Freitag, 6. Januar 2012

Drive (2011)

YOU DRIVE ME CRAZY!

ANALYSE:
Nicolas Winding Refn ist eine coole Sau.
Schon immer gewesen. Jetzt aber steht es in Stein gemeiselt. Unmissverständlich. Im Schatten der Palme.
DRIVE ist das Ergebnis einer Fahrt ins Ausland. Refn´s erster Ausflug nach Amerika, ganz alleine ohne Führerschein dafür aber mit einer Tasche voller Geld. Ein fremdfinanzierter Trip ins Ungewisse. Dubiose Produzenten und die Schattenmänner der Studios hatten es ihm zugeschanzt. Als Korrumpierung seines Stilwillens. Doch was macht die coole Sau? Natürlich zieht er sein Ding durch.
"Bei uns in Dänemark wird es früher dunkel!"
Breitgestriffen und schwarzgemalt:

Die dänische Gattung der coolen Sau Nicolas Winding Refn
Er dreht einen amerikanischen Film der sich aber in keiner Sekunde anfühlt als hätte er hierfür irgendwelche Abstriche gemacht. Refn bleibt sich treu (und der Mann hat genauso wie ich, wirklich keine Fahrerlaubnis!)
DRIVE ist ganz großes klassisches Genre-Kino. DRIVE ist wie das heimliche Fahren ohne Führerschein, wie das erste Mal ohne Stützräder. Vom Feeling her tief im Kino der 80er verwurzelt schafft Refn es mit einer Geschichte wie sie im Grunde schon tausende Male erzählt worden ist, mitzureissen. Der namenlose Fahrer, von allen nur Kid genannt, ist einer dieser Typen die noch nach einem selbstauferlegten Kodex leben und dabei nur soviele Worte sprechen wie nötig sind. Tagsüber geht er seinen Job als Stuntfahrer nach, nachts ist er Fluchtwagenfahrer für jeden der seine Fähigkeiten in Anspruch nehmen will und keine Fragen stellt.
Doch eines Tages lernt der Eigenbrötler eine Frau kennen und mit ihr etwas das er zuvor nicht kannte:
Probleme. Eine Abwärtsspirale der übelsten Sorte wird losgetreten. Der Driver jedoch erträgt sein Schicksal schweigsam bis zum bitteren Ende. Das ist zwar tieftraurig aber damit eben auch extrem fühlbares Kino wie man es heutzutage viel zu selten sieht.

"Denk nach Mann, ...wo hast du die Autoschlüssel als letztes gesehen?"
Gedankenversunken, zahnstochernd aber fahrtüchtig:
Die amerikanische Gattung der coolen Sau Ryan Gosling
DIAGNOSE:
Vielleicht ist es zu einfach DRIVE schönzureden, aber es ist nunmal so ein verdammt schöner Film.
Angefangen bei der Musik von Cliff "Bad Ass" Martinez und seiner Fusion aus 80er geprägten Synthie-Elektro mit schwelgerischen Flächen, den großartigen Bildern des nächtlichen L.A. bis hin zur Darstellerriege ist das gesamte Werk eine runde Sache mit ganz viel abgefahrener Sahne obendrauf.
Ryan Gosling ist ja sowieso schon zum Lieblingsschwiegersohn der Independent-Filmszene ausgerufen worden doch in der Rolle des namenlosen Fahrers treibt er sein Spiel auf die Spitze.
Er schafft es in seine Rolle alle genrespezifischen Archetypen zu packen, vom glorifizierten Helden mit Beschützerinstinkt bis hin zum eiskalten mordenden Soziopathen, und deckt somit alles ab, was der Laie (somit also ich) unter "Abgründigkeit" versteht.
Doch ist Herr Gosling nicht alleine auf dem Parkett:
"Du hast da was im Auge. Warte..., ich helfe dir!"
Gnadenlos, gemein und abgrundtief böse:
Die amerikanische Gattung des fiesen Schweinehunds Albert Brooks

Unser allseit geliebter Heisenberg Bryan Cranston, von mir für MALCOLM IN THE MIDDLE verachtet dafür aber für BREAKING BAD umso heißgeliebter, gibt den väterlichen Mentor und Wagenschrauber.
Albert Brooks ist das ultrafiese Arschloch von einem Bösewicht und wurde hierfür bereits mit einem goldenen Globus belohnt. Wen hätten wir denn da noch?
Ach ja! Ron Perlman, der hässliche Hund spielt mal wieder die Rolle seines Lebens:
Die kriminelle Hackfresse stand ihm wohl nie so gut wie hier, und verstehen tut man ihn auch ganz schlecht!
Dann gibt es ja noch "die Frau" und "ihr Kind" über die ich hier eigentlich keine Worte verlieren will, denn sie sind der Grund warum der Fahrer in Probleme gerät und deswegen auch die Ursache warum mir dieser Film fast das Herz gebrochen hat!
"Wuff, wuff, wuff!"
Unansehnlich, unästhetisch und ein klein wenig inkongruent:
Die hackfressianische Gattung des hässlichen Straßenköters Ron Perlman

DRIVE ist übrigens vollgepackt mit wundervollen Szenen die überaus schmerzen:
Eine Messerstecherei die sich nur durch die Schattensilhouetten der Beteiligten im Hoch der Mittagssonne abzeichnet oder die Versinnbildlichung des Filmkuss im klaustrophobischen Ambiente eines Fahrstuhl kurz vor dem Ausbruch von Tod und Gewalt. Und so könnte ich ewig weitermachen. Weiterfahren sozusagen.
Denn genau das ist es was DRIVE so einzigartig macht. Das Fühlbarwerden eines Zustands. Weiterzufahren, einfach weiterzumachen, immer geradeaus wider allen Konventionen, wider aller Vernunft.
Das Schicksal mag zwar unausweichlich sein, aber wenigstens kann man da mit Vollgas hineinbrettern so das es ihm auch ein klein wenig wehtut...
P.S.:...dem Arschloch!


16 Hasst uns! Beschimpft uns! Lasst es raus!:

Rajko Burchardt hat gesagt…

Bin stark enttäuscht. Totale Verklärung. Ohne Biss. Ohne Boshaftigkeit. Thema verfehlt, dem Hipster auf den Leim gegangen! Das Review hätte die coolste Sau von allen werden können.

Bartel aka Faniel Dranz poetischer Plakativ-Prolet hat gesagt…

Leider habe ich die Anti-Haltung nicht gepachtet...das ist immer noch Ihr Fachgebiet Herr Vega. Ich gehöre leider zu den verklärten Träumern die sich leicht hinters Licht bzw. davon blenden laßen. Leider. Aber auf Mad Circus bin ich jedenfalls nicht reingefallen! So!

Rajko Burchardt hat gesagt…

Ach, den habe ich mir nicht mal angeschaut, beeindruckt mich also nicht. :D

Sylvio hat gesagt…

Ich bin natürlich auf Ihrer Seite, Herr Bartel. Selten fesselte ein Film mehr, gleich von Anfang an. Bumm. Die ersten zehn Minuten gehören zu den geilsten Filmanfängen der geilen Filmanfänge und die sind auch richtungsweisend für den "Rest" des Films. Fesseln, packen, fesseln tut der, wie Winnetou am Marterpfahl.
Auch hier gilt wieder der alte Grundsatz: Mit gegen Burchardt liegste selten falsch.

Bartel aka Faniel Dranz poetischer Plakativ-Prolet hat gesagt…

Sylvio! I heart you!

Sylvio hat gesagt…

Wat?
Today I DRIVE through the air. To Saigon. Read you later, d*u*d*e. :-)

Post scriptum: Haste Dir bitte schön auch schon den ultrageilen Soundtrack ins heimische Regal gestellt?!

Bartel aka Faniel Dranz poetischer Plakativ-Prolet hat gesagt…

Nein. Die derzeitige Lieferzeit aus Amazonien dauert mir einfach zu lange, und schließlich will ich ihn mir ja auch ins Regal "stellen", also richtig stellen!

Sylvio hat gesagt…

Na was denn sonst? Downloadscheiße ist das Allerletzte! Wasn da los bei den Amazonen? Wieso senden die den Ohrenschmauß nicht schneller?

Bartel aka Faniel Dranz poetischer Plakativ-Prolet hat gesagt…

Oh mein Fehler. Ich Dödel wollte ja auch die Import-CD bestellen. So lang kann´s gehen...
Egal, ich bestell mir lieber gleich den Film als Blu-Ray aus UK. Kommt schon nächste Woche raus. Juhu!

Anonym hat gesagt…

Ich kann den Hype um den Film leider nicht ganz nachvollziehen. Könnte mich vileicht jemand aufklären was an dem Film so ergreifend ist. Ich mein, für mich gings gleich zu Anfang des Films los, und zwar mit der Szene, als er dem Polizei-Hubschrauber auf wundersame Weise entkommen ist. Meine Frage also: WIE zum Teufel soll er das geschafft haben? Mir kommen einfach viele Scenen unglaubwürdig rüber, genauso wie diese angebliche "Mafia", mit ihren Witzfiguren. Hoffe auf Antwort nicht auf Verachtung.

Bartel aka Faniel Dranz poetischer Plakativ-Prolet hat gesagt…

Zunächst einmal käme es uns nie in den Sinn einen unserer Leser zu verachten. Nein, wir sind dankbar das sich überhaupt jemand für uns interessiert. Das einzige was wir verachten ist die Rechtschreibung. Ansonsten stehen wir allen Menschen und Tieren relativ gleichgültig gegenüber. Nun zu deiner Frage: Da Kino für mich stets eine kleine Möglichkeit ist der Realität zu entfliehen, versuche ich möglichst wenig Filme an der selbigen festzumachen (es sei denn es lüstet mir nach einem Ken Loach Film oder ähnliche filmische Realismus-Tristesse). Ob es in der Wirklichkeit möglich wäre einem Polizeihelikopter zu entkommen, kann ich dir also leider nicht beantworten, da ich auch selbst nie vor einem geflohen bin. Ich denke DRIVE ist ein Film der sich über seine Stimmung und Atmosphäre definiert und davon hat er meiner Meinung nach reichlich. Deine Frage mit der Mafia kann ich leider auch nicht nachvollziehen. Nur weil Nino aus einer kleinen Pizzaria heraus operiert macht das die Jungs doch nicht weniger gefährlich. Albert Brooks bspw. spielt seine Rolle doch gnadenlos fies und unbarmherzig. Also "lächerlich" fand ich den überhaupt nicht, eher furchteinflössend.
Hochachtungsvoll,
Bartel

Anonym hat gesagt…

Danke für die Antwort. Ich bin kein Realismusfanatiker, nur wenn in einem Film "der Fahrer des Jahunderts" stilisiert wird, dann sollte dass schon glaubwürdig getan werden. Mir ist durchaus bewusst, dass der Film eine gewisse Atmosphäre schafft und da liegt glaube ich mein Problem. Auf mich wirkt diese anscheinend nicht, stattdessen stellt sich oft ein unangenehmes Gefühl ein, dass ich weiter nicht zu deuten in der Lage bin. Wahrscheinlich liegt es wohl einfach an mir.

Anonym hat gesagt…

Ach Mensch, warum lässt man sich nur immer wieder von der Masse mitreißen, wo doch gemeinhin klar sein sollte, dass man nur enttäuscht werden kann von Hypes. Was hier an Selbstverliebtheit, die ja bekanntlich blind macht, über den Bildschirm flackert, geht auf keine Kuhhaut. Als ob es reicht, einen vermeintlich ultracoolen Helden wahlweise stoisch am Steuer, einen Zahnstocher zwischen den Zähnen, oder debil grinsend neben seiner Flamme auf dem Sofa sitzend zu zeigen und dabei jedwede Charakterentwicklung völlig zu unterbinden; warum die Mühe machen und den Zuschauer auch nur irgendwie versuchen für die Hauptfigur einzunehmen, selten war mir ein Protagonist so egal wie hier; die Nebenfiguren bleiben bloße Abziehbilder ihrer großen Kinovorbilder; der Regisseur bedient sich nicht eben bescheiden aus dem Fundus der Filmgeschichte und klatscht das alles irgendwie zusammen; die Gewaltdarstellung wirkt einfach nur lächerlich-aufgesetzt, warum muss das plötzlich so dämlich eskalieren; und zu allem Überfluss bleibt die versprochene Action aus. Das hat man alles schon wesentlich mitreißender und ambitionierter umgesetzt gesehen. Ich bin sowas von enttäuscht. Schlaffe 5/10 Punkte und keiner mehr. Basta.

Bartel (filmgestört, linkshändig, schreibblockiert) hat gesagt…

Leere Abziehbilder, übertriebene Gewalt und leere Liebeshüllen: Wie in echt, das pralle Leben. Das ist doch gerade das Schöne an dem Film. Ein guter Bekannter von mir schaltet seitdem er den Film gesehen hat immer die Autolichter aus wenn wir an der Polizei vorbeifahren und es ist wirklich so: Man wird unsichtbar!

Anonym hat gesagt…

Was hat eine antisemitisch motivierte Beleidigung in einer Filmkritik zu suchen?

Bartel - filmgestörter fränkischer Schmock hat gesagt…

Wer den scheinbar äußerst subtil-eingewobenen Antisemitismus in der DRIVE Kritik (oder auch im Film)auszumachen vermag, entlarvt Bartel nicht nur als gänzlich voreingenommenen Vergangenheitsbeschöniger, sondern ist auch der stolze Gewinner einer güldenen Locke seines arischen Haupthaares (welches bei ihm mittlerweilen als streng limiiert gilt und in Sammlerkreise zuweilen in vierstelligen Beträgen gehandelt wird).
Viel Spaß beim Knobeln
wünscht euch
Euer hasserfüllter Bartel

P.S.: Braune Spuren konnte unser Lektor bisher nur in unserer Unterwäsche ausfindig machen. Unsere Hetzschriften jedoch sind frei jeglicher Couleur. Verbrochen!

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