Sonntag, 21. August 2011

Trolljegeren [The Troll Hunter] (2010)

Am 01. September findet TROLL HUNTER endlich seinen Weg in die deutschländischen Verkaufsregale. Grund genug unsere verstaubte alte Review rauszukramen, diese mit neuen Bildchen aufzumöbeln ("Picture-Pimping") um somit den Leuten etwas vollkommen Neues zu suggerieren! Na ja, wenigstens geben wir es zu...

Trolljegeren (oder "Das Leben der Anderen")

ANALYSE:

Der Troll – ein Wesen das immer herhalten muss, wenn im kühlen Norden etwas unerklärlich bleibt. Verschwinden Menschen, werden Autos in Seen gefunden oder knicken Stromleitungen ein, schieben es die Nordmänner gerne mal auf das Wesen, welches sich meist versteckt hält. André Øvredal hat aber gute Kontakte zur lokalen Szene und gewährt uns Einblick in das Leben – mit und ohne Trolle.
Eine studentische Gruppe reist in der norwegischen Pampa umher und leidet dort an Action-Mangel. Tote Bärenfunde scheinen ihre Lück decken zu können, aber nur wenn sie ein Interview mit dem Täter bekommen. So wird schnell ausfindig gemacht, dass ein Auswärtiger in der Gegend ist, der logischerweise der Täter sein muss. Dieser wortkarge Mann will ihnen freilich nicht Auskunft geben, was die Studenten sehr verwundert. Ihre Sensationsgeilheit aber bringt sie dazu, den Mann zu verfolgen, bis eines Nachts in einem finsteren Wald, die Begegnung der dritten Art die jugendlichen und den angeblichen Wilderer zusammenschweißt.
Neuseelands hässlichste Babies:
"Schaut ihn euch an...ist er nicht ein trolliges Kerlchen?"
Die Mockumentary wurde traditionsgerecht mit einer wackeligen Handkamera gefilmt. Empfindliche Sensibelchen könnten Kopfschmerzen von den Bildern bekommen - doch solche Leute sollen sich von meinen Reviews genauso fernhalten, wie von diesem Film!
Verängstigt, verwirrt und verlaust:
Leichte Beute für erfahrene Trolljäger!
Aufgrund ihrer unerträglichen Zurschaustellung der eigenen Hilflosigkeit wurde mit den sogenannten "Lindgren-Albino-Trollen" einfach "kurzer Prozess" gemacht. Mittlerweilen sind sie vollständig ausgerottet.
Man könnte meinen diese Machart vermittelt dem Publikum die Illusion von Echtheit, auf Basis von Amateuraufnahmen.
Allerdings wurde nach dem Erfolg von Blairwitch schon manch ein multipel Filmgestörter mit solchen Werken zugepumpt und kann letztendlich Amateuraufnahmen nur schwer von Machenschaften unfähiger Regisseure unterscheiden.

Während zum Beispiel Blair Witch Project sich recht ernst nimmt und Cloverfield ziemlich scheisse ist (und dies nicht weil nur eine Monstergattung gezeigt wird), geht Trollhunter einen ganz anderen Weg. Mit Humor wird das abgefuckte Leben der Trolle erklärt. Øvredal nimmt sich nicht ganz ernst und versucht -weder elendig, noch nervig- dem Zuschauer falsche Fakten aufzudrücken – er überzeugt nämlich durch Sympathie: Suchen die Fabelwesen neue Tatorte heim, hinterlassen sie Pisse und spucken alles voll. Um als Human unentdeckt zu bleiben reicht es aus zu stinken und nicht an Gott zu glauben.
"Mach ganz schnell das du dich trollst, Teutone!"
Obwohl die europäischen Grenzen mittlerweilen offen sind,
gibt es noch einige sture und hartnäckige Grenzer
die ihren alten Posten partout nicht aufgeben wollen:
Hier sehen wir einen der letzten tschechischen Passiertrolle...

Viel Stimmung verbreitet auch das Vehikel des ausergwöhnlichen Jägers – mit fortschreitender Spieldauer werden die aufgeschraubten Spielzeuge immer kreativer. Bis die Christ-Rock Hi-Fi Anlage dann sogar die Großen zum Schreien bringt. Das Publikum bei den Fantasy Filmfest Nights war hörbar amüsiert und erfreute sich am lustig-trashigen Anteil einer so 'ernsthaften' Dokumentation.
Denn was bisher noch nirgendwo diskutiert worden ist, sind die krassen gesellschaftlichen Darstellungen vom Leben Ungewollter in einem nationalsozialistisch geprägten Gebiet. Außerdem deren Ausrottung und wiederum Vertuschungsversuche der Regierung. Die Trolle, Sinnbild für die Andersgläubigen, sind schon länger da, als die aktuellen Amtsinhaber. Doch ihre kulturelle Rückständigkeit zwang sie in die Knie – sie mussten in die Wälder weichen.

Zwar haben sie das akzeptiert und sich an das harte Leben angepasst, das empfindet die High Society dann aber auch als schlecht – sie riechen an den Spuren der Verdrängten und kotzen sich fast – sie würden sich wünschen die Anderen würden in ihre eigenen vier Wände kacken. In Supermärkten ungern gesehen bleibt den Trollen nichts anderes, als das rustikale Leben im Freien mit allem Fressbaren was sie nur finden.
Nachts sind alle Trolle grausam:
Vor dem "Mockumentarius Trollus" machen selbst erfahrene Hobbyfilmer und Freizeittrolljäger einen großen Bogen
Kaum hat sich eine Gruppe Ausgestossener eine Bleibe gesucht, kommen die fiesen Akzeptierten und brechen mit der Utopie einer gelungenen Immigration.
Dabei entfaltet sich auch der Grund allen Übels:
Als auffällt, dass einer der Einbrecher dem christlichen Fundamentalismus fröhnt, eskaliert die Situation. Im Endeffekt wird aber keine Lösung aufgezeigt, die moderne Sozialdokumentation gibt nur Momentaufnahmen dieses einzigartigen experimentellen Bürgerkrieges...


DIAGNOSE:
Trollhunter ist ein mit Humor versehener unterhaltsamer Film, der dem Unwissenden das Leben der Anderen näher bringt. Die Mockumentary bietet Naiven, echte Amateuraufnahmen -dem bewanderten Filmliebhaber satte Unterhaltung. Wer dramaturgisch keinen Oscar-Preisträger erwartet, kann hier gerne zuschlagen und dadurch vielleicht sogar zum Gläubigen werden.


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