollegen an seiner Familie, beantwortet werden.
Keine Probleme, keine Opfer. Ob das ehrlich gemeint ist bleibt freilich unklar.
Die Dummheiten werden letztendlich auch nicht von Papa sondern von seinen beiden besseren Hälften begangen. Daheim gibt es nämlich unerwarteten klassischen Genre-Besuch.
Zuerst steht das versetzte männliche Date der Tochter vor der Tür und dann noch der obligatorische Streifenpolizist der einer unausweichlichen Beschwerde wegen Lärmbelästigung nachkommt.
Lärm durch Hysterie. Vorallem die Tochter fährt hier ein schwer zu ertragendes (im positiven Sinne) Spiel auf.
Sie ist es auch die das Finale einläutet welches in Sachen Intensität den Vogel abschiesst.
Dieses fährt dann allerdings ein Gewalttheater auf, das in dieser Drastik vielleicht nicht nötig gewesen wäre aber wieder einmal zeigt das KIDNAPPED sich anbiedernderweise als ein Kind unserer Zeit "outen" will (aber es eigentlich nicht müsste...)!
Der finale Zynismus in seiner letzten Einstellung ist in seiner Heftigkeit allerhöchstens noch mit A SERBIAN FILM vergleichbar...oder stellt gar eine Verbeugung in Richtung des Serben dar.
WARUM GIBT ES KEINEN
"Gefällt mir nicht! - Button"
AUF FACEBOOK?

VERFLUCHTE KACKE!
DIAGNOSE:

(Nur nach erstmaliger Sichtung empfohlen!)

Regenschirme ausgepackt! Hier hagelt´s jetzt gleich SPOILER:
Wie ich ja bereits erwähnte ist das "Rollenverhalten" (egal ob logisch oder nicht) immer durch Zustand & Situation bedingt.
Auf KIDNAPPED bezogen darf hier nur derjenige sein (aufgrund der austretenden Kritik weit gedehntes, Maul aufreissen der auch echte Lebenserfahrungen im "Home-Invasion-Bereich" sammeln konnte. Da ich leider niemanden kenne der von den Angriffen auf seine Millionenvilla und/oder seiner Gesundheit und die seiner Familie durch die Hand maskierter Gewaltmenschen, berichten konnte, halte ich mich in diesem Punkt heraus. Die leidige Frage in welche Richtung man eine Treppe hinauf oder hinab laufen muss wenn man doch eigentlich hinaus will, kann auch ich nicht beantworten.
Was KIDNAPPED angreifbar macht sind seine Angreifer selbst bzw die versäumte Erklärung des Drehbuch bezüglich deren Motivation.Die schablonenhafte Zeichnung der Familie fällt hierbei nicht ins Gewicht (die meiste Kritik dreht dem Film hier schon seinen Strick) ist sie doch klassisch in ihrer Representation der reichen Oberschicht. Egal ob arm oder reich: In ein Opfer fühlt man sich vielleicht nicht gerne dafür aber leicht hinein. Hier stellt sich die Frage der Sympathie gar nicht.
Das Terror-Trio ist es, welches sich im Laufe der Handlung, von den eiskalten und brutal agierenden "Berufsprofessionellen" in eine chaotische, von Gefühlen beeinflusste, logik-löcher produzierende Clown-Posse verwandelt. Bei der zweiten Betrachtung fiel beispielsweise auf, das es sich bei einem der Möbelpacker vom Einzug, um einen der Täter handelt  der die Situation ausnutzt um das Anwesen auszuspähen. Die Tatsache das die Täter brutal und skrupellos handeln hat uns ja schon der großartige drastische Anfang gezeigt, das sie für derartig geplante Überfälle also auch  die Nerven und  das Talent besitzen sollten (zumal diese ja auch wiederholt passieren) scheint in der Natur der Sache zu liegen.
Wer sich nun denkt das Bartel hier seine eigene Meinung bezüglich der Exposition in Frage stellt, hat Recht:
Dies macht mich ebenso schizophren wie es der gesamte Film ist!

Nachdem sie sich Zutritt verschafft haben und anfangen sämtliche Wertsachen einzupacken lässt schlägt einer der Männer ein Familienfoto aus einem Rahmen und verstaut dieses in seiner Tasche.
Wozu das ganze? Hier wird urplötzlich Leerfläche für Plot-Verschwörungstheorien feil geboten.
Genauso urplötzlich gerät deren Clou auch ausser Kontrolle.
Wer solche krummen Dinger drehen will sollte zumindest mit einigen "Zufällen" und
"ungeplanten Überraschungen" rechnen.
"Und Sie behaupten ernsthaft das dieses klebrige, benutzte Präservativ
im Schulschließfach meiner Tochter gefunden wurde?"

Nachdem Gangster Nr. 1 (und anscheinend auch das "Gehirn" der Bande) mit dem Familienvater zu seiner Bankenspritztour aufbricht, verlieren die beiden bewachende Banditos fast augenblicklich die Kontrolle über die Situation und ihren Gefangenen. Hier bewahrheitet sich wieder einmal das Sprichwort:
Ist die Katze aus dem Haus tanzen die Mäuse auf dem Tisch.

Gangster Nr. 2 entpuppt sich als kokainbedröhnter, notgeiler und triebgesteuerter Sexualverbrecher.
Nicht mehr die Durchführung des Plans, sondern die des Geschlechtsverkehrs, bestimmen seine folgendes Handeln. Selbst der Kollege schafft es nicht mehr den freilaufenden, triebgestörten Vergewaltigungsfanatiker an die Leine zu nehmen. Es scheint gerade so als ob dieser vorsätzlich versucht die Eskalation herbeizuführen damit er endlich einen Grund dafür hat den beiden Frauen sexuelle und körperlich Gewalt anzutun. Aus dem Raub- wird ein Rapeüberfall.

Gangster Nr.3 hingegen hört auf einmal sein Gewissen flüstern.
Beim ersten Fluchtversuch von Mutter und Tochter droht er damit, den Schulfreund
(der wegen der geplatzten Verabredung mit seiner Herzdame aufgetaucht ist...) umzubringen.
Anstatt Worten Taten folgen zu lassen, täuscht er den Mord nur an (was dem Zuschauer erst später klar wird) und gibt somit nicht nur die bisherige strenge Verhaltenslinie sondern auch seine Glaubwürdigkeit auf. Als Gangster Nr.2 den Streifenpolizisten tötet zeigt sich Nr.3 sichtlich schockiert und wird sogar handgreiflich. Als  dann Nr.2 seinen Restefrust an der Mutter auslässt und danach auch noch die Tochter ins Schlafzimmer schleift ist Nr.3 am Ende mit seiner Kraft. Er lässt sich nicht nur zu einer Entschuldigung gegenüber der verprügelten Mama hinreissen sondern bricht in deren gebrochenen Armen auch noch in Tränen aus.
Da mutet es schon fast wie ein Witz an das eine solche Truppe angeblich zum wiederholten Male zuschlagen wollte. Bei einer derartigen Spannung innerhalb des Personals ist es doch ein Wunder das die Jungs überhaupt noch auf freiem Fuss bzw am Leben sind...

Gangster Nr.1 scheint dann auch zu ahnen woher der Hase läuft.
Der Kurtztrip zum Geldautomaten wird von ihm einfach zur Stadtrundfahrt umimprovisiert.
Er verlängert einfach die Wartezeiten und hält den sichtlich besorgten Vater notdürftig bei der Stange.
„Du bist am Leben, weil du die Angelegenheit einfach machst. Mich kümmert dein Leben nicht - 'tot' oder 'lebend' ist nicht wichtig, sondern 'einfach' oder 'schwierig'“...
Dieser Satz ist nicht unglaublich anmaßend da er nur zur totalen Verwirrunsstiftung dient.
Geschickt wird hier die Hoffnung auf ein gutes Ende vorgegaukelt obwohl man sich als Koordinator
doch über die Fehler und Schwächen seiner eigenen Mannschaft im Klaren sein sollte.
Um Papa bei Laune zu halten bietet er ihm sogar eine Waffe an mit der Option auf eine Beförderung zum Sündenbock. Dieser hat natürlich ganz andere Sorgen.
Nr. 1 ist es gelungen den Vater davon zu überzeugen, dass dieser die alleinige Macht über Gelingen und Scheitern des Planes aber auch über das Überleben und Sterben seiner Familie hat.
Der Nachteil: Ihn plagt jetzt das schlechte Gewissen eines Anderen und er muss sich auch noch  Gedanken über die Probleme seines eigenen Peinigers machen, weil dieser viel zu kriminell und abgebrüht ist um sich die eigene Schuld einzugestehen. Hier zeigt sich dann auch die eigentliche Genialität des "Gehirns" welche im Grunde eine tragische ist:
Er selbst macht es sich so "einfach" wie möglich während die totale Kooperation des Vater von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist.
Er soll einen Plan "vereinfachen" ohne zu ahnen das dieser nur deshalb so "schwierig" ist weil die einzige Schwierigkeit im Grunde, die Planleitung selbst ist. So war das natürlich nicht geplant!
Als dem Papa klar wird das er die ganze Nacht lang den Chaffeur für ein total fehlgeleitetes Managment gespielt hat und seine Kündigung längst feststeht fährt er den Karren frontal gegen die Wand.
So schafft er es noch im letzten Moment die Schuld für etwas abzugreifen für das man ihn sowieso verantwortlich gemacht hätte. Wer nun gar nicht mehr durchblickt der sei beruhigt: Ich tue es auch nicht!
Da macht nicht nur der Zuschauer Augen...
Am Ende serviert uns KIDNAPPED grundlosen Gore mit voller Breitseite!
Die Erleuchtung die den Vater zu diesem drastischen Fahrverhalten treibt findet zeitgleich mit der Emanzipierung der Tochter in der Villa statt...dies ist wird für den bereits hoffnungslos verwirrten Zuschauer durch die vereinfachende Weise des Split-Screen Verfahrens dargestellt.
Das tolle, fast schon berauschende Gefühl welches diese Szenen beim Betrachter auszulösen vermögen, gründet auf der Tatsache das dabei gleich zwei ganze Gehirnhälften für nahezu 10 Minuten auf Anschlag arbeiten müssen, um sicherzustellen das auch wirklich alle handlungsrelevanten Gewaltdarstellungen vom zuckenden Zuschauerhirn verarbeitet werden können!
Für die heimische Gattung des Gore-Bauern ist dies aber eher eine Zumutung als ein Zugeständnis.
Da er unfähig ist, auf die, für die optische Aufnahme einer solchen Visualisierung benötigte zweite Gehirnhälfte, zuzugreifen, bleibt ihm die erregende Stimulierung der niederen Instinkte vollkommen verwehrt:
Unfähig die zweite, weitaus blutigere Hälfte der Leinwand wahrzunehmen verlässt er entäuscht das Kino.
Ein cleverer Schachzug der Regie:
Das misanthropische Finale, das die unbarmherzige Abschlachtung der gesamten Familie zeigt bleibt den abwesenden ideologisch fehlgeleiteten Gewaltkonsumenten verwehrt. Dies mag auch der Grund sein wieso  das übliche Gelächter und die Beifallbekundungen während des Abspanns eher spärlich ausfielen.
Die vollständige Abwesenheit der "gemeinen Bluttouristen" löste bei den restlichen Zuschauer seelisches Unwohlsein und eine betrübte Stimmung aus. Manch einem wurde jetzt erst klar das sie gerade alles andere als eine Komödie gesehen hatten!

Spaß beiseite:
Das Ende zelebriert weniger eine zynische Konsequenz sondern ist meiner Meinung nach eher das Einlösen eines mündlichen Versprechens. Hier wollte nur jemand klarstellen das sein Wort das einzige ist auf welches man zählen kann. Das er die Familie töten wird falls sie es "erschweren" sollten hatte er mehr als einmal klargestellt. Ein Gefängnisaufenthalt oder gar der eigene Tod werden in Kauf genommen, solange die eigene Glaubwürdigkeit bestehen bleibt. Somit bleibt der Chef als einziger der Truppe seiner Linie treu ohne sich in sinnentfremdeter Gefühlsduselei zu verlieren.
Hier wird einfach nach all den geschüttelten Handkameraschwenks, den zitternden bebenden Körpern und der kreischenden, hysterischen Emotionshektik ein ruhiger und angenehm unaufgeregter Schlusspunkt gelegt welcher dem ganzen Zennober ein geradezu altmodisches Ende setzt:
Wenn alle tot sind, muss niemand mehr nachdenken. Am allerwenigsten der Zuschauer.
Übersichtlichkeit durch Endlichkeit!

Apropos Ende.
Endlich fertig!
Hochachtungsvoll,
euer Bartel

12 Hasst uns! Beschimpft uns! Lasst es raus!:

popkorn hat gesagt…

alter! ich glaub das drehbuch hat weniger text als diese kritik

Bartel formerly known as Faniel Dranz hat gesagt…

Das ist ja auch keine Kritik sondern ein Zustand!

Anonym hat gesagt…

Öhm... bisschen viele Spoiler? Aber vielleicht ist dies hier auch gar nicht als Rezension gemeint.

Bartel formerly known as Faniel Dranz hat gesagt…

Man sollte sich immer darüber im Klaren sein das man sich beim Einloggen ins WorldWideWeb gleichzeitig für den kulturellen Freitod durch selbstzugefügte Zerspoilerung entscheidet!
Das Netz nährt sich doch an unserer zunichte gemachten Vorfreude ähnlich wie die grauen Herren von der Zeit!
Aber du hast natürlich trotzdem recht:
Inmitten des ganzen Web-Wahnsinn ist das hier der definitive "Spoiling Point" für jeden der diesen Film sehen "hätte-wollen-würden"...
Ich werde das nächste Mal darauf achten...

Anonym hat gesagt…

Was mich nach diesem Film sehr interessieren würde ist, was mit dem Anfang des Films passierte.
Zuerst nahmen wir an, das es das Ende des Filmes sei...
Sicherlich wurde der Vater am Ende getötet oder vielleicht auch nicht? Denn zu Gesicht bekamen wir diese Szene nicht..

Dann welche Bedeutung der stechende Zahn vom Vater, anfangs hatte.. u.v.m.

Natürlich hätte man den Film doch noch etwas näher erklären können, seitens der Regie aus.
ABER, dies muss man bei solch Bildern auch nicht, wie ich finde.

Bartel aka Faniel Dranz (überzeugter Bartträger) hat gesagt…

Also eine pseudointellektuelle Zeitschleifenthematik würde ich dem Film nicht zusprechen...oder denkst du wirklich dem Vater sticht sein Zahn weil er erst kürzlich mit einer Plastiktüte im Park aufgewacht ist und erst mal sein Auto suchen musste? Viel Interessanter ist z.B. die Tatsache warum einer der Entführer ein Foto der Familie miteinpackt....aus Gründen des nostalgischen Zurückerinnerungswertes? Wenn hier irgendjemand etwas zu Gesicht bekam dann wohl einen Vorschlaghammer in das selbige...Ich bin mir sicher das der Kerl tot ist...Deine andere Frage ist zwar äusserst obszön...aber du kannst sie ja nochmal in Form einer e-mail stellen...Filme die man toll findet sollte man sich aber auch stets kaufen...allein um seine Liebe zu dem entsprechenden Werk in Form des schnöden Mammons auszudrücken...ähnlich wie bei Prostituierten...

Anonym hat gesagt…

Wenn man schon irgendwie durch oder krank klingen will, sollte man die Rechtschreibung beherrschen. So wirkt es halt echt, wie paar 14 jährige, die am DVD Schrank des großen Bruders waren...
Schade, soviel Mühe gegeben und irgendwie doch nichts geschrieben.

Bartel aka Faniel Dranz (überzeugter Bartträger) hat gesagt…

Woher kennst du meinen großen Bruder? Seit deinem Kommentar hat er seinen Schrank abgesperrt und sein Splatting Image gegen ein DIE ZEIT Abo getauscht! Bist du etwa einer seiner BWL-Studienkollegen Anonymus?

Der Korrekteur hat gesagt…

Nur selten wird in der BWL Vorlesung Grammatik besprochen...

Bartel aka Faniel Dranz (überzeugter Bartträger) hat gesagt…

...und Filme auch nicht. Juhu ich hab mich mal wieder zum Depp gemacht! Mama? Bist du jetzt stolz auf mich?

Anonym hat gesagt…

"Logiklöcher tun sich auf. Warum heben die Jungs das Geld nicht einfach selbst ab?"

Gangster Nr. 1 erklärt dies höchstpersönlich im Film: "Die Automaten sind videoüberwacht."

Sehr unterhaltsam geschrieben, Daumen hoch!

Bartel - Der Dranzer unter den Faniels hat gesagt…

Danke Danke. Kidnapped ist ein fieser Film. Nicht nur Logik- sondern auch Löcher in meinem Herzen haben sich da aufgetan.

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Die ideale Vorraussetzung für eine stimulierende geistige Penetration ist gegenseitiges Vertrauen!
Wir sind offen für alle Formen von motivierender Verbalbestrafung solange sie emotional aufgeladen ist!