Montag, 31. Oktober 2011

The Crow (1994)


The Crow (oder "Wolverine in Sin City")
Die mysteriöse und mit traurigem Schicksaal behaftete Entstehung des Filmes dürfte mittlerweile genau so bekannt sein, wie der Inhalt selbst. Bereits beim Zeichnen des gleichnamigen Comics, verarbeitete James O’Barr mit seiner Arbeit die Tode zweier nahe stehender Menschen. Nachdem sich dann Alex Proyas an die Verfilmung des Comics gemacht hat, starb der Hauptdarsteller Brandon Lee durch einen unglaublichen Zufall: im Lauf einer Requisit-Pistole lag ein Stück einer vorher abgeschossenen Patronen-Attrappe, welches sich daraufhin beim Feuern einer Platzpatrone löste und Brandon Lee tödlich verwundete. Als Paramount dann am erfolgreichen Ende der Produktion zweifelte und das Projekt zur Seite legte, wagte nur noch Miramax die Beendigung des Werkes und investierte die letzten notwendigen Mühen. Zudem ist anzumerken, dass während der Konzeption dieses Textes, eine Krähe vor den Fenstern meines Büros umherflog.
Als die Zeiten auf dem Männerstrich noch hart waren,
durfte 'das Objekt' zur Selbstverteidigung auch lästige Freier ritzen.


ANALYSE:
"People once believed that when someone dies, a crow carries their soul to the land of the dead. But sometimes, something so bad happens that a terrible sadness is carried with it and the soul can't rest. Then sometimes, just sometimes, the crow can bring that soul back to put the wrong things right."
Übersetzung frei nach dem Fremdwörter-Folianten der MULTIPLEN FILMSTÖRUNG
"Einst glaubten die Menschen, dass wenn jemand stirbt, eine Krähe ihre Seele ins Land der Toten bringt. Manchmal, aber nur manchmal, läuft dieser Prozess so grauenhaft schlecht ab, dass die Krähe traurig wird und keine Ruhe mehr findet. Daraufhin kann die Krähe manchmal, aber nur manchmal, eine Seele aus dem Reich der Toten zurückbringen und sie als Zeitarbeiter anstellen, um ungeliebte Aufgaben zu erledigen."
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Zuschauern mit guten Gehör wird auffallen, das der Soundtrack rockig und schnell ist.
Aber Filmliebhaber mit guten Augen, werden sehen,
dass die Choreographie Michael Jackson's Trickkiste entstammt.
Die lokale Gang will sich in der Stadt Respekt verschaffen und beginnt verschiedene Gebäude anzuzünden und Wohnungen auseinander zu nehmen. Im Weg stehende Zivilisten werden, je nach Geschlecht, vergewaltigt oder umgebracht. So wird auch die Wohnung von Eric Draven Schauplatz des Revierkampfes, seine Freundin - Shelly Webster - zur städtischen Matratze. Als der Rocker sich gegen die Einbrecher aufbäumt, wird er erschossen und auf die Reise ins jenseits Geschickt. Sein Rabe allerdings ist flugfaul und entscheided Eric's Seele, nach einem Jahr Verzögerung, wieder am Ausgangsort abzuwerfen. Um seiner Handlung Sinn zu verleihen, ficht er Draven's Wut an und zeigt ihm die Schänder seiner Vergangenheit. Scheinbar im Sinne seiner eigenen Vergnügung, schenkt der Vogel dem Rächer die Unsterblichkeit, welche aber an seine eigenen Health Points gebunden ist. Außerdem erhält Eric erhöhte Muskelkraft und sattes Gothic Make-Up, um die Kämpfe nicht nur spannender sondern auch einen Lidstrich emotionaler zu machen.

Rabenschwarze Nacht
Eric Draven zieht auf seinem Racherundflug durch eine Stadt, die von einer Verbrecherbande tyranisiert wird. Die Szenen spielen sich meist im Dunklen ab und wenn das Geschehen nach Draussen verlegt wird, regnet es. Die Atmosphäre hat einen Hauch von Sin City - die Stimmung ist getrübt und Recht und Ordnung scheinen nur die Alternative zur lokalen Politik zu sein. Doch in der Emo-Stadt scheint durch die verrußte Fassade ein kleiner Hoffnungsschimmer, als der Held auf die Bühne tritt. 
Nachdem der abendliche Ausgang häufig zu Konfrontationen führte,
erwägt E. Draven häufig die Option, doch nicht mehr auszugehen
und sich ganz dem Selbstmitleid hinzugeben.

In Kombination mit der gossenhaften Kulisse und den sprunghaften Fähigkeiten des schwarzen Wunderknaben, erinnert der Film an Tim Burton's Batman Filme, von denen Alex Proyas sich vielleicht etwas mehr inspirieren oder beflügeln lies. Erics Unsterblichkeit, sein Umgang mit dieser und die Konsequenzen auf zahlreiche Schlägereien sind mit Wolverine zu vergleichen. Nur hat der Klingenmann ein Problem mit eng anliegenden Lederklamotten und auch das Schminken überlässt er den emotional angehauchten.
Rächer in dunklen und von Gangs beherrschten Städten mögen nicht unbedingt aussergewöhnlich sein und die Motivation Verbrecher zu jagen wird recht selbstverständlich aufgefahren. Wie schön Selbstjustiz doch sein kann, weiss der moderne Kinogänger bereits auch schon. So fliegt der Film dann insgesamt doch eher in eine hollywood-mäßige Richtung - allerdings kann man nicht genau sagen, ob Proyas sich der Klischees bediente oder spätere Regisseure so sehr inspirierte, wie ihn einst Tim Burton.

Vielleicht mag das alles schlimmer klingen als es ist - der Film ist durchweg spannend und ist eine absolute Alternative zu guter Laune und Gesellschaft am Abend. Doch kann es sein, dass der Genuss dieses Streifens mich ein wenig traurig gestimmt hat und ich immer noch Probleme in meiner Wohnung habe, da das Regenwasser nicht optimal abgeflossen ist.
Als strahlende Scheinwerfer noch nicht etabliert waren
und der dunkle Ritter noch beschwippst durch die
Gassen wanderte, war innovative Straßenkunst die einzige
Möglichkeit, Erics Aufmerksamkeit auf akute Probleme zu lenken.

DIAGNOSE:
Letztendlich ist The Crow ein Film der keine Fragen über die Gerechtigkeit von Rache anspricht, etwas philosophisch die Sterblichkeit der Unsterblichen behandelt und natürlich auch das Lebensgefühl "Regen" oder Depression attraktiv macht.
Alex Proyas ist hier zwar kein Klassiker gelungen, wer aber auf eine gelungene, düstere und action-geladene Mischung aus X-Men, Batman oder SinCity steht, könnte es sich ruhig vor dem Flimmerkasten gemütlich machen und den Regenschirm auch mal in der Wohnung aufmachen.

3 Hasst uns! Beschimpft uns! Lasst es raus!:

Sylvio hat gesagt…

Naaaaa (auf die Betonung achten!). Kein schlechtes Wort über DIE KRÄHE, sonst muß ich Euch ein Loch in die Hand schießen. Und in die andere auch. Dann guckt ihr doof wie Tarantino.

Bartel aka Faniel Dranz poetischer Plakativ-Prolet hat gesagt…

Für die bösen Worte Prof. Adalberts übernehme ich weiterhin keine Haftung. Also ich fand den zu meiner Zeit auch immer toll...aber wie gesagt "zu meiner Zeit"...man wird ja auch älter und reifer....gulp...nichts für ungut Herr Constable!

Professor Adalbert hat gesagt…

Sehr geehrte Filmgestörte,

ich möchte anmerken, dass ich die Bewertung von der ursprünglichen Note 4 auf nun 2 geändert habe.
Als ich den Film korrigiert und schließlich benotet habe, dachte sich mein Geist das Tag 'Filmpression' passt so gut zu diesem Streifen. Ich würde unserem treuen Publikum an Halloween schließlich keinen Mist empfehlen.

Ich zitiere mich selbst:
"Vielleicht mag das alles schlimmer klingen als es ist - der Film ist durchweg spannend und ist eine absolute Alternative zu guter Laune und Gesellschaft am Abend" -- das ist durchaus positiv gemeint!

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