Sonntag, 19. Juni 2011

I Am Number Four (2011)


I AM NUMBER FOUR (oder "UNNÖTIGE LEUCHTKRAFT")

Wie bin ich da nur hineingeraten? Die Twilight Plage hatte ich überstanden ohne auch nur einen Frame der Teenie-Schnulzen-Saga ertragen zu müssen. Aber als Freund des Films hätte ich mir schon denken können, dass mein feiges Wegducken durch Karma-Hollywood bestraft werden würde. So saß ich ahnungslos und in freudiger Erwartung an einen X-Men Fake vor dem Fernseher und wurde einmal mehr zum Opfer irreführender Trailer. Was in den nächsten knapp zwei Stunden passierte, war schlecht, grauenhaft und kitschig. Die Wut darüber staute sich in mir an, führte zu exzessiven Alkoholkonsum und schlussendlich zu dieser Review. Ich tue mein Bestes, keine Kraftausdrücke zu verwenden.


Noch kurz vorab: die Review spoilert! Im Normalfall versuche ich dies zu vermeiden, aber hier komme ich Euch ein Stück entgegen: alles was ihr hier lest, braucht ihr Euch nicht nochmal antun!



INHALTLICHE LEEREN:

Der Film beginnt so dramatisch, wie es sich ein Hollywood Banause nur vorstellen kann: dunkle Bilder, schnelle Streichmusik und die Ermordung eines Kindes. Hat der stupide Freund geschmacklosen Kinos hier schon eine Nominierung für "Best Drama 2011" eingereicht, folgt "Best Actor" in Minute vier. Ein trainierter Sunnyboy - John - fährt mit einem Jet Ski über das Wasser. Wahnsinn.
Nach der sportlichen Performance und einer kurzen aber wilden Party, erfährt man von der Superfähigkeit des Protagonisten - er hat leuchtende Hände. Drei seiner strahlenden Kameraden wurden dafür schon umgebracht, jetzt scheint es ihm an den Kragen zu gehen. Um zu überleben flüchtet er mit seinem Mentor quer durch die USA, um sich vor seinen Jägern zu verstecken. In einer bestimmten Stadt lernt er dann ein Mädchen kennen, verliebt sich, will bleiben, bekommt Probleme weil die Bösen ihn finden, kämpft, gewinnt und ergattert einen Kuss von seiner Traumfrau.

"Ach du meine Güte! Ich leuchte wie, wie... Superman?
Nein - Batman? Nein - Äh, äh, ahhhh ich habs, wie mein Solarium!"
Nicht gerade die hellste Leuchte: E.T. die extraterrestrische Tiefleuchte.



SUPERFÄHIGKEIT - WAS SOLL DAS?

Wolverine hat Klingen, Spiderman geht Wände hoch... unser Superheld braucht keine Taschenlampen.
Nachdem die Leuchtkraft sich im dunklen Klassenzimmer zeigt, wird Hollywood-Schönling ängstlich und unsicher, erfährt aber vom Mentor, dass er da schon bald reinwachsen werde - also seine Kräfte kontrollieren könne.
MagLite baut seit 1979 effektive Knöpfe zum An- und Ausschalten von portablen Lichtquellen, deswegen gelten aber Türsteher und Polizisten (typische MagLite Nutzer) noch lange nicht als Superhelden. Naja gut, ich will mal fair sein - der Protagonist verfügt auch noch über ein gutes Herz, eine Prise Schüchternheit und einen gewissen gespielten Charme. Ist das nicht Grund genug für einen Super-Mann Status? 
Im Verlauf des Filmes zeigt sich auch Johns Fähigkeit physikalisch Druck auszuüben. Dies will ich aber nicht als Superkraft durchgehen lassen. Eine gesunde Portion Anabolika könnte einen Normalsterblichen auch mit solchen Kräften bereichern; dagegen ist die Leuchtkraft schon ein außergewöhnliches Highlight.

"Werde erleuchtet und ... stirb!" - laut Regisseur die
zukünftige Methode der Verbrechensbekämpfung.




DIE BÖSEN - KO(S)MISCHE FISCHE?

CRAZY SOMMERTREND:
Das tattoowierte Haar
Wie stellt sich ein 12 jähriges Mädchen den typischen Schurken vor?
Wahrscheinlich hat er Tattoos, einen irren Blick, keine schönen Zähne, trägt schwarze Ledermäntel und spricht eine unverständliche (osteuropäisch klingende) Sprache.
Um nicht lediglich auf diese Klischees zurückzugreifen, nimmt der Regisseur D.J. Caruso noch zusätzliche Gimmicks auf: Kiemen neben der Nase, ein Fable für Comic-Bücher und Metallbällchen mit integrierten Sägen.

Hier halten sich Kreativität und geistige Armut die Waage und loten 
(bzw. leuchten...) dabei, die höchste Stufe publikumszumutbarer Debilität, vollkommen neu aus!

"Nie wieder Angst im Dunkeln! YAAAAHHH!" - seit er
Abends wieder raus kann, klappt es auch mit den Frauen.






DIAGNOSE / INTERPRETATION:

Ich weiss nicht was ich denken soll - nach der Sichtung fühlte ich mich einfach nur verarscht. Ok - mag ja sein, dass pre-pubertäre Mädchen gefallen an diesem Film haben. Aber muss man ihnen für ihr Leben eintrichtern, dass Superhelden leuchten können? 
Die Helden meiner Kindheit lachen sich ins Fäustchen. In ihren aktiven Tagen haben sie mit Feuerbällen, technisch überlegenem Equippment oder einfach durch Intelligenz, das schlechte in der Welt besiegt. Die nun Heranwachsenden, werden in zehn Jahren mit Strähnchen im Haar und einer Taschenlampe auf Verbrecher Jagd gehen. Wenn dann die Bösen tattoowierte Ausländer sind und sogar unter Wasser atmen können, sehe ich die Apokalypse kommen.
Ich empfehle jedem, diesen Film nicht zu sehen - außer man saß bereits bei jeder Twilight Premiere mit einem Fan-Shirt.



3 Hasst uns! Beschimpft uns! Lasst es raus!:

Dr. J. hat gesagt…

Da hast du mal ordentLicht
LICHT INS DUNKLE gebracht. 2 Stunden meines Lebens verschwendet.

Bartel formerly known as Faniel Dranz hat gesagt…

Hast du wirklich 2 Stunden für die Lektüre dieser Review gebraucht? ;)

Bartel aka Faniel Dranz (überzeugter Bartträger) hat gesagt…

Der Filmtitel ist zwar toll aber gleichzeitig auch irreführend:
Bei der selbstbezeichnenden Aussage "ICH BIN NUMMER VIER" erwartet man als aufgeschlossener Cineast eine Spielart des tristen Sozialdramas. Zwei arbeitslose Herren z.B. die sich nach dem Ziehen ihrer Nummer in die Warteschlange einreihen und sich aus reiner Neugier nach der jeweiligen Kennziffer des anderen erkunden.
Die langsamen Mühlen deutscher Bürokratie...usw....
In der jetzigen Form allerdings wird nur noch ein infantiles Zielpublikum angesprochen, denn die ausgebufften Produzenten sind sich der spielerischen Freude von Kleinkindern, die durch das Erfolgserlebnis der ersten eigenhändig geführten Selbstbezifferung ausgelöst wird, durchaus bewusst. Hier ist derjenige der zählen kann klar im Vorteil! Egal ob 4 gewinnt oder Nummer 5 lebt...durch ein diszipliniertes Antrainieren des Schäfchenzählens hat man eventuell eine realistische Chance sich seines Bewusstseins eigenmächtig zu entledigen um somit dem schädlichen Einfluss vorzubeugen den dieses Machwerk auf unsere Gehirne auszuüben imstande ist!

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