Samstag, 21. Januar 2012

Begotten (1991)

DIE KRYPTISCHE UNBEGREIFLICHKEIT EINES BREMSGESPURTEN WASCHLAPPENS

ANALYSE:
Vor einigen Jahren machte ich die Bekanntschaft mit einem überdurchschnittlich hübschen Mädchen, derartig hübsch das selbst engste Freunde und Familienangehörige meinten ich sollte doch lieber wieder in meiner Liga weiterspielen anstatt eine demütigende Niederlage einzufahren.

Zu der damaligen Zeit Zeit noch mit einem ausgeprägten Selbstbewusstsein ausgestattet und durch eine strenge selbstauferlegte Evian und Hüttenkäse-Schwarzbrot Diät mit einem Teilzeit-Sixpack auf 400 Euro Basis (damals herrschten horrende Reformhauspreise) gesegnet, pfiff ich einfach auf all die gutgemeinten Ratschläge und ließ mir bevor ich in den Geschlechterkrieg zog, noch eine großzügige Badewanne After-Shave Marke Old Spice ein.

Durch diese amourös-flavouröse Taktik roch ich förmlich nach meiner selbst angedichteten Kampfansage:


"No!" can´t be for old men!

Derartig erfrischt konnte ich endlich den ersten Schritt wagen und die Telefonnummer wählen die mir die unbekannte Schönheit am vergangenen exzessiven Disko-Wochenende mit ihrem türkisfarbenen Glitter-Lip-Gloss auf die Rückseite meines leoparden-fleckgemusterten Sport-Tanga gekrakelt hatte.
Schon am Telefon gab ich mich bemüht kultiviert, quasselte also von den mir bekannten Studentenbistros, die Mannigfaltigkeit der dort aushängenden Milchkaffeekarten und den spezifischen Lernstoff, auf dem es sich nach dem Verzehr eines Schinken-Käse-Baguettes am Verdaulichsten büffeln lässt.
Praktizierende Singlebörsenbesucher
sind meistens Arm dran

Für ein Blind-Date mit Bartel,
geben manche Menschen jedoch ihren rechten Arm..
.
Nachdem ich mich relativ schnell in den Leerlauf geredet hatte, einigten wir uns darauf eine neutralere, unparteiische Lokalität für die erste gemeinsam-gegenseitige Lebensbeichte aufzusuchen.
Wir einigten uns auf jene Starbucks-Filliale, die in unserer Stadt den schlechtesten Ruf weghatte.
Einige Tage später betrat ich diese heruntergekommene Franchise-Spelunke mit Hosen, die mir nicht so recht passen wollten und die ich bereits gestrichen voll hatte und einem ausgemachten Frosch im Hals (French-Breakfast!).
Sie hatte es sich direkt an der Theke bequem gemacht und in mir keimte eine böse Vorahnung das sich der bevorstehende Abend in eine ungemütliche Richtung entwickeln würde:
Anhand der Anzahl leerer Tassen die sich vor ihr türmten, erkannte ich, dass meine Verabredung gerade im Begriff war  ihren siebzehnten Espressi zu exen!
Ihre zittriges Händchen umklammerte sogar gerade das winzige Grifflein eines, im Kuhflecken-Design elegant verzierten Koffein Kännchens um sich den nächsten mutspendenden Muntermacher einzuschenken.

Erleichtert wischte ich mir mit meinem Satin-Taschentuch den bereits ausgebrochenen Angstschweis von der Stirn, als mir bewusst wurde das ich wohl nicht die einzige Person des Abends war, die unter nervösen Liebeslampenfieber litt. Beim krampfhaften Versuch mein gewohntes Balzbetriebsklima zu erreichen, war auch ich ein klein wenig über das von mir angepeilte Ziel hinausgeschossen, indem ich schon am frühmorgens kurz nach dem Aufstehen, begonnen hatte mich dem unüberlegten überdosierten Missbrauchs zahl- bzw. wahlloser Stimulanzien hinzugeben. Angefangen hatte dies bei einem mittelgroßen Fläschchen "6-Ämter-Tropfen", ein wirklich fabelhaftes exklusives Likör der gehobenen Elite, wie mir der Verkäufer im Schnapsladen versicherte, nur um circa 50 Minuten später in einer der "besseren" Pils-Stuben der Stadt zu landen, wo ich ganz nonchalant versuchte, einer mir unbekannten aber dennoch seltsam vertraut wirkenden Person von mongolischer Herkunft,  ihr letztes Crack-Bröckchen abzuschwatzen.
Nach einem kurzen aber heftigen Pläuschen mußten wir beide feststellen, dass wir keine große Lust auf banalen Small-Talk hatten. Nein, wir wollten das Tanzbein schwingen, dort sein wo die Hotte abgeht.
Auf eine Empfehlung des Wirtes hin (ein wirklich sanftmütiger Libanese) kehrten wir in ein örtliches Tanzlokal namens "Transpiria" ein, wo bereits der menschliche Schweis klobig und kalt von der Decke tropfte, obwohl scheinbar nur ein einziges Pärchen eine Art intensiven Ausdruckstanz auf´s Parkett legte.
Wir gesellten uns dazu. Das Bein nach links, der Arm nach rechts und dann noch ein Kurzer hinter die Binde gekippt. GLITSCH? Nein! Hatte ich sie wirklich geküsst?

"Im Durchfallkabinett des flotten Otto"
Ein ex"press"ionistischer Klassiker der Stummfilmzeit
inszeniert vom Meister des viel gescholtenen
Diarrhoe-Dramas,
Spritz Lang
...


Es mußte so sein, denn auf einmal wollte sie schleunigst die Lokalität verlassen um den Abend in meiner Wohnhaftigkeit ausklingen zu laßen. Aufgeregt wie ich war ließ ich meinen zerflissenen Army-Parka am Kleiderhaken hängen, ergriff ihr bereits feuchtgetanztes Händchen und verließ die Örtlichkeit mit einem WUSCH! Zuhause angekommen mußte sie sich ihrer schmutzigen, äußeren H&M Hülle entledigen, weswegen sie eine zaghafte Frage äußerte, deren enorm erotische Tragweite sich mir zuerst langsam erschloss:
"Dürfte ich deine Dusche benutzen?"
Oh mein Gott! Da ich sämtliche Voyeur-Cams meines Badezimmers durch eine unheimliche Eingebung, bereits vor dem Weggehen eingeschaltet hatte, ahnte ich, dass Gott wohl einen höheren Plan verfolgte, der nach ihrer hygänischen Säuberung, unweigerlich auf den Geschlechtsverkehr hinauszulaufen schien. In diesem Moment beschloss ich die Kirchensteuer zukünftig wieder zu bezahlen!
Impulsiv bejahte ich also ihre Frage und stolperte kurz ins Bad um meinem Damenbesuch frische, saubere Trockentücher auszulegen als auch eine kuschelige Jogging-Wohlfühlhose Marke Übergröße, die ich in mühevoller Handarbeit über Jahre hinweg selbst gebatikt hatte (ein altes nostalgisches Relikt aus meiner Zeit unter den Alternafiesen...). Als ich das Badezimmer und die Toilette für sauber genug empfand, winkte ich die stolze Doppel-X-Chromosom Besitzerin mit zitternder Hand hinein, und verließ den Raum dann ganz "Gentleman-like" um in der Küche einen Chai-Tee zuzubereiten. Als die Dusche rauschte wurde mir auf einmal Schreckliches bewusst: Durch das damalige exzessive Fröhnen meines durchwegs hedonistischen Lebensstil mußte ich tagtägliche Abstriche unter den Dingen des alltäglichen Gebrauchs in Kauf nehmen.
Beispielsweise versäumte ich ständig den Kauf von solch essentiellen Hygiäneprodukten wie Toilettenpapier.
In Ermangelung dessen mußte ich meist auf meine  angeborenen Instinkte zurückgreifen und zweckentfremdete nach dem vollzogenen "Geschäft" stets einen, leicht angefeuchteten Waschlappen für die vollständige Säuberung meines Anus (das Innere des Allerwertesten).
Allein schon der Gedanke an den bevorstehenden Geschlechtsakt mit einem Weibchen kann das Männchen in einen krampfhaft ekstatischen Zustand unverklemmter Glückseligkeit versetzen.
Nur durch unkontrolliertes Suhlen und Wälzen im eigenen Ejakulat welches frühzeitig vom Männchen ausgeschieden wird,  ist eine Genesung von Körper und Geist, teilweise möglich...

Durch den intensiven Gebrauch des immergleichen Lappens war die komplette Entfernung der somit entstandenen Bremspur (Kotflecken) nahezu unmöglich. Das arg lädierte Pflegeutensil wurde von mir nach dem täglichen Missbrauch immer wieder an den Duschhaken gehangen um nach dem Trockenwerden mühevoll saubergekratzt zu werden. An diesem Morgen jedoch hatte ich das Corpus Delikti in seiner ganzen versauten Pracht am Haken hängen gelassen.
Als ich diese unglaublich peinliche Tatsache in meinem Kleinhirn

realisierte, hörte ich die ersten gedämpften Schreie des Ekels aus dem Badezimmer klingen!

DIAGNOSE:

Das Mädchen das aus der Dusche kam war plötzlich ein vollkommen anderes. Ihre Stimmung schien auf einmal betrübt, als sie, blass und leicht zitternd, mit einem leichten Sicherheitsabstand, neben mir auf dem Sofa Platz nahm. Um die gekippte Stimmung halbwegs zu retten schlug ich vor einen Film zu goutieren, und griff zur nächstbesten DVD, in meiner damals noch unsortierten Sammlung. BEGOTTEN sollte es sein. Ich dachte in meiner reinen Verzweiflung das es sich um ein Werk handelte das sich um das Thema "Begatten" drehte. Sex durch Porno? Das soll doch in manch anderen Fällen schon funktioniert haben....

Als die ersten Minuten von Elias Merhige´s krankhaften Fiebertraum anliefen, schien die Luft zum Schneiden dick. Nach circa 20 Minuten (eine gefühlte Ewigkeit also), verließ meine Verabredung wortlos meine Räumlichkeiten. Nicht einmal ein Gute Nacht Kuss war für den armen alten Bartel noch drin. Ich sah sie danach auch nie wieder. Warum ich an diesem Abend ausgerechnet vergessen hatte meinen Waschlappen zu entsorgen, habe ich nie verstanden. Genausowenig wie BEGOTTEN...

3 Hasst uns! Beschimpft uns! Lasst es raus!:

Gynalist hat gesagt…

Bartel des is nich mehr zu Toppen,an sovielen Stellen aufeinmal wurde ich noch nie berührt.Ich selbst hatte Zeitweise nur einen Waschlappen für meinen kompletten Cadaver,so hab ich mich Lieben gelernt.Die guten alten Zeiten!

Genial, Bartel bis demnächst.es grüßt der Gynalist

Bartel aka Faniel Dranz poetischer Plakativ-Prolet hat gesagt…

Ich fühle mich zutiefst geehrt von Ihnen mit einer solch herzlichen Kritik geadelt zu werden.
Darauf stoßen wir beim nächsten Mal mit einer Tasse serbischen Bohneneintopf an, auf dass die Waschlappen wieder hinter den Heizungen hervorgeholt werden können!
Widme mich jetzt mal den Raubtiertagebüchern, vielleicht kann ich mir da Tipps holen mein eigenes Haustier zu zähmen. Hochachtungsvoll, Bartel.

Professor Adalbert hat gesagt…

Sehr geehrter Herr Bartel,

ich ziehe meinen Zylinder und werfe meinen Waschlappen vor Ihrer großen Darbietung. Diese Review ist das schönste Stück Literatur, das mir jemals untergekommen ist!

Bartel, die besten sterben jung - da Sie, als bedeutungsvoller Literat, nun extrem gefährdet sind, habe ich mir etwas überlegt. Zeitnah werde ich alles in die Wege leiten um im Falle Ihres Ablebens einen Grabstein mit diesem Text als Inschrift parat zu haben.

Ganz großes Kino! Danke dafür.
Voller Ehrfurcht, Professor Adalbert

Kommentar veröffentlichen

Die ideale Vorraussetzung für eine stimulierende geistige Penetration ist gegenseitiges Vertrauen!
Wir sind offen für alle Formen von motivierender Verbalbestrafung solange sie emotional aufgeladen ist!