Sonntag, 11. August 2013

Melancholia (2011)

PLANET DER BAFFEN
oder
DEPRESSIONEN IM SCHATTEN APOKALYPTISCHER DUNSTGLOCKEN

Melancholia beginnt langsam...sehr laaaangsam nur um danach noch ein klein wenig mehr vom Gas zu gehen.
Der ehemalige Dogma Mitbegründer zeigt dem inszenatorischen Minimalismus erst einmal den Stinkefinger und fährt zu Beginn ganz Frechdachs-like einen hochmütig hochdefinierten Bilderreigen auf, der zwar vollkommen sinnentleert ist, aber sich dafür schamlos anbietet um von sinnsuchenden Filmhochschulabsolventen mit vernebelten Blick und sperangelweitoffenen speicheltriefenden Mündern, begafft bzw. gefühlt zu werden.
Für solche Bilder ist das Wort Scheißlupe erfunden worden, denn wie wir alle wissen, zeugen selbst Fäkalien unter dem strengen Blick eines Mikroskops, von einer geradezu unheimlichen Schönheit.

Okay, ich muß gestehen: Die einläutenden Minuten MELANCHOLIAs haben mich mit mit ihren visuell blendend aussehenden Wunderschönitäten derartig in ihren Bann gezogen, dass ich, wie von dänischer Geisterhand gesteuert, anfing "Freude schöner Götterfunken" zu summen, während meine Hände langsam unter die Gürtellinie wanderten um zu einer brutal-sanften Zwangsmasturbation anzusetzen!

Kirsten Dunst guckt ernst aus der Wäsche während tote Vögel vom Himmel fallen um sich danach im Brautkleid, masochistisch vor sich hin schwelgend, durch eine Sumpfwurzel-Bukake zu quälen.
"Der immer geile Fummelchef, ist immer noch der Wurzelsepp!"

Während der Zuschauer immer weniger Dunst von dem hat, was die Dunst da macht, setzt diese auch, auf Befehl von Meister Trier, zum nächsten Verwirrungsschlag an:
Irgendwie scheint Mary Jane nicht ganz richtig geerdet zu sein, denn ihre feingliedrigen Fingerkuppen fangen an Funken (Blitze!) zu schlagen! Ihre weiße Spitze verfügt also scheinbar über keinerlei ausreichenden ESD-Schutz! Von Trier formuliert seine Botschaft zwar umständlich und unbequem dafür aber ästhetisch wertvoll:

Diese Frau hat einen Schlag!
Der Blues pfeift heulend durch ihr Unterröckchen
Auf dem Höhepunkt geht dann auch noch Mutter Erde den Bach runter! Ein böser Planet, der noch blauer als der unsrige ist, setzt zu einem "Bodycheck" an, der sich gewaschen hat. Wirklich beeindruckend!
Meines Wissens ist Gott von Trier der einzige Naturdokumentarfilmer, der es geschafft hat, eine interstellare Kneipenschlägerei zwischen zwei betrunkenen Himmelsgestirnen, auf Zelluloid zu bannen!
Das stellt sogar die Strahlkraft der fundamentalistischen Bilder des ähnlich gestrickten ARMAGEDDON in den Schatten und läßt dessen Schöpfer Michael Bay, geradezu blass und ein bisschen weniger größenwahnsinnig aussehen.
Wenn man sich nun an Meister Bays aktuelles Werk zurückerinnert, das ja den Titel "DARK OF THE MOON" trug, hat man eine Interpretationskette an der Hand, deren Gewalt mit der Gefährlichkeit eines zu enggeschnallten Asteroidengürtels verglichen werden kann! Und das ist erst die Spitze des Pompösitäteneisbergs.
Denn was nun folgt spottet jeglicher Beschreibung: Trier überrascht selbst die abgebrühtesten Kunsthauskino-Koryphäen mit einem unglaublichen Plot-Twist der sich gewaschen hat! In einer Rückblende erfahren wir wie es zu der Katastrophe kam und wer die agierenden Strippenzieher waren. An dieser Stelle machen wir Bekanntschaft mit dem "eigentlichen" Helden dieser verdrehten Handlung:
Der wohl berühmteste Bauer der jüngsten Fernsehgeschichte tritt plötzlich auf den Plan. Ich spreche hier nicht von irgendeinem Bauer. Ich spreche von Jack Bauer. Geheimagent im Dienste der CTU (Cultural Terror Unit).
Er ist mal wieder unterwegs um die Welt zu retten. Ungenannten Quellen zufolge plant Erzbösewicht Dr. Trier einen erneuten kulturellen Terroranschlag in Form eines Films auf die westliche Welt. Das Projekt trägt den Decknamen MELANCHOLIA und soll verherrender sein als alles was der Wahnsinnige bis dato ausgeheckt hat.
Bauer hat nun weniger als 24 Drehtage Zeit diese cinematographische Apokalypse zu verhindern! Interessant wird diese ganze Metaebene aber erst aufgrund der Tatsache, das es Bauer gelingt sich als Laienschauspieler zu tarnen um somit als verdeckter Ermittler, die Dreharbeiten des dänischen Wunderknödels auszuspionieren.
Da ihm von Verwandten und Kollegen schon seit jeher eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem U.S. amerikanischen Charakterdarsteller Kiefer Sutherland nachgesagt wird, und sich dieser (wie es der Zufall will) sogar auf der Besetzungsliste von Projekt MELANCHOLIA wiederfindet, trifft Agent Bauer eine moralisch äußerst fragwürdige Entscheidung:
Mithilfe seiner Interpol Kontakte, lässt er Sutherland während dessen Mittagspause vom Drehort entführen und ihn binnen kürzester Zeit nach Guantanamo einfliegen.
Auf dem paradiesischen Eiland besitzt Bauer einen fiesen, kleinen gemütlichen Folterbungalow in dem er gerne im Beisammensein mit engeren Verdächtigen, seine trostlosen Wochenenden verbringt.

Doch der Kiefer will nicht mitspielen. Er schließt seine Scheuklappen, wird sozusagen zu Shutterland. Das gefällt dem Bauer natürlich gar nicht..
Jack Bauers bester Freund bei der Force war Special Agent Dafoe der sich nach einem Wochenende mit der französischen Femme Fatale auf der Waldhütte spurlos davon gemacht hat. Bauer will nicht wahrhaben das sein Freund verschwunden ist und schleust sich als Kiefer Sutherland bei den Dreharbeiten zu Triers neuesten Film als Hauptdarsteller ein um die Wahrheit zu erfahren und Lars seine Nazivergangenheit aufzudecken. Er ahnt jedoch nicht das der Weltuntergang kurz vor seiner Inszenierung steht weil Trier den Geist von Leni Riefenstahl aus der Bundeslade befreit hat!
Arsch von Trier schwelgt eingangs in opulenten Zeitlupen-Langweiler-Bildern um sich dann heftigst beim Kollegen Vinterberg und dessen DAS FEST zu bedienen. Im zweiten Teil bekommen dann alle Kirsten Dunst Internet-Tittenbilder-Sucher worauf sie ein Leben lang gewartet haben. Zwei Hügel und zwei Nippel im melancholischen Licht des tittel-gebenden Planeten.

Danach herrscht Endzeitstimmung die so schwer auf dem Gemüt liegt das selbst Jack Bauer in den letzten 24 Minuten den freiwilligen Abgang wählt. Jetzt bedarf es nur noch einer hysterisch aufspielenden Charlotte Gainsbourg um das Ganze abzurunden. Das Ende der Welt hab ich mir auf jeden Fall lustiger vorgestellt. 3 von 10 abgeschnittenen Schamlippen.

DIE KLEINE EKSTASE DER NIPPELSPITZEN KIRSTEN.
KEINEN DUNST VON GROßEM KINO...

8 Hasst uns! Beschimpft uns! Lasst es raus!:

Silvia Szymanski hat gesagt…

So kann man den Film natürlich auch sehen! :D Der Text ist schön lustig, und ich bin dem Film gegenüber selber unschlüssig. Viele meiner Freunde schätzen ihn sehr hoch. Von Trier habe sich da selbst gezeichnet, sagte einer, in seiner Situation als depressiver Mensch im Berühmtheits-, Kunst-, Gesellschaftszirkus. Mit einerseits dem Wunsch, durchs Mitspielen dabei aus der Melancholie raus zu kommen (= Dunst lässt sich auf die Heirat ein) und andererseits dem Wunsch, dagegen zu rebellieren (= sie lässt das Ganze platzen, indem sie mit dem Zufallstyp auf dem Rasen schläft). Dazwischen ist die Psyche/der Film hin und her gerissen, blockiert und lähmt sich selbst und hofft durch ein Ende von außen. Ich glaube, das kommt hin.

Bartel - Brutal Schreibblockierter Filmgestörter hat gesagt…

Tatsache ist jedenfalls das es Menschen gibt die Von Trier viel zu ernst nehmen, ernster gar als dieser sich wahrscheinlich selbst nimmt. Zumindest bin ich mir in einem Punkt ziemlich sicher: Trier ist ein wirrer, irrer Schelm mit herausragenden Entertainerqualitäten. Er wird von seiner Kunst immer noch selber am Besten unterhalten. Er amüsiert sich jedenfalls prächtig wenn er den Kulturmob mal wieder bei der totalen Kaputtanalyse und der großangelegten Hochpolarisierung seines filmischen Werks beobachten kann. Ich selbst war auch großer Trier-Fanatic. Zumindest in dessen Anfangstagen als er noch Wellen durchbrochen, Kameras geschüttelt und sich nebenbei die Kidman zum Köter machen konnte (nicht zu vergessen die Pop-Elfe die er in seiner Dunkelkammer festgehalten hat, der Fuchs!)
Sich also über den neuen Trier den Kopf zu zerbrechen, ist fast so als wie sich über den neuen Michael Bay aufzuregen: It´s a guilty pleasure. Ich will. Er will. Wir wollen Willen. Also los jetzt...entertain uns bitte sofort du dänischer Derwisch Dogmatiker! Lars sei mit Trier!

Patrick Lohmeier hat gesagt…

Also dass du den Herrn von Trier so verunglimpfst mit schnöden satirischen Spitzen gegen seine Person und seinen Film - nahezu unverschämt. Fast wirkt es so, als hättest du diese Rezension (or is it?) nur für ihn geschrieben. Er hätte wohl seine wahre Freude daran. Ich denke, der Lars war schon immer ein vom eigenen Werk selbst amüsierter Zeitgenosse und erst in den letzten Jahren und durch zunehmend wirre Pressekonferenzen und Interviews kommt man dem dänischen Schalk nun endlich auf die Schliche. Wobei sein Humor ja eher sardonischer, zynischer Natur ist. Ist man sich dessen beim Schauen von Bestrafungs-Kino wie BREAKING THE WAVES und DANCER IN THE DARK bewusst, sind seine Filme unerträglich mies. Blendet man dies aus, sind sie unerträglich großartig. Blablabla - was ich sagen wollte: ich mag von Trier auch in seinen schwächeren Momenten. Große Abschnitte von MELANCHOLIA gehören defintiv dazu. Anfang und Ende des Films sind jedoch so stark, dass sie mich letztendlich vergessen lassen, dass wir hier größtenteils dem von dir erwähnten DAS FEST RELOADED beiwohnen ohne die darstellerische Brillanz des Vinterberg-Ensembles. Guter Film. Solide. Note 2 mit Sternchen, äh, Planeten.

Bartel - Brutal Schreibblockierter Filmgestörter hat gesagt…

Wahre Worte Herr Lohmi. Ich würde gerne ausführlicher auf ihren Kommentar (der mich natürlich sehr ehrt...) antworten, doch bin ich im Moment absolut geblendet von ihrem gelb-golden strahlenden Avatarbild.
Eine wirklich grandiose Portraitaufnahme. Ein solches Bild rundet jedes Portfolio formvollendet ab.

monstergroove hat gesagt…

Ich find Melancholia ja total schön. Ernsthaft. Alles. Das fantastische anwesen, die natur drum herum, und Kirsten Dunst erst! Viel schöner als bei, sagen wir, Spiderman. Vielleicht wegen der Frisur/Haarfarbe? Hab den Film jedenfalls genossen.

Tamy hat gesagt…

Ich weiß nicht was es ist aber bis jetzt hat mich jeder Lars von Trier Film begeistert. Ganz egal ob er den Film ernst meint oder nicht. Obwohl ich Melancholie noch nicht gesehen habe gehe ich stark davon aus dass ich auch diesen Film miz Begeisterung gucken werde.

rotting. hat gesagt…

Habe auf eueren Eintrag hin den Film auch mal rezipiert und fand ihn tatsächlich sehr gelungen. Irgendwie drängte sich mir die Interpretation auf, dass die 3 Hauptdarsteller die personifizierten Geisteshaltungen Optimismus, Pessimismus und Realismus darstellen. Lag ich völlig falsch oder hatte jmd eine ähnliche Interpretation?

Bartel - Der Dranzer unter den Faniels hat gesagt…

Wie vielleicht bekannt, ist diese "Rezeption" (oder "Eintrag" was es wohl eher trifft) nicht komplett zuende gedacht worden. Mein werter Blogkollege Adalbert und ich litten so sehr unter der Inaktivität unseres kleinen Irrenhauses hier, das wir uns gegenseitig gezwungen haben, noch nicht fertiggestellte Reviews, gegen den Willen des jeweils anderen, zu posten. Natürlich arbeite ich weiter daran meine Gedanken zu MELANCHOLIA (notfalls mit Gewalt) zu einem schlüssigen Ende zu grübeln. Wenn dies geschehen ist werde ich diesen Text hier natürlich aktualisieren. Wenn du dir den Film also nur deshalb angeguckt hast, muss ich mich entschuldigen...oder dir gratulieren. Je nach Perspektive, halt.

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